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Tierquälerei in Tönning : Zum zweiten Mal auf Kater geschossen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Eine Tönninger Familie bangt noch um das Leben von Kater Paul. Die Polizei bittet um sachdienliche Hinweise. Eiderstedter Tierschützer sammeln Spenden.

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erstellt am 04.Aug.2017 | 15:00 Uhr

Der schlanke Kater Paul ist mit seinem schwarzen, glänzenden Fell nicht nur eine Schönheit, sondern auch sehr zutraulich und verschmust. Und gerade sein guter Charakter scheint Paul zum Verhängnis geworden zu sein. Denn der neunjährige Kater wurde bereits zum zweiten Mal aus nächster Nähe mit einem Luftgewehr angeschossen. Familie P. (Name ist der Redaktion bekannt) aus Tönning steht immer noch unter Schock. Gerade hat Paul eine zweite Operation überstanden. Froh waren alle, als der Vierbeiner wieder etwas fressen wollte. Doch Paulchen ist nicht überm Berg. „Ich bin jeden Tag mit ihm beim Tierarzt“, erzählt die Tochter im Gespräch mit unserer Zeitung.

Das Diabolo-Spitzgeschoss ist durch den Bauch des Katers gegangen und hat vor allem den Darm verletzt – und der war erst im April bei der ersten Schussattacke auf Paul von einer Kugel aufgerissen und in einer aufwendigen Operation wieder zusammengenäht worden. Paul hat es verdient, dass alles für ihn getan wird, sind sich alle einig. Er sei ein Familienmitglied – „wir haben ihn vor sieben Jahren aus dem Tierheim geholt“ – und könne schließlich wieder gesund werden. Diese Hoffnung trägt Mutter und Tochter, die viele schlaflose Nächte hinter sich haben. Beide sind große Katzenfreundinnen, denn Paul ist der „Chef“ von einer Katze und einem weiteren Kater.

Dass Paul nicht gestorben ist, hat er einem glücklichen Zufall zu verdanken: Denn das schwerst verletzte Tier war noch nach Hause gelangt. „Ich spielte gerade mit meiner Kleinen im Garten, als er aus einem Gebüsch kam. Da er so komisch lief und sich verkriechen wollte, habe ich ihn eingefangen und hatte dann auch schon Blut an den Händen“, erzählt die Tochter. Es war Freitag, der 21. Juli. Die unfassbare Tierquälerei muss sich zwischen 13 und 14.15 Uhr ereignet haben – vermutlich in der Tönninger Landrat-Bähr-Straße. Denn der kastrierte Kater hat sich ein kleines Revier auserkoren und ist nur in unmittelbarer Nachbarschaft unterwegs.

Das erste Mal war Paul am 18. April zwischen 20 und 22 Uhr angeschossen worden. „Eigentlich lasse ich ihn um diese Zeit nicht mehr hinaus, aber an diesem Abend wollte Paul es unbedingt. Gegen 22 Uhr kam er zurück – ganz langsam und hat sich sofort in der Küche unter die Eckbank verkrochen. Ich bin dann sofort mit ihm zum Tierarzt.“ Dies war die Nacht für Pauls erste Notoperation. „Danach habe ich ihn abends nicht mehr rausgelassen – und dann passiert das Gleiche nochmal am Nachmittag“, erzählt die Mutter und kann es eigentlich nicht richtig begreifen.

Beide Taten hat Familie P. bei der Tönninger Polizei angezeigt. Auf Anfrage ist in der Station zu erfahren, dass je nach „Durchschlagskraft“ für ein Luftgewehr ein Waffenschein benötigt wird. Es handele sich um einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und um „unerlaubtes Schießen“. Den Täter würde eine Geld- oder eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren erwarten. Doch die Beamten benötigen unbedingt sachdienliche Hinweise von Bürgern. Wer etwas zu den jeweiligen Tatzeiten beobachtet hat, sollte sich unter Telefon 04861/6170660 direkt bei der Polizei melden.

Eine große Hilfe für Familie P. ist bereits seit dem ersten schändlichen Angriff im April der Verein „Stubentiger Eiderstedt“. Vizechefin Meryem Günther nimmt an unserem Gespräch teil. Der Verein sammelt Spenden für Paulchens teure medizinische Versorgung, die sich nach der zweiten Operation schon auf mehr als 1000 Euro beläuft. Und sein Frauchen bezieht nur eine kleine Rente.

Seit Kurzem wird in dem Wohngebiet eine Katze vermisst. Alle am Tisch befürchten, dass es sich um denselben Täter handelt. Meryem Günther: „Er muss gefasst werden.“ Sie steht auf und geht mit Mutter und Tochter nach draußen in den Garten. Gemeinsam soll überlegt werden, wie für Paulchen ein gesicherter Auslauf entstehen kann – denn Freigang ist von jetzt an tabu für den zutraulichen Kater. Die Angst der Zweibeiner, dass wieder etwas passieren könnte, ist einfach zu groß. An neun Katzenleben glaubt niemand in der Runde.


Wer Paul und seine Familie finanziell unterstützen möchte, kann dies über das Konto des Vereins Stubentiger-Eiderstedt bei der Husumer Volksbank: IBAN: DE 16217625500013008827. Die Katzenschützer werden von ihrem „Notfellchenkonto“ ebenfalls eine Summe beisteuern.

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