Nordfriesischer Verein : Zwei Friesentage in Planung

Gudrun Fuchs  zeichnete Margret Ketelsen (M.) und Ella Christiansen (r.) mit der Ehrennadel aus.
Gudrun Fuchs zeichnete Margret Ketelsen (M.) und Ella Christiansen (r.) mit der Ehrennadel aus.

Bei seiner Jahrestagung auf Föhr zieht der Nordfriesische Verein Bilanz und schmiedet Pläne für die Zukunft.

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23. April 2018, 14:00 Uhr

„Moin, moin, leewe Lüüd, wi snakt Plattdüütsch hüüt“ – so begrüßte Gudrun Fuchs, Vorsitzende des Nordfriesischen Vereins, die Teilnehmer der Jahresversammlung in Oldsum auf Föhr. Passend im „Ual fering wiartshüs“ (Altes Föhringer Wirtshaus) hatte man sich zusammengefunden – allerdings erst im dritten Anlauf, denn die Witterungsverhältnisse und der eingeschränkte Fährverkehr hatten zwei vorhergehende Termine im März platzen lassen. Der Tag begann mit einem dreisprachigen Gottesdienst in der Süderender St.-Laurentii-Kirche. Joachim Taege erläuterte die historischen Schätze der Kirche. Am Nachmittag galt es, eine umfangreiche Tagesordnung abzuarbeiten.

Sönke Thede vom Landestrachten- und Volkstanzverband Schleswig-Holstein freute sich, dass auch Vorstandsmitglieder des Nordfriesischen Vereins und viele Teilnehmer in Tracht erschienen waren und bemängelte im gleichen Atemzug, dass bei der Wahl des Bundespräsidenten nur eine Person in Tracht zu sehen gewesen sei.

Unter das Motto „tuhuupe“ (zusammen, gemeinsam) stellte Gudrun Fuchs ihren Jahresbericht: „Wir kümmern uns um unseren Nachwuchs“, formulierte sie selbstbewusst und forderte gleichzeitig mehr Unterstützung durch die Politik. Auch in der Kirche könnten die verschiedenen Sprachen Nordfrieslands häufiger zu hören sein. Sie dankte den zahlreichen Ehrenamtlern in ihren vielfältigen Positionen und speziell den Mitarbeitern des Nordfriesischen Vereines, der als Dachverband für 25 Vereine agiert, die zusammen mehr als 5000 Mitglieder haben.

In seinem Festvortrag räumte Prof. Dr. Volkert Faltings mit dem Tacitus zugeschriebenen Zitat „Frisia non cantat“ auf, das nicht nur erfunden, sondern grundlegend falsch sei. Faltings zeichnete ein buntes Bild einer eigenständigen Musiktradition auf den Inseln und Halligen, die es bis ins 19. Jahrhundert hinein gegeben habe. Die typischen Instrumente waren damals Geige, Harmonika, Flöte und die friesische Hommel, eine Art Zitter. Ein wahrer Notenschatz mit 66 Beispielen sei im Archiv des Wyker Friesenmuseums „wachgeküsst“ und auch eigene Föhrer Tänze bereits 1923 dokumentiert worden. Eine kleine Auswahl von Tänzen brachte die Jugendtrachtengruppe Oldsum auf die Tanzfläche, die mit viel Applaus bedacht wurde. Die engagierte Leiterin dieser jungen Truppe ist Margret Ketelsen, die für ihre langjährige Beiratsmitgliedschaft zusammen mit Ella Christiansen (langjähriges Vorstandsmitglied) die goldene Ehrennadel des Nordfriesischen Vereins erhielt. Mit einer treffenden Charakterisierung würdigte Gudrun Fuchs die Leistungen der beiden Frauen, die sich seit vielen Jahren immer wieder mit Ideen und Taten einbrächten.

Geschäftsführer Jörgen Vilsmaier-Nissen erläuterte die Jahresrechnung 2017 und den Haushaltsplan für 2018. Danach hat der Verein im Vorjahr 123.000 Euro ausgegeben, allein 93.000 Euro für Kulturarbeit. Für November 2018 ist ein Jugend-Friesentag unter dem Motto „Friesisch trifft Platt“ in Niebüll geplant.

Die Trachtenbeauftragte Kirsten Cornils lobte die gute Vernetzung der großen nordfriesischen Trachtenfamilie. Die Tanzleiter- und Jugendtanzseminare seien sehr gut angenommen worden. Schneidermeisterin Tina Staupe war jeweils eine Woche auf Amrum und Föhr im Einsatz, wo sie professionelle Anleitungen zum Trachtennähen gab.

Frauke Thiesen und Susanne Dircks berichteten von ihrer friesischen bzw. plattdeutschen Jugendarbeit, die bei den Kindern und Jugendlichen gut ankomme. Dabei sei die Kombination einer attraktiven Aktivität mit Sprache der Schlüssel zum Erfolg. Für 2019 wird ein großer Friesentag geplant, bei dem ein Querschnitt aller Arbeiten des Vereins gezeigt werden soll.

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