25. Pole-Poppenspäler-Tage : Zum Schießen komisch

Furioser Festival-Auftakt mit Heike Klockmeiers "Heute: Genoveva". Allerlei Sächsisches war zu erfahren.

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19. September 2008, 07:27 Uhr

Husum | Ach wie gern hätten die 25. Pole-Poppenspäler-Tage mit dem schon sprichwörtlichen "Paukenschlag" beginnen sollen. Taten sie aber nicht - oder jedenfalls nicht auf Anhieb. Doch in Joseph Haydns gleichnamiger Symphonie wird schließlich auch nicht gleich, sondern sorgsam vorbereitet auf die Pauke gehauen. Und genauso hielt es Heike Klockmeier vom Ambrella Figurentheater in ihrem Stück "Heute: Genoveva", mit dem am Donnerstagabend im Schloss die Spielzeit eröffnet wurde.

Von der Lust am Marionettenspiel sollte der Abend im Schloss vor Husum zeugen. Doch gemessen am Esprit, am Wortwitz und an den puppenspielerischen Fähigkeiten Klockmeiers geriet der Auftakt - eine zentrale Szene aus Ruggiero Leoncavallos "Bajazzo" - ein bisschen sperrig. Danach lief der Gast aus Hamburg dann allerdings zur Hochform auf, peitschte das Publikum ebenso humorvoll wie gewandt durch 180 Jahre sächsischer Marionettentheater-Geschichte.
Drama aus dem Bilderrahmen

Grandios ihre in Bühnen-Sächsisch gehaltene "Genoveva" en miniature - ein zum Schießen komisches Drama aus dem Bilderrahmen. Immer wieder wechselte Klockmeier Tempo und Spielebenen, hauchte einer 1,20 Meter großen und zwölf Kilogramm schwer(fällig)en Marionette Leben ein, um gleich danach schon wieder als weiblicher Conferencier vor das Publikum zu treten. Ganz nebenbei erfuhr der Zuschauer noch allerlei Wissenswertes über die Sachsen und ihren "ausgeprägten Hang zur Pracht und Herrlichkeit". Ein Schalk, wer Schlechtes dabei denkt, dass sie diese Neigung lieber in der Kneipe als in der Semper-Oper auslebten.

Ob sie nun mit einem holzköpfigen Pastor debattiert, ob Marionetten eine Seele haben, die einzelnen Akte eines Stücks mit freizügigen Zeichnungen untermalt oder ganz im Sinne zeitgenössischer Auffassungen vom Theater die Geschichte der Gift-Mörderin Grete Beyer noch vor Abschluss des Prozesses "wesentlich verbessert" - Klockmeier ist stets auf Höhe zum Publikum und zu ihren Puppen. Das liegt gewiss auch an den ausdrucksstarken Figuren von Jürgen Maaßen und der klugen Regie von Dietmar Staskowiak.
"Ich liebe Tragödien"

Höhepunkt und Glanzstück der Inszenierung war jedoch der Auftritt des "Metro-Goldwyn-Kaspers" als Hamlet, an dessen Ende der "Proletarier des Puppenspiels" als tragischer Held sterbend über dem Orchestergraben hängt und "Ich liebe Tragödien" haucht. Kann man mehr verlangen?

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