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Husumer Nachrichten

16. Dezember 2017 | 00:50 Uhr

Südermarsch : Zuwachs im Windkraft-Testfeld

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Fünf weitere Windkraft-Prototypen werden in diesem und im nächsten Jahr im Testfeld in der Südermarsch gebaut. Es handelt sich um Anlagen renommierter Hersteller.

von
erstellt am 16.Okt.2015 | 15:15 Uhr

Der einzelne Windkraft-Rotor in Nordfrieslands einzigem Windkraft-Testfeld bekommt Gesellschaft. Noch in diesem Jahr soll eine neue Versuchsanlage in der Südermarsch gebaut werden und im kommenden Jahr werden sogar vier weitere Prototypen verschiedener Hersteller folgen. Das gab Holger Arntzen, Geschäftsführer der Windtestfeld-Nord GmbH und Projektmanager der Wirtschaftsförderung Nordfriesland (WFG) gestern bei einem Pressegespräch im Husumer Kreishaus bekannt. Damit kommt Bewegung auf ein Areal, das zuletzt eher wie Stillstand anmutete. Denn die beiden Flügel der Versuchsanlage des Unternehmens Sky-Wind – ein beliebtes Exkursionsziel während der jüngsten Husumer Windmesse – drehen sich ansonsten eher selten im Wind.

„Zurzeit sind wir in der finalen Phase der Bauleitplanung“, erklärte Arntzen. Um gleich nachzuschieben: „Rechtskraft hat das noch nicht.“ Denn auch für das Testfeld ist das Verfahren kein Selbstläufer, nachdem die Regionalpläne per Oberverwaltungsgerichts-Urteil gekippt worden waren und das Land praktisch einen zweijährigen Baustopp für Windkraftanlagen verhängt hatte, der allenfalls begründete Ausnahmen zulässt. Immerhin wähnt sich die Windtestfeld-Nord-GmbH auf der Zielgeraden, und auch bei der schwierigen Aufgabe, Ausgleichsflächen zu finden, ist nach Aussagen von Arntzen mittlerweile „Licht am Ende des Tunnels“ zu sehen.

Insgesamt zehn Bewerbungen um Teststandorte hatten der Gesellschaft demnach vorgelegen. Der Vergaberat des Windtestfelds – Landrat Dieter Harrsen, der Bürgermeister der Südermarsch, Karl-Jochen Maaß, ein WFG-Vertreter und Professor Dr. Torsten Faber von der Fachhochschule Flensburg als Sachverständiger – hatte daraus die Unternehmen ausgewählt, die sowohl mit Arbeitsplätzen in Schleswig-Holstein als auch mit überzeugenden technischen Innovationen punkten konnten. Denn bei dem Windtestfeld, das kostendeckend arbeiten soll und nicht auf Gewinn ausgerichtet ist, geht es auch um Wertschöpfung für die Region. Die Firmen Enercon, GE Renewable Energy, Nordex, Senvion und Siemens, die ihre zwischen 150 und 180 Meter hohen Onshore-Prototypen mit Nennleistungen um und bei vier Megawatt in der Südermarsch im Regelfall zehn Jahre lang testen dürfen, beschäftigen laut WFG zwischen 15 und mehr als 1000 Mitarbeiter an ihren Standorten im nördlichsten Bundesland. Die Zusammenarbeit mit Hochschulen der Region war ein weiteres Entscheidungskriterium des Vergaberates.

„Die Skywind-Anlage lief rechtzeitig zur Husum Wind 2015 erstmalig im Testbetrieb. Wenn der Bau der anderen Anlagen nach Plan läuft, haben wir zur Husum Wind 2017 ein beeindruckendes Schaufenster innovativer Windkraftanlagen-Technik“, betont Holger Arntzen. Die erste neue Anlage, ein Prototyp der Firma Enercon, soll voraussichtlich schon in wenigen Wochen errichtet werden. Enercon will schallreduzierte Rotorblätter und ein neues Getriebe testen, das schon bei schwachem Wind – wenn der Börsenstrompreis hoch ist – Erträge bringt.

„Die Südermarsch ist ein sehr attraktiver Teststandort, weil dort beständige und gut vorhersagbare Windverhältnisse herrschen“, so Arntzen. „Damit ein neuer Anlagentyp zertifiziert wird, muss der Hersteller nachweisen, dass er eine bestimmte Zeit lang unter Volllast gelaufen ist. In der Südermarsch kann man schon nach vier Monaten über 1000 Volllaststunden erreichen – im Binnenland würde man dafür neun Monate brauchen.“ Die Skywind-Anlage mit ihrem zweiflügeligen Rotor, dem aus vorgefertigten Beton-Elementen zusammengesetzten Turm und dem mit Stahlseilen hochgezogenen Rotor sei noch nicht über längere Zeit im Nennleistungs-Bereich gelaufen.

Landrat Dieter Harrsen strich die Vorzüge dieses öffentlich beherrschten Windtestfeldes heraus: „Das gibt es in Schleswig-Holstein kein zweites Mal.“ Mit Blick auf die wirtschaftliche Bedeutung der Windenergie-Nutzung in Nordfriesland und den Messestandort Husum wünschte er sich allerdings weitere Test-Standorte dieser Art im Norden. Denn in der Südermarsch ist das Windtestfeld nun nahezu komplett belegt. Auf einem Teilstück finden Holger Arntzen zufolge noch ornithologische Langzeit-Untersuchungen statt.

Ursprünglich gehörten zur Windtestfeld-Nord vier weitere Standorte im Bereich Karlum/Ladelund. Dort hatte jedoch die benachbarte Bundeswehr-Funkstation Bramstedtlund ihre Betriebsbedingungen so geändert, dass keine Anlagen mit einer Höhe von mehr als 150 Metern gebaut werden dürfen. Die Windtestfeld-Nord-Gesellschaft gab deshalb die Flächen an die vorherigen Nutzer zurück. Diese planen dort nun einen Bürgerwindpark mit niedrigeren Anlagen.

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