zur Navigation springen

Ausflugstipp für die ganze Familie : Zurück in die Eisenzeit

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein „Kulissen-Dorf“ auf dem Stollberg in Bordelum entführt Besucher in die Eisenzeit: Im Mittelpunkt steht die Verhüttung von Raseneisenerz, aber auch über das alte Schmiedehandwerk wird informiert.

Zurück in die Eisenzeit gelangen Besucher eines besonderen Projektes auf dem Stollberg in Bordelum. Am Fuße des dortigen Fernsehturms haben die Ehrenamtler des Vereins „Natur und Kultur rund um den Stollberg“ mit fachlicher Hilfe durch das Archäologische Landesamt, des Nordfriesischen Instituts und dreier Mitarbeiter des Kieler Büros „NaturErleben“, Susann Becker, Andreas Schmidt und Reimund Jung, ein sogenanntes Kulissen-Dorf aufgebaut. Dort wird über die Eisenzeit um etwa 400 nach Christi Geburt informiert sowie über die alten Raseneisenerz-Stätten in Büttjebüll und Joldelund.

Im Beisein von Amtsvorsteher Hans-Jakob Paulsen und Bürgermeister Peter Reinhold Petersen sowie Vertretern aus Politik und Sponsoren fand die Eröffnung statt. Das Band vor dem Eingang zerschnitt Vereins-Chef Heinrich Becker. „Das Konzept soll Einheimische und Touristen, Erwachsene und Kinder gleichermaßen neugierig machen“, sagte Becker in seiner Ansprache.

Anschaulich wird in dem neuen Freilicht-Museum dargestellt, wie Raseneisenerz entstanden ist und wie es von den Menschen gewonnen und verarbeitet wurde. Besucher erfahren Wissenswertes über das damalige Leben und die besondere Rolle des Schmiedes in einer Dorfgemeinschaft. Drei „Häuser“ und eine dargestellte Schmiede inklusive eines sogenannten Rennofens zur Verhüttung des Eisenerzes sind zu sehen. Dieser kleine Schachtofen wurde damals aus Lehm oder Steinen errichtet. Neben dem Schacht befand sich in manchen Fällen eine Herdgrube für den Schlackenablass: die Renngrube. Rennöfen wurden mit Holzkohle, Holz oder Torf geheizt und dann für die Verhüttung von oben wechselschichtig mit Brennstoff, meist Nadelholzkohle, und fein zerkleinertem Erz mit möglichst hohem Eisengehalt befüllt. Die Erzausbeute betrug maximal 50 Prozent.

Die reetgedeckten Kulissen erinnern in ihrer Silhouette an die Gebäude der Eisenzeit, die damals im Durchschnitt 20 Meter lang waren. An Vorder- und Rückseite befinden sich Informationstafeln. Die jüngsten Gäste führt die Figur „Brami“, der Sohn des Schmiedes, durch das Dorf. Er „erzählt“ aus kindlicher Sicht, wie das Leben damals war. Von Haus zu Haus kann dann seine Geschichte verfolgt werden.

Die auf dem Gelände vor dem Fernsehturm befindliche Aussichtsplattform „Hallig-Blick“ – im vergangenen Jahr neu konzipiert und saniert – ist nun mit Holz verkleidet. Darunter wird noch einmal intensiver auf das alte Schmiede-Handwerk eingegangen: per Audio-Abspielgerät, auf dem ein Hörspiel gespeichert ist. Die Figuren „Brami“, seine Schwester und der Vater spielen die Hauptrollen. Der Clou: Der Strom für das robuste Gerät muss mittels einer Handkurbel selbst erzeugt werden.

Die besondere Reise in die Geschichte hat mehrere Unterstützer. Dazu gehören: Grundstückseigentümer Thomas Volquardsen, die Bingo-Umweltlotterie, die Aktiv-Region Nordfriesland-Nord, die Spendengemeinschaft der eE-Gesellschaften Bordelum und Vereinsmitglied Heiner Ehlers. Das Amt Mittleres Nordfriesland hat die Trägerschaft übernommen und sich ebenfalls an den Gesamtkosten von 57.000 Euro beteiligt.

 

Ein Schatz unter dem Rasen

Die Bezeichnung Raseneisenerz für besonders eisenhaltige Steine rührt daher, dass diese nah unter der Rasensode leicht mit Spaten und Hacke gewonnen werden können.

Ausgeprägte Raseneisensteinbildungen gehen oft auf geringe Schwankungen des Grundwasserspiegels bei gleichzeitig stark eisenhaltigem Wasser zurück. Der Entstehungszeitraum von Raseneisenstein erstreckt sich je nach Vorkommen in der Regel über hunderte bis tausende Jahre.

In Norddeutschland entstanden während des Holozäns, nach der letzten Eiszeit, regelrechte Raseneisenerz-Lagerstätten.

zur Startseite

von
erstellt am 20.Okt.2014 | 16:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen