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„Christian“ und „Xaver“ im Film : Zwei Jungs mit dem Gespür für Sturm

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Husumer Malte Wienhues und sein Freund Jakob Sporer haben einen Film über die Stürme „Christian“ und „Xaver“ produziert, der am Sonntag im Husumer Kino-Center Vorpremiere hat.

Das ist genau sein Wetter. Wenn es stürmt, dass sich die Bäume biegen, gibt es für Malte Wienhues kein Halten mehr. Dann packt er seinen Windmesser ein, hängt sich die Kamera um den Hals und fährt hinaus zum Husumer Sperrwerk oder zum Dockkoog – dorthin, wo Sturm keine unangenehme Begleiterscheinung, sondern ein unmittelbares physikalisches Erlebnis ist.

Aber Malte Wienhues hat nicht nur ein Gespür für Sturm. Mit seinem Freund Jakob Sporer (18) hat der angehende Abiturient auch schon einen Dokumentarfilm gedreht. Und der zweite feiert am Sonntag, 22. November, 13.30 Uhr, im Kino-Center auf der Neustadt Premiere. Es geht – wie könnte es anders sein – um einen Sturm, das heißt eigentlich sogar um zwei. Die fegten 2013 über den Norden hinweg und hatten – bei allen Unterschieden – eines gemeinsam: gewaltige Zerstörungskraft. Die Rede ist von „Christian“ und Xaver“.

Szenenwechsel: Es ist beinahe beängstigend windstill. Malte und Jakob stehen in einer leidlich „aufgeräumten“ Trümmerlandschaft, dort wo früher einmal der Schobüller Wald begann – im äußersten Westen des Ortsteils. Dort hat „Christian“ ganze Arbeit geleistet, stattliche Bäume – vorwiegend Nadelhölzer – wie Streichhölzer umgeknickt oder mitsamt der Wurzeln aus dem Boden gerissen. Trotz aller Aufräumarbeiten sieht es dort noch immer aus, als ob eine Bombe eingeschlagen hätte. Und nichts anderes war „Christian“ wohl auch – eine natürliche Bombe mit Windgeschwindigkeiten bis zu 200 Stundenkilometern.

„Mich haben Stürme schon immer interessiert“, sagt Malte. Was er damit meine: schon immer? Der 17-Jährige lächelt verschmitzt: Das sei so mit zehn Jahren losgegangen, berichtet er und schaut zu Jakob hinüber, der bestätigend nickt. Die beiden kennen sich schon lange – auch wenn sie sich nur in den Ferien oder per Skype sehen können, denn Malte wohnt in Rödemis und Jakob im nordhessischen Eschwege. Einander gefunden haben sie durch ihre Eltern: „Die sind zusammen zur Schule gegangen“, erläutert Jakob. Was sie trotz der räumlichen Distanz zusammenhielt, waren gleiche Interessen. „Bei einem Besuch in Husum hatte Jakob eine Kamera dabei. Da haben wir ein bisschen gefilmt“, berichtet Malte. Später unternahmen die beiden dann Streifzüge durch den hessischen Naturpark Hoher Meißner – vor Jakobs Haustür, die Kamera immer dabei. Sie drehten, und das machten sie offenbar so gut, dass ihr Film einen Platz auf der Homepage des Naturparks fand.

Maltes Leidenschaft für Stürme haben die Folgen von Orkantief „Anatol“ geweckt, das im Dezember 1999 über weitere Teile Europas hinwegfegte und ganze Landstriche verwüstete. „Unser Haus in Rödemis liegt ziemlich hoch“, sagt er nüchtern. Deshalb sei es bei Stürmen immer wieder beschädigt worden. Das ließ dem jungen Mann keine Ruhe. Er begann, sich näher mit der Materie zu befassen, kaufte einen Windmesser und eine kleine Wetterstation. Seither erhebt er täglich Wetterdaten und stellt sie ins Netz. Zusammen mit Jakob knüpfte er Kontakte und sammelte Material. Wichtig wurde die Verbindung zu Lars Rohwer, einem 23-jährigen Husumer Studenten der Meteorologie. Er bestärkte die beiden in ihrem Vorhaben, einen Film über „Christian“ und „Xaver“ zu drehen.

Doch das war gar nicht so einfach, denn eigenes Material hatten sie nicht. „Wir haben im Internet recherchiert und Leute gefragt, ob wir mit ihren Fotos und Filmaufnahmen arbeiten dürfen“, sagt Jakob. Doch die reine Chronologie der Ereignisse reichte ihnen nicht. Sie machten einen Plan, überlegten, wen sie mit dem Film erreichen wollten, und mit wem sie sprechen müssten, um verständlich zu machen, was „Christian“ und „Xaver“ ausgelöst haben und „mit welchen physikalischen Vorgängen wir es zu tun hatten“.Dafür sprachen sie mit Meteorologen der „Wetterwelt“ in Kiel und holten sich professionellen Rat von Rainer Krause, dem Kameramann von NDR-„Wetterfrosch“ Meeno Schrader.

Herausgekommen ist ein zirka 45-minütiger Film, bei dem unter anderem deutlich wird, dass „Xaver“ die exakte Blaupause jenes Orkans war, der die große Sturmflut von 1962 verursachte. Aber das alles und sehr viel mehr soll der Film selbst erzählen. Und Malte? Der will allein schon wegen der Stürme gern im Norden bleiben und nach dem Abi Meteorologie studieren. Ach ja, und weitere Filme drehen natürlich – am liebsten mit Jakob.

> Die stürmische DVD heißt „Christian und Xaver“ und ist am Sonntag im Kino-Center und danach in der Schlossbuchhandlung, Schlossgang 10, erhältlich. Online geht der Film ebenfalls am Sonntag unter www.verox-digital.de. Weitere Info ferner auf der Facebook-Seite „Husumwetter“.

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erstellt am 21.Nov.2015 | 21:54 Uhr

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