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Blick hinter die Kulissen : Zwei gute Seelen der Husumer Tafel

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Einrichtungen wie die Husumer Tafel sind auf solche Helferinnen angewiesen: Anke Runge und Erika Carstensen empfinden dieses Ehrenamt als Bereicherung für ihr Leben. Ein Blick hinter die Kulissen.

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erstellt am 29.Dez.2013 | 07:00 Uhr

Zu Weihnachten sind die Esstische meistens reich gedeckt. Vom Lebkuchen bis zur gefüllten Gans ist alles dabei, was rund macht. Aber nicht alle haben an den Feiertagen die Ressourcen, um sich selbst oder die eigene Familie zu versorgen. Hilfsbedürftige aller Art sind auf Spenden angewiesen – die meisten von ihnen nicht nur jetzt, sondern das gesamte Jahr über. Anke Runge und Erika Carstensen wollten helfen und unterstützen deshalb tatkräftig die Husumer Tafel, die seit 2004 kostenlos Lebensmittel an Bedürftige verteilt. Träger der Husumer Tafel sind die Arbeiterwohlfahrt und das Diakonische Werk.

Carstensen ist seit dem ersten Winter mit von der Partie. „Eine Freundin, die ich schon seit 50 Jahren kannte, fragte mich, ob ich Lust hätte mitzumachen“, erzählt sie. Etwas unsicher sagte sie zu und bereute diese Entscheidung bis heute nicht. Am Anfang haben sie und ihre Kolleginnen die Spendenware noch mit ihren eigenen Autos abgeholt. „Nicht alles passte in den Kofferraum unseres kleinen Corsas“, erzählt die Tafelhelferin. Als Anke Runge vor rund zwei Jahren dazustieß, gab es bereits ehrenamtliche Fahrer. „Die sind täglich unterwegs, um neue Spenden von Händlern aus der Umgebung abzuholen“, erklärt sie. Anschließend werden die Spenden in den Keller des Diakonischen Werkes in der Theodor-Storm-Straße gebracht, wo die Ausgabe stattfindet.

Dort arbeiten nach Angaben der beiden Damen zeitweise bis zu 20 Personen. „Als ich dazu kam, war mir der Name schon ein Begriff“, erzählt Runge. Zu diesem Zeitpunkt sei die Einrichtung schon von vielen genutzt worden. Die Tafel öffnet ihre Pforten zweimal wöchentlich. Am Freitagvormittag stünden im Gegensatz zum Mittwochnachmittag mit 30 bis 40 Personen auch schon mal bis zu 100 Hilfsbedürftige vor den Kellertüren, um Lebensmittel anzunehmen. „Alle haben einen Sozialamtsnachweis“, erklärt Runge. Wer keinen vorlegen kann, würde leider abgewiesen werden müssen, so die Helferinnen.

In den vergangenen Jahren gab es immer mehr ausgewiesene Bedürftige. „Im Vergleich zu früher sind es auch immer mehr junge Familien mit Kindern, die zu uns kommen müssen“, erzählt Gründungsmitglied Carstensen. „Die meisten stocken damit ihre Vorräte auf, weil sie von der Arbeit allein nicht leben können“, erklärt Runge. Eine ganze Familie könne sich von den Ausgaben aber nicht versorgen. „Es ist eine Ergänzung zu ihrer Versorgung“, fügt die frühere Tierärztin hinzu.

Die Tafel ist für die Damen aber auch eine Bereicherung in ihrem Leben. „Nachdem mein Mann verstorben war, wusste ich nicht so recht, was ich machen sollte“, erzählt Carstensen. Das ehrenamtliche Engagement habe ihr neue Wege eröffnet: „Es sind wieder neue Freundschaften entstanden. Wir sind eine richtig nette Clique hier“, sagt Carstensen. „Außerdem kommt man so mit außergewöhnlichen Menschen in Kontakt“, fügt Runge hinzu. Ihre Kollegin bewundere sie sehr: „Erika ist unentbehrlich für die Tafel, weil sie die gesamte Logistik organisiert“, lobt sie ihre Mitstreiterin. Den kompletten Lagerbestand habe sie immer im Kopf. So ließe sich gut für besondere Anlässe planen.

„Zum Weihnachtsfest legen wir immer spezielle Waren zurück“, berichtet Carstensen. Auch in diesem Jahr konnte wieder an alle Familien einer Extratüte mit Süßigkeiten, Kaffee oder Tee und anderen guten Dingen ausgegeben werden. Danksagungen kommen auch im hohen Maße, sagen beide: „Das ist für uns eine schöne Anerkennung.“ Und deshalb wollen sie weitermachen, auch wenn es immer mehr Menschen zu versorgen gilt: „Die Tafel braucht das ganze Jahr über Spenden, und wir sind sehr dankbar, dass die Lebensmittelmärkte und Bäckereien in Husum und Umgebung so viel Mitgefühl zeigen.“

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