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Novum in Husum und Lübeck : Zwei berühmte Männer auf Abwegen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zum ersten Mal laden Theodor-Storm- und Thomas-Mann-Gesellschaft zu einer gemeinsamen Herbsttagung nach Husum und Lübeck ein. Im Mittelpunkt stehen die Beziehungen zwischen beiden Dichtern.

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erstellt am 03.Sep.2015 | 12:15 Uhr

Ihm musste nicht erklärt werden, dass Theodor Storm (1817 bis 1888) mehr war als ein Heimatdichter. Thomas Mann (1875 bis 1955) wusste um die Bedeutung des Husumer Kollegen und strich sie mehr als einmal heraus: „Storm ist ein Meister, der bleibt“, fasste der Literaturnobelpreisträger aus Lübeck sein Urteil über den Novellisten zusammen. Und Mann schätzte Storm nicht nur, er sah auch ein Vorbild in ihm.

Aber da gibt es noch mehr Gemeinsamkeiten zwischen diesen Schwergewichten der deutschen Literaturgeschichte. Die morgen beginnende Doppel-Tagung „Bürger auf Abwegen: Thomas Mann und Theodor Storm“ nimmt sich dieser Thematik auf vielfältige Weise an und betritt zugleich Neuland: Erstmals in der Geschichte der beiden größten literarischen Gesellschaften des nördlichsten Bundeslandes – der Theodor-Storm- und der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft – haben sich diese zu einem gemeinsamen Literaturprojekt mit Veranstaltungen, Tagungen und einer Sonderausstellung zusammengetan, das den vielfältigen Beziehungen zwischen Theodor Storm und Thomas Mann auf den Grund gehen will.

Schon früh hatte Thomas Mann geistesverwandte Züge an dem Menschen Storm, aber auch an dessen Werk erkannt. Damals stand er mit dieser Überzeugung allerdings weitgehend allein. Der Zeitgeist war ein anderer, die Epoche von zahlreichen Widersprüchen geprägt. So standen der Sehnsucht nach Geborgenheit zerbrechende Familien-Ordnungen sowie unerlaubte sexuelle Neigungen und Triebe gegenüber; und die Bindung an heimatliche Orte und Landschaften war durch das Hereinbrechen weltpolitischer Konflikte bedroht. Diese Gegensätze, die auch sein Leben und Werk beeinflussten, hatte Thomas Mann in Theodor Storms Literatur wiederentdeckt und daraus das Credo für die eigene Schriftstellerei abgeleitet: „Dichtertum ist die lebensmögliche Form der Inkorrektheit.“

Die diesjährige Tagung der Theodor-Storm-Gesellschaft beginnt morgen, um 19 Uhr mit der Lesung eines zeitgenössischen schleswig-holsteinischen Autors. Der Kieler Feridun Zaimoglu liest aus seiner Rede „Die Kunst der geringen Abweichung“. Darin spricht der türkischstämmige Autor über Träume, die wahr werden. Für ihn sind sie die „Wahrheit des wirklichen Lebens” und er warnt vor „Zynismus als billigem Ausweg”. Es sei gut, große Dinge zu ersehnen und die Schönheiten nicht klein zu reden, weil sonst die Schönheit dem Körper entweiche wie die Luft aus den Lungen.

Am Sonnabend, 5. September, folgen von 9 Uhr an wissenschaftliche Vorträge zum Verhältnis von Thomas Mann und Theodor Storm. Den Festvortrag „‚Nicht ganz korrekt‘: Thomas Mann und Theodor Storm als entlaufene Bürger“ hält von 16.30 Uhr an der Präsident der Storm-Gesellschaft, Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Detering. Für den Abend sind dann von 19.30 Uhr an Musik und Rezitationen vorgesehen. Unter der Überschrift „Soundcloud Zauberberg“ spielen Ralf Kukowski (Klavier), Lars Pietsch (Drums) und Gäste Kammer-Jazz zu Texten von Theodor Storm. Rezitator ist Nino Moritz, der regelmäßigen Besuchern des Storm-Hauses nicht zuletzt durch seine Lesungen bestens bekannt sein dürfte (weitere Punkte siehe „Herbsttagung auf einen Blick“).

Auch Nicht-Mitglieder der Storm-Gesellschaft sind willkommen. Für einzelne Veranstaltungen gibt es noch Karten. Weitere Informationen stehen im Internet (www.storm-gesellschaft.de). Näheres gibt es auch unter Telefon 04841/8038630.

Der zweite Teil der Tagung findet dann vom 9. bis 13. September in Lübeck statt. Höhepunkte dort sind die Eröffnung der Sonderausstellung im Buddenbrookhaus am Freitag, 11. September, von 20 Uhr an, sowie der Festakt zum fünfzigjährigen Bestehen der Thomas-Mann-Gesellschaft am Sonnabend, 12. September, von 19.30 Uhr an im Dom zu Lübeck.

Vom 26. November an ist dann die Ausstellung „Bürger auf Abwegen – Thomas Mann und Theodor Storm“ im Storm-Haus in der Husumer Wasserreihe zu sehen.

 

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