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20 Jahre eXperimenttheater : Zum Geburtstag viel Glück – und den Ripper

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Husumer eXperimentheater feiert Jubiläum. Vor 20 Jahren wurde es als Amateurtheater aus der Taufe gehoben und fand im Speicher am Hafen eine dauerhafte Bleibe. Geburtstag wir mit einem Stück von Bühnen-Urgestein Benno Schepp gefeiert: „Jack the Ripper“.

Kaum zu glauben, aber wahr: Das eXperimenttheater feiert 20-jähriges Bestehen. 1994 im kleinen Kreis gegründet, zählt die Gruppe inzwischen 50 Mitglieder. Und die Zeiten, als man da noch in der Friedenskirche probte und auftrat, gehören ebenfalls der Vergangenheit an. Die Vorstellungen sind aber auch in der neuen Bleibe, im Speicher, in Rekordzeit ausverkauft. Und nicht nur Zuschauer und Schauspieler haben sich „vermehrt“ – die Ansprüche, die das Amateurtheater an sich selbst stellt, sind ebenfalls gewachsen. Der Freude am Spiel tut das allerdings keinen Abbruch, und so wird auch nach 20 Jahren noch immer fleißig experimentiert.

Nachdem es das Jubiläumsjahr mit einer Komödie begonnen hat, präsentiert das eXperimenttheater jetzt ein Stück, in dessen Mittelpunkt die Geschichte des Serienmörders Jack the Ripper steht. Die Inszenierung stammt aus der Feder von Theaterleiter Benno Schepp (siehe Interview). „Es war weiß Gott nicht appetitlich, sich mit den einzelnen Mordtaten zu beschäftigen“, sagt Schepp. Und die wird das Publikum auch nicht zu sehen bekommen. „Dafür begleiten wir Opfer, Augenzeugen und Verdächtige, und am Ende entscheidet das Publikum, wen es für den Ripper hält. Denn in der realen Welt wurde der Täter nie geschnappt wurde, und so ist diese Kriminalgeschichte bis heute offen. Das Stück soll unterhalten, informieren und ein bisschen Gänsehaut erzeugen.

Im Mittelpunkt steht Inspektor Abberline (Anja Domeyer). Ohne Fingerabdrücke und DNA-Tests, wie wir sie heute kennen, ist er bei seinen Ermittlungen ganz auf Zeugen wie die Prostituierten Lola und Wendy (Tania Zimmermann und Jennifer Walch) oder Schankwirtin Betty (Annelie Holst) angewiesen. War ein Arzt (Rene Schöneich), ein Leichenwäscher (Werner Dietrich), ein reicher Mann (Kai Peper) oder ein Jude (Arne Hogrefe) der Mörder?

Auf der Tätersuche begegnen die Zuschauer den einfachen Bewohnern der Stadt, aber auch illustren Zeitgenossen – real und fiktiv – von Queen Victoria (Johanna Laage) über Sherlock Holmes (Martin Walter) bis hin zu Wilhelm II., dem deutschen Kaiser. Doch alle Spuren scheinen ins Leere zu laufen, und so geschehen weitere Morde. Schließlich bleibt Abberline nur, sich an eine höhere Macht zu wenden: das Publikum. Wird es Jack the Ripper identifizieren können?

Die Tätersuche geht am Freitag, 16. Mai, und Sonnabend, 17. Mai, im Speicher über die Bühne und wird Pfingsten, am 30. und 31. Mai, im Nordsee-Congress-Centrum (NCC) fortgesetzt. Alle Vorstellungen beginnen um 20 Uhr. Karten gibt es bei der Buchhandlung Liesegang. Zum NCC fährt wie gewohnt ein kostenloser Shuttle-Bus. Der Fahrplan ist unter www.messehusum.de zu finden.

 

 

 

Manche Rolle ist auf

den Leib geschrieben


Er gehört zu den Gründungsmitgliedern des eXperimenttheaters und hat in den 20 Jahren ihres Bestehens nicht weniger als zehn Stücke für die Amateur-Bühne geschrieben. Die ist längst eine feste Größe im Kulturleben der Stadt geworden. Benno Schepp (44) hat ihr zum Geburtstag seine Version von „Jack, the Ripper“ geschenkt. Warum und was ihn am Schreiben und am Theater fasziniert, darüber spricht der gebürtige Husumer im Interview.

Wie sind sie zum Schreiben gekommen, und was fasziniert Sie daran?

Als ich mit 14 Jahren meine erste Theatergruppe leitete, die Theatergruppe der Versöhnungskirche, waren wir einfach noch nicht in der Lage, Werke großer Autoren zu spielen. So mussten wir selbst schreiben, was zu uns passte. Ich begann mit kleineren komödiantischen Szenen und konnte mich in zehn Jahren zu abendfüllenden Stücken steigern. In der Zeit hab ich gewiss 20 Theaterstücke geschrieben, und ich amüsiere mich heute ein wenig über diese Schreibanfänge. Aber das Publikum trug alles mit, und ich schaue mit guten Gefühlen auf diese Zeit zurück. 1994 wechselten wir dann als Erwachsene in den Speicher und trauten uns auch an Frisch, Shakespeare oder Borchert heran. Aber die Leidenschaft zum „Autor sein“ blieb, und so schreibe ich hin und wieder etwas für uns. Ist natürlich toll, wenn man schon im Kopf hat, wer welche Rolle übernehmen könnte. So manche Rolle ist auf den Leib geschrieben.

 

Sie sind auch Regisseur des Ensembles? Was qualifiziert Sie dazu?

Meine Hauptaufgabe ist es, die 50-köpfige Gruppe zu leiten. Meine Schauspieler nennen mich manchmal „El Presidente“, und sie haben mir sogar ein T-Shirt mit diesem Aufdruck geschenkt. Das bedeutet, dass ich den Vorstand leite, die Stückauswahl mitbestimme, die Rollen verteile, einen Regisseur suche. Häufig muss ich selbst ran – von den 50 Inszenierungen, die wir in 20 Jahren gespielt haben, war ich bei der Hälfte Regisseur. Das macht viel Spaß, aber das bedeutet leider auch, dass ich leider selten selbst spiele. Meine Qualifikation ist meine 30-jährige Erfahrung und die Leidenschaft zum Theater.

Welche Bedeutung hat Theater, speziell das eXperimenttheater, für Sie?

Für mich – aber auch für meine Mitspieler – bedeutet es eine Abwechslung vom Berufsalltag. Wir machen das ja alle ehrenamtlich und aus Spaß an der Freude. Einmal jemand anderer zu sein und den Menschen eine Geschichte erzählen zu dürfen, das ist einfach einzigartig beim Theater möglich. Das eXperimenttheater ist mein Baby, auf das ich sehr stolz bin – insbesondere auf alle, die das Kind mit erzogen und gepflegt haben. Und auf unsere Zuschauer, die treu an unserer Seite stehen.

 

Und warum gibt es zum Geburtstag etwas so Blutrünstiges wie den Ripper?

Das ist Zufall. Mal abgesehen davon, dass man kein Blut sehen wird. Wichtig ist, dass wir das Stück selbst toll finden. Erst dann können wir glaubwürdig spielen. Hier war das wieder der Fall.

Was darf man im Jubiläumsjahr noch vom eXperimenttheater erwarten?

Wir haben noch zwei absolute Highlights parat. Im September und Oktober spielen wir „Der Tod und das Mädchen“ von Ariel Dorfman. Wir haben es vor Jahren schon einmal gespielt. Ich kenne kein Stück, das so unter die Haut geht. Der Eintritt wird frei sein – unser Geschenk an das Publikum für 20 Jahre Treue. Silvester hat dann die Komödie „Cowboys wie wir“ Premiere – auch aus meiner Feder. Das Stück wird im Januar noch mehrere Male auf die Bühne kommen. Es ist auch ein Geschenk an uns selbst, denn es wird ein riesiger „Kindergeburtstag“ für uns. Wir dürfen die Klischees des Wilden Westens ausleben und uns auf der Bühne in Cowboy-Kostümen mit Bardamen und Moralaposteln austoben.

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erstellt am 14.Mai.2014 | 17:30 Uhr

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