Tourismus auf Eiderstedt : Zum Entschleunigen nach Eiderstedt

Mit dem Rad sind viele Urlauber gerne auf Eiderstedt unterwegs, das ist echter Slow Tourism.
Mit dem Rad sind viele Urlauber gerne auf Eiderstedt unterwegs, das ist echter Slow Tourism.

Der neue Trend Slow Tourism bietet auch für die Halbinsel Chancen – sagt Professor Anja Wollesen von der Fachhochschule in Heide.

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10. August 2018, 11:00 Uhr

Eiderstedt | Nein, für Ballermann-Fans ist Eiderstedt (Kreis Nordfriesland) sehr wahrscheinlich nicht das Traum-Urlaubsziel. Eine Partymeile wie auf Mallorca gibt es nunmal nicht auf der Halbinsel. Wer nach Eiderstedt oder generell an die Westküste kommt, der macht hier Urlaub, weil er Strand, Natur und Landschaft sowie Ruhe und Idylle genießen möchte, ausgedehnte Radtouren unternehmen sowie Land und Leute kennenlernen kann.

Er kommt her, um zu entspannen und dem hektischen Alltag zu entfliehen, zu entschleunigen. Das wissen alle, die im Tourismus auf Eiderstedt tätig sind, und das ergeben auch immer wieder qualifizierte Urlauber-Befragungen. Und mit diesen Merkmalen ihrer Region könnten sich Eiderstedts Touristiker nun auch einen neuen Markt erschließen: den Slow Tourism (wörtlich übersetzt: langsamer Tourismus).

Ein Vortrag informiert

Was sich hinter diesem Begriff verbirgt und welche Möglichkeiten er für die Halbinsel bietet, darüber informierte Prof. Dr. Anja Wollesen von der Fachhochschule Heide jetzt mit einem Vortrag in der Sommerkirche. Die Fachhochschule ist nach eigener Aussage die erste Hochschule in Deutschland, die sich wissenschaftlich mit dem Thema befasst und auch den Begriff Slow Tourism geprägt hat.

Der Vortrag fand zwar nicht den Anklang wie andere Abende in der Kirche in Welt – sie war nur halb gefüllt –, aber das Publikum bestand zum überwiegenden Teil aus Menschen vom Fach, also Vermietern oder anderweitig im Tourismus tätigen, die in der anschließenden Diskussion mehr über den Slow Tourism wissen wollten.

Urlauber suchen Ruhe und Entspannung

Dieser relativ neue Trend im Tourismus stammt aus Italien und ist aus der Slow Food-Bewegung entstanden. Schlagworte sind: Zeit, Langsamkeit, Begegnung, Authentizität, Nachhaltigkeit und Gefühle. Damit trifft Slow Tourism den Nerv vieler Urlauber, denn, wie Wollesen ausführte, suchen diese Ruhe und Entspannung in den Ferien, wollen Genuss, aber keinen Stress und keine Termine. Wichtig sind ihnen auch authentische Erlebnisse und Erfahrungen. Eiderstedt habe da mit seiner Natur, der Landschaft, der Kultur, den Kirchen und Museen schon sehr viel zu bieten. „Aber es wird so von den potenziellen Gästen nicht wahrgenommen.“

Sie riet davon ab, Eiderstedt eigens dafür zu bewerben. Zumal Slow Tourism als Begriff von Urlaubern noch nicht gesucht werde. Für Eiderstedt sei St. Peter-Ording der Türöffner, der Badeort bringe die Menschen in die Region. Wollesen riet ferner dazu, sich für Slow Tourism-Angebote auf Eiderstedt zu vernetzen. „Tun Sie sich zusammen.“ Radfahren sei auch ein Aspekt des Slow Tourism, aber, so Wollesen: „Die Radwege auf Eiderstedt müssen besser werden.“ Außerdem riet sie dazu, es dem Gast leicht zu machen, das fange schon bei der Internet-Seite an. Schon die Schnelligkeit, mit der er an Informationen komme, könne ein Grund sein, dass er sich für Eiderstedt statt für eine andere Region entscheide.

Wer sich schon mal ganz praktisch über Slow Tourism informieren will: Meldorf hat sich als bisher einzige Stadt in Schleswig-Holstein und eine von 16 in Deutschland als Citta slow zertifizieren lassen, wie Wollesen sagte. Ferner wolle sich Dithmarschen als Gesamtregion im Slow Tourism vermarkten.

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