Kein Shopping am sonntag : Zustimmung - aber mit Kritik

Wie in allen Tourismusorten im Land ist auch in St. Peter-Ording künftig der  Einkaufsbummel an den meisten  Sonntagen im Winter nicht mehr  möglich.
Wie in allen Tourismusorten im Land ist auch in St. Peter-Ording künftig der Einkaufsbummel an den meisten Sonntagen im Winter nicht mehr möglich.

Die Gemeindevertreter von St. Peter-Ording haben die neue Bäderregelung für das Nordseebad umgesetzt. Im ersten Quartal müssen die Läden sonntags geschlossen bleiben – Ausnahmen sind je ein Sonntag im Februar und März.

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06. November 2013, 21:00 Uhr

Noch ganz unter dem Eindruck des verheerenden Orkans Christian standen die Gemeindevertreter von St. Peter-Ording in ihrer jüngsten Sitzung. Bürgermeister Rainer Balsmeier bedankte sich bei der Feuerwehr, bei den Mitarbeitern der Bauhöfe von Gemeinde und Tourismus-Zentrale sowie bei allen Privatleuten, die beim Aufräumen mit angefasst haben. „Die Gemeinde hat kleinere Defekte an der Bücherei und am Klärwerk zu verzeichnen. Die Tourismus-Zentrale hat es mit vielen, vielen kleinen Schäden zu tun“, sagte er zu Beginn der Sitzung. An der Dünen-Therme seien ein Gerüst und Oberlichter beschädigt worden. Es sei Glas im Wasser gelandet. „Die Bauhof-Mitarbeiter werden noch Wochen mit den Aufräumarbeiten beschäftigt sein.“

Dann bat Balsmeier die Gemeindevertreter und die Bürger, die Feuerwehr des Nordseebads bei einem Wettbewerb zu unterstützen. Die Wehr hat sich um den Conrad Dietrich Magirus Preis 2013 in der Kategorie Rettungseinsätze beworben, und zwar mit einer großen Rettungsaktion im August. Damals war eine Gruppe von Kindern und Ponys im Wattenmeer von der Flut eingeschlossen worden. Im Internet unter www.feuerwehrwelt.de kann jedermann noch bis zum 20. November seine Stimme abgeben.

Ihre Stimme für die neue Bäderregelung gaben die Gemeindevertreter dann in der Sitzung ab – außer Wilhelm Bahrenfuß (AWG), der dagegen war: „Mir hat die alte Regelung besser gefallen.“ Damit sprach er aus, was viele denken. Denn die neue schränkt die Winteröffnungszeiten der Läden in den Badeorten im Land stark ein. Das Abstimmungsergebnis im Gemeinderat ist sicher auch den Umständen geschuldet. Denn die Kirchen hatten im vergangenen Jahr damit gedroht, vor Gericht zu ziehen, sollte die alte Bäderregelung nicht geändert werden. Daraufhin entwickelten Landesregierung und Kirchen einen Kompromiss, der wie folgt aussieht: Die Geschäfte dürfen nur noch vom 15. März bis 31. Oktober sowie vom 17. Dezember bis 8. Januar sonntags geöffnet haben. Darüberhinaus darf jede Gemeinde zwei zusätzliche verkaufsoffene Sonntage frei wählen, es muss allerdings ein besonderer Anlass gegeben sein, und auch über die Öffnungszeiten, die auf sechs Stunden reduziert worden sind, darf sie entscheiden. Die Gemeindevertreter sprachen sich für den Sonntag vor dem 15. März sowie für den Sonntag vor oder nach dem Biikebrennen am 21. Februrar aus. Als sonntägliche Öffnungszeit wurde 11 bis 17 Uhr festgelegt. Die Regelung tritt im Dezember in Kraft.

Bürgervorsteher Boy Jöns (CDU) machte anhand seiner eigenen Situation deutlich, was die neue Regelung bedeutet. Seine Frau betreibt ein Bernsteingeschäft in der Dorfstraße und auf der Buhne im Ortsteil Bad. „Nach der alten Ordnung war auch von November bis Mitte Dezember geschlossen. Aber künftig wird uns das erste Quartal genommen. Da kommen viele Tagesgäste gerade am Wochenende in den Ort. Der Sonntag ist der verkaufsstärkste Tag im Winter.“ Die neue Regelung koste ihn um die 40 Prozent seines Winterumsatzes. Zwei Ganzjahreskräfte werden nur noch als Saisonkräfte arbeiten können, auch wenn er hoffe, dass er in diesem Jahr noch einmal so durchkommen werde. „Man stelle sich vor, es dürften am Sonntag keine Taxis fahren oder kein Gästewechsel stattfinden.“ Die neue Regelung sei kontraproduktiv für die Saisonverlängerung.

In der Sitzung ging es auch noch einmal um den Bebauungsplan Nr. 32 (Bereich Beach Motel in Ording). Der alte Aufstellungsbeschluss wurde aufgehoben und ein neuer gefasst. Es soll nun ein weiterer Bereich überplant werden. Außerdem sprach sich das Gremium einstimmig für die Anmeldung eines Reitwegs (Böhler Weg/Wiesenweg) zur Förderung durch die Aktiv-Region Südliches Nordfriesland aus. Balsmeier sprach von einem Eigenanteil der Gemeinde von 12 000 bis 15 000 Euro. Zur Kenntnis genommen wurden der Halbjahrsbericht und der Jahresabschluss der Tourismus-Zentrale, beide waren schon in den Fachausschüssen Thema (wir berichteten). Der finanzielle Trend ist insgesamt positiv. Das zeigt auch die Jahresrechnung 2012 der Gemeinde. Sie muss 772 000 Euro weniger Darlehen aufnehmen, um den Vermögenshaushalt auszugleichen, so Bürgermeister Balsmeier. Die allgemeine Rücklage enthalte 649 000 Euro.

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