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Abschied von Pellworms Inselarzt : Zwei Nachfolger übernehmen medizinische Versorgung

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Dr. Regine Ecker und Dr. Manuel Kociok treten gemeinsam in die Fußstapfen von Dr. Uwe Kurzke. Die Gemeinde Pellworm will zudem mit Unterstützung des Landes ein medizinisches Versorgungszentrum einrichten.

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erstellt am 28.Mai.2016 | 12:00 Uhr

Als kürzlich der Inselarzt Dr. Uwe Kurzke den Bürgermeister informierte, dass er Pellworm zum 1. Juli verlässt, war Eile geboten. Jürgen Feddersen setzte als Gemeinde-Chef den Landespolitikern des Innenministeriums im übertragenen Sinne die Pistole auf die Brust, sodass sie kurzfristig eine Lösung finden mussten, um die medizinische Versorgung auf der Insel nicht zu gefährden, erklärt der Bürgermeister auf Nachfrage der Husumer Nachrichten.

Das Problem um eine Nachfolge des Inselarztes ist bereits seit mehr als zwei Jahren Thema (wir berichteten). Feddersen sah aber bislang keinen akuten Handlungsbedarf, da sich Kurzke weiterhin um die 1200 Einwohner kümmern wollte. Doch nun geht der 62-Jährige kurzfristig nach Österreich. „Uwe Kurzke ist an 365 Tagen im Einsatz“, beschreibt Feddersen seinen immens wichtigen Status.

Aber durch den Einsatz des Bürgermeisters und die Unterstützung des Landes soll nun ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) eingerichtet werden. „Es wird eine GmbH gegründet und die Gemeinde wird Betreiber“, verkündet Feddersen erfreut. Es sei zwar noch nicht alles in trockenen Tüchern, aber das Gebäude des derzeitigen Insel-arztes soll von der Gemeinde gekauft und verpachtet werden. Dort sollen dann sogar zwei Ärzte arbeiten: Dr. Regine Ecker und Dr. Manuel Kociok. Ferner soll ein Kooperationsvertrag mit der Mutter-Kind-Klinik des DRK-Landesverbands und den beiden Medizinern geschlossen werden. Denn: Dr. Uwe Kurzke ist bislang auch Kur- und Notarzt.

Chirurgin Ecker durchläuft zurzeit eine zusätzliche Ausbildung auf Pellworm, um sich detailliert in Kenntnisse der Allgemeinmedizin einzuarbeiten. Der Berliner Arzt Kocoik beginnt am 1. Oktober seinen Dienst. Feddersen schätzt sich glücklich, eine komfortable Situation für die Insel geschaffen zu haben, sagt er.

Er verweist auf eine ähnliche Station, die jüngst in Büsum geschaffen wurde, und hervorragend funktioniert. Mit dem MVZ Pellworm ist analog zu Dithmarschen, wo erstmals bundesweit ein kommunales Hausarzt-Zentrum auf den Weg gebracht worden ist, nun ein Ableger in der Entstehung. In Büsum arbeiten ausgewählte Allgemeinmedizinern nicht mehr selbstständig, sondern als Angestellte einer Tochtergesellschaft der Gemeinde. Die Verantwortung für die medizinische Versorgung liegt bei der Kassenärztlichen Vereinigung, mit der die Gemeinde Pellworm ständig im Gespräch ist, versicherte Feddersen. „Für Pellworm bedeutet es künftig, dass sich die Mediziner auch gegenseitig im Urlaub vertreten können“, betont der Bürgermeister eine weitere Besonderheit des neuen Versorgungszentrums. „Die zwei medizinischen Angestellten werden von der Gemeinde übernommen“, erklärte Feddersen.

Die Pellwormer machten sich bereits vor mehr als zwei Jahren Sorgen um die medizinische Betreuung auf ihrer Insel. Was passiert, wenn der Arzt geht? Der Ortskulturring bot Dr. Kurzke seinerzeit eine Bühne, seine Sichtweise um die künftige medizinische Versorgung auf der Insel vorzutragen. Nun aber muss sich der 62-Jährige nicht mehr um die Insulaner sorgen.

Für Kurzke ist der Mangel an Allgemeinmedizinern Hauptursache für die Lücken im Gesundheitssystem. Dazu kommt die nachlassende Bereitschaft der Ärzte, abseits der Ballungsgebiete tätig zu sein – gar auf einer Insel oder Hallig – und die wirtschaftlichen Prognosen für ländliche Regionen. Kurzke zufolge muss auf die veränderten persönlichen und familiären Ansprüche junger Ärzte und die Auflagen im Gesundheitssystem Rücksicht genommen werden.

Für ihn war bereits vor zwei Jahren eine logische Alternative, die ärztliche Versorgung auf zwei Ärzte zu verteilen, die sich die zu besetzende Stelle teilen. Zudem formulierte er seinerzeit bereits, dass durch eine integrierte Versorgung auf Pellworm die Probleme künftig bewältigt werden könnten. Alle am Gesundheitssystem beteiligten Institutionen in ein Versorgungszentrum: Hausarzt, Facharzt, Notarzt, Krankenhaus, Rettungsdienst, mobiler Pflegedienst, Sozialstation, Physiotherapeuten, Kurmittelhaus, DRK-Verbände, Kassenärztliche Vereinigung. Alle müssten sich vernetzen und unter einer Leitung selbstverantwortlich agieren.

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