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Arbeitsuche mit Unterstützung : Zusammen stark werden

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Für Menschen, die schon lange ohne Arbeit sind, bietet der Kreis ein Jobtraining an, um Vermittlungschancen zu erhöhen.

shz.de von
erstellt am 13.Aug.2014 | 12:30 Uhr

„Wer in einem der sieben nordfriesischen Jobcenter in den Sozialzentren das Arbeitslosengeld II beantragt, erhält innerhalb von fünf Tagen einen Platz in einem Jobtraining“, erläutert Renate Fedde, die Leiterin des Fachdienstes Arbeitsmarkt und Integration des Kreises Nordfriesland.

Ausgenommen sind Antragstellende, die Kinder unter drei Jahren haben, Angehörige pflegen, eine schriftliche Wiedereinstellungszusage besitzen sowie Menschen über 50 Jahre. Für letztere stehen Jobcoaches zur Verfügung.

„Mein Job ist es, einen Job zu finden“ – unter dieser Devise steht das Training. Die Qualifizierungsmaßnahme läuft im Auftrag des Kreises in Verantwortung des Husumer Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerkes (TSBW). „Mit unseren Sozialpädagogen verfügen wir über bestens ausgebildetes Personal für diese Aufgabe“, erklärt TSBW-Leiter Hans-Jürgen Vollrath.

Das Jobtraining dauert 30 Tage und ist von der ersten bis zur letzten Minute durchorganisiert. Der erste Tag beginnt mit einem Aufnahmegespräch, in dem die Maßnahme vorgestellt wird. Der erste Arbeitsauftrag beinhaltet die Vorlage aller für eine Bewerbung relevanten Unterlagen.

Die Jobcenter melden dem TSBW freie Stellen. „Passt einer unserer Bewerber auf eine solche Stelle, fordern wir ihn auf, sich zu bewerben – selbst, wenn er gerade erst angekommen ist“, erklärt Birgit Empen, die als Trainerin arbeitet.

Im Jobtraining schließen sich an die Zusammenstellung der Bewerbungsunterlagen die Feststellung der beruflichen Eignung, der vorhandenen Ressourcen, der Eigeninitiative und der Vermittlungsfähigkeit an. „Wir führen offene Gespräche, in denen wir alle Ressourcen und auch Problemlagen analysieren und gemeinsam überlegen, wie sie zu den Berufswünschen passen“, erläutert Birgit Empen.

Die Teilnehmenden entwickeln selbstständig Ziele, die schriftlich festgehalten werden. Anschließend wird ein detailliertes Profil angelegt. Darin werden jede einzelne Qualifikation, alle erlernten Fähigkeiten und persönlichen Kompetenzen dokumentiert. Dazu gehören unter anderem die Flexibilität, das Organisationstalent, die Kompromissfähigkeit, die Kontaktfreude, die physische und psychische Belastbarkeit, die Sorgfältigkeit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Die erste Phase des Jobtrainings endet mit einem Abschlussgespräch, in dem die bisher gewonnenen Erkenntnisse besprochen und die nächsten Schritte schriftlich vereinbart werden. Dann legen die Teilnehmenden mit Hilfe der Fachleute eine Bewerbungsmappe an. Zusätzlich senden sie den Personalvermittlern in den Jobcentern selbst erstellte Kurzprofile, mit denen diese ebenfalls auf Arbeitgeber zugehen.

Während die Unternehmen über die Einstellung der Bewerber nachdenken, werden im Jobtraining Vorstellungsgespräche geübt. Dabei erhalten die Teilnehmenden nicht nur von den Fachleuten eine Rückmeldung, sondern auch aus der Gruppe.

Das Jobtraining wird mit einem Einzelcoaching und mit Praktika fortgesetzt. Ein Praktikum zur Arbeitserprobung dauert eine Woche, ein Initiativpraktikum zur beruflichen Orientierung zwei Wochen. „Besonders wichtig ist uns, dass die Teilnehmenden sich die passenden Praktikumsbetriebe selbstständig suchen“, betont Hans-Jürgen Vollrath. „Es gehört ja zu den wesentlichen Zielen des Jobtrainings, die Selbstständigkeit und die Initiativkraft zu stärken.“

Innerhalb des sechswöchigen Seminars widmen die Teilnehmer sich auch dem Thema Gesundheitsmanagement. Dabei geht es um gesunde Ernährung, Arbeitssicherheit, Entspannungsübungen und Sport. „Die körperliche Fitness wirkt sich ja auch auf die Jobchancen aus“, weiß Renate Fedde. „Wir führen das Jobtraining seit 2012 durch und haben mit diesem System sehr gute Erfahrungen gemacht“, berichtet sie.

Von insgesamt 870 Teilnehmern haben 115 noch während der Laufzeit der Maßnahme eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen. Auch die anderen hatten anschließend bessere Vermittlungschancen als Menschen ohne Jobtraining.

„Das Jobtraining zeigt wieder einmal, dass Langzeitarbeitslosigkeit kein dauerhaftes Schicksal sein muss“, erklärt Landrat Dieter Harrsen. „Zeiten langer Arbeitslosigkeit wirken sich auch auf die Psyche aus. Mit dem Jobtraining setzen wir nach dem Prinzip ‚Fördern und fordern‘ darauf, die Betroffenen zu stärken und ihnen Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Dieses Erfolgsmodell werden wir auch künftig fortsetzen.“

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