Husum : Zum Umzug gezwungen

Ein Umzug fällt besonders schwer, wenn er nicht ganz freiwillig erfolgt.
Ein Umzug fällt besonders schwer, wenn er nicht ganz freiwillig erfolgt.

Drei von vielen Gründen für einen unfreiwilligen Umzug können in Husum sein: Sozialbehörden deckeln die Wohnungsgröße, Vermieter melden Eigenbedarf an oder Mieterhöhung nach Modernisierung.

shz.de von
09. Mai 2018, 09:00 Uhr

Wohnungsangebote in Husum reichen vom verkommenen Mietshaus mit knöcheltiefem Wasser im Keller bis zum luxuriösen Neubau. Wie können Mieter ihre Lage verbessern? Müssen sie gar schlechtere Wohnungen in Kauf nehmen? Im Internet tauschen sich Betroffene aus, wollen hier aber anonym bleiben (Namen der Redaktion bekannt).

Offenbar ist die Not gerade im Bereich der kleinen Haushalte besonders groß. Eine Frau schreibt: „Ich wäre schon froh, wenn man in Husum als Normalverdiener bezahlbaren Wohnraum bekäme, der nicht vor Schimmel strotzt.“ Das Haus habe vormals der Stadt gehört. Doch seit dem Verkauf sei außer ein paar Malerarbeiten nichts passiert. „Echt traurig.“ Eine zweite: „Ich suche seit eineinhalb Jahren eine Wohnung in Husum, bin jedoch als alleinerziehende Mutter mit drei kleinen Kindern und als Aufstockerin beim Amt bei Vermietern nicht erwünscht.“ Ein Mann erzählt, dass seine Familie Mieter einer Eigentumswohnung war, bis die an Auswärtige verkauft worden sei, die gleich Eigenbedarf anmeldeten. Sie fanden eine teurere Wohnung, die sie sich leisten konnten. Aber er sieht, dass „sozial Benachteiligte hier in Husum wenig Chancen haben, eine ordentliche Wohnung mit erträglicher Miete zu bekommen“.

Experten betonen, dass umfangreiche Modernisierungen immer Wanderbewegungen ausgelöst haben, denn die neuen Mieten hätte sich nie jeder leisten können. Mieter in der Hermann-Tast-Straße berichten, sie hätten nach Komplettsanierung der Gebäude 2,30 Euro mehr pro Quadratmeter bezahlen müssen. Die Gewoba Nord als Eigentümer erklärt dazu, dass im Vorfeld mit jedem Einzelgespräche über Ersatzquartiere für die Dauer der Arbeiten, über neue Mietpreise und gegebenenfalls über Umzüge geführt worden seien. Mieter hätten auch innerhalb der Gebäude umziehen können. Laurie Finster, Leiterin des Bestandsmanagements Region Süd, sagt: „Nur einige Mieter – maximal eine Handvoll – haben sich anderweitig um Wohnraum bemüht.“

Vor neun Jahren seien die Gewoba-Gebäude Goethestraße 5 bis 25 komplett saniert worden. „Der energetische Zustand des Gebäudes verursachte exorbitant hohe Heizkosten.“ Die Grundmiete wurde um 1,52 Euro angehoben. Wegen der neuen Wärmedämmung hatten die Vorauszahlungen für die Heizkosten reduziert werden können. Im Schnitt habe die Erhöhung pro Wohnung bei rund 70 Euro im Monat gelegen. „Es gab sogar eine Mieterin, die nach der Modernisierung 100 Euro weniger zahlen musste.“ Seitdem seien die Mieten im gesetzlichen Rahmen erhöht worden, auf zurzeit rund 6,60 Euro pro Quadratmeter, „was sicher als sozialverträglich und moderat bezeichnet werden kann“.

Finster tritt auch dem von etlichen Mietern geäußerten Verdacht entgegen, die Mieten in den jüngsten Neubauten der Genossenschaft in Hockensbüll könnten sich Ärmere nicht leisten. Ein Drittel der Wohnungen seien mit Mitteln der sozialen Wohnraumförderung finanziert und würden mit der vorgegebenen Kaltmiete von 5,20 Euro angeboten, zuzüglich der Betriebs- und Heizkosten-Vorauszahlungen und einer Service-Gebühr für Schönheitsreparaturen. Die frei finanzierten Wohnungen und Reihenhäuser würden zu sogenannten Flatmieten zum Warm-Mietpreis von zwölf Euro angeboten.

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