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Auf dem Weg zur Maurerin : Zur Ausbildung auf die Insel

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Tanja Saxen kann sich ihren Traum erfüllen und Maurerin werden: Nach dem Bericht über sie in unserer Zeitung meldete sich ein Betrieb auf Sylt.

von
erstellt am 11.Mai.2016 | 08:00 Uhr

Achim Christiansen ist ein praktisch denkender Mensch. Kunststück: Der Mann ist Handwerker und Chef der nach ihm benannten Baugeschäft-GmbH auf Sylt. Und– er ist Leser unserer Zeitung. „Da habe ich diesen Artikel über Tanja gefunden, deren größter Wunsch es ist, Maurerin zu werden.“ Gemeint ist Tanja Saxen, eine 15-jährige Husumerin, die sich zunächst vergebens um einen Ausbildungsplatz in Husum und Umgebung bemüht hatte. Und jetzt umso glücklicher ist, ihn bei Achim Christiansen gefunden zu haben.

„Das war ganz witzig“, sagt Tanjas zukünftiger Lehrherr. „Mein Sohn ist derzeit in Neuseeland und hatte den Artikel auch gelesen.“ Noch am selben Tag rief er seinen Vater an und fragte, was für diesen längst entschiedene Sache war: „Willst Du da nicht was machen, Papa?“

Der Rest war fast schon Makulatur. „Ich habe mit Tanja telefoniert. Danach ist sie nach Sylt gekommen, und wir hatten einen feinen Schnack“, sagt Christiansen lachend. Damit stand einer Anstellung nichts mehr im Weg. Tanja selbst beschreibt die erste Begegnung ganz ähnlich. Es scheint, als hätten sich da zwei gefunden. „Achim hat mich vom Bahnhof abgeholt und gefragt: ,Rat mal, wen ich gestern im Fernsehen gesehen habe?‘“ Klar: Tanja war’s, deren Geschichte nach dem Bericht in unserer Zeitung auch vom TV aufgegriffen worden war. „Und das mit dem Siezen können wir auch gleich mal lassen“, hatte ihr angehender Chef auf dem Weg zu seinem Betrieb vorgeschlagen. „Ich bin da ziemlich unproblematisch“, sagt Christiansen, der sich auch mit seinen fünf Gesellen und dem anderen Auszubildenden duzt.

„Er hatte sich vor unserem Gespräch noch nicht einmal meine Bewerbungsmappe angesehen“, sagt Tanja lächelnd. „Da habe ich dann aber drauf bestanden.“ Christiansen hätte die Noch-Gemeinschaftsschülerin allerdings auch so genommen. „Für mich zählte die Art, wie sie sich für ihren Traum einsetzt“, sagt er.

Ernst wird es dann am 1. August – nach Tanjas 16. Geburtstag. Die Zeit dazwischen möchte sie kellnern und hat dafür – so ist sie nun einmal – auch schon einen bestimmten Betrieb im Auge, „weil das Essen da so gut ist“. Nicht auszuschließen, dass ihr auch das gelingt.

„In der Schule war ich nach dem Artikel natürlich der Star.“ Viele ihrer Mitschüler und Lehrer hatten ihr diesen Schritt offenbar nicht zugetraut und ihren Mut bewundert. Auch die Eltern fanden ihre Initiative gut, zumal danach täglich neue Angebote eintrudelten.

„Ich habe mich aber auch bei allen gemeldet“, versichert Tanja. Dass die Wahl am Ende auf Achim Christiansen fiel, hatte dreierlei Gründe: Zum einen ist der Betrieb nicht so weit weg. Das hatte sich Tanjas Vater ausbedungen, der selbst Maurer ist, aber keinen Meistertitel hat und seine Tochter somit nicht ausbilden darf. Zum anderen stimmte die Chemie zwischen Achim Christiansen und Tanja Saxen auf Anhieb. „Und drittens hat der Betrieb genau die richtige Größe: Da musst du alles machen, was anfällt“, sagt Tanja, für die Extrawürste ein Graus sind.

Im ersten Lehrjahr will sie zwischenfahren und die Berufsschule in Husum besuchen. „Im zweiten werde ich dann nach Sylt ziehen und in Niebüll zur Schule gehen“, hat sie mit ihrem Chef abgesprochen. Vom Bahnhof zum Betrieb sei es nicht weit. „Und wer weiß, vielleicht holt mich Achim ja auch mal mit dem Auto ab“, sagt Tanja strahlend. Zuzutrauen wär’ es Achim Christiansen.

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