Garding : Zur Meditation anregen

Bilder von Thomas Weisenberger schmücken die Orgelempore der Gardinger Kirche. Die Evangelien liefern die Vorlage für seine Werke.

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19. April 2009, 06:36 Uhr

Garding | In früheren Jahrhunderten wurden die Kassetten der hölzernen Kirchen-Emporen in den Eiderstedter Kirchen gern für Darstellungen aus der Bibel genutzt. Das war nötig, denn sehr viele Menschen konnten weder lesen noch schreiben, und so bot sich in den Gotteshäusern die Möglichkeit, Szenen aus der Heiligen Schrift plakativ einem Publikum nahe zu bringen. Auch in der Gardinger St.-Christian-Kirche finden sich solche Darstellungen (an der Empore gegenüber der Kanzel). Die Bilder auf der Orgelempore wurden dagegen irgendwann einmal übermalt. Dass sich dort ebenfalls welche befanden, beweisen die noch vorhandenen, durch Schnitzereien unter den Kassetten hervorgehobenen kleinen Flächen.
Jede Woche ein neues Motiv
Der Gardinger Kunstmaler Thomas Weisenberger will die Kassetten neu beleben und hat begonnen, für jede Woche ein neues Motiv aus den Evangelien zu gestalten. Dazu reicht der Platz zwar nicht aus, aber die Bilder sind so aufgehängt, dass sie jederzeit ausgetauscht werden können: "Es handelt sich um mehr als 50 Motive", erklärt Weisenberger, "denn neben den Wochen-Evangelien kommen ja noch die für besondere Feiertage hinzu."
Zum Nachdenken und Meditieren anregen
Seine Bilder sind einerseits zeitgemäß aufgefasst, andererseits aber passend zum historischen Stil der Kirche, wie der Künstler erläutert. Weisenberger bedient sich bekannter Symbole, verwendet zudem Zeichen der ägyptischen Mythologie und nimmt auch Gegenständliches auf. "Ich muss heutzutage keine Bibeltexte mehr illustrieren", stellt der Künstler fest, "da kann jeder selbst nachlesen. Ich möchte mit meinen Bildern den Betrachter zum Nachdenken und Meditieren anregen."
Für die Empore gedruckt
Die Gemälde entstehen am Zeichentisch, werden dann aber digitalisiert und für die Empore auf Leinwand gedruckt. Der Künstler stellt seine Arbeit der Gemeinde honorarfrei zur Verfügung. Obwohl in einem süddeutschen Pastoren-Haushalt aufgewachsen, ist seine sonstige künstlerische Arbeit "eigentlich gar nicht sakral geprägt", wie Weisenberger betont, "die Evangelien aber interessieren und faszinieren mich".

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