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Einheitliche Behörden-Rufnummer : Zukunft der Verwaltung liegt im Internet

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der einheitlichen Service-Rufnummer 115 haben sich bis auf Sylt in Nordfriesland neben dem Kreis alle kommunalen Behörden angeschlossen. Über ein Call-Center erhalten Bürger nicht nur Auskünfte, sondern auch Unterlagen.

Polizei 110, Feuerwehr und Rettungsdienst 112. Diese Notrufnummern sind allgemein bekannt. Aber wie sieht es mit der 115 aus, die als einheitliche Behörden-Rufnummer des Landes Schleswig-Holstein gilt? Wählt ein Bürger diese Nummer, erhält er nach Angabe von Wohnort und Anliegen umgehend Auskunft, welche Behörde zuständig ist, erforderliche Unterlagen und vieles mehr. Ist eine Antwort aus bestimmten Gründen nicht möglich, wird eine Rückmeldung innerhalb von 24 Stunden garantiert – so lautet jedenfalls das 115-Service-Versprechen. Die 115 soll helfen, Zeit zu sparen und dadurch Nerven zu schonen. Die Suche nach Telefonnummern entfällt, genauso wie scheinbar endlose Warteschleifen bei der Weiterleitung von Abteilung zu Abteilung. Allerdings wissen noch zu wenige Bürger von dieser Durchwahl.

Oliver Voigt vom zentralen IT-Management des Landes Schleswig-Holstein schätzt, dass drei bis fünf der Anrufe bei Behörden inzwischen bei der 115 auflaufen. „Wir planen, auf zehn Prozent zu kommen“, erklärte er während eines Pressegesprächs im Kreishaus in Husum.

Der Kreis bietet den 115-Service seit zwei Monaten an und bis auf die Insel Sylt haben sich alle kommunalen Behörden in Nordfriesland dieser Nummer angeschlossen. Claus Röhe, Leitender Verwaltungsbeamter des Amtes Nordsee-Treene, weiß aus eigener Erfahrung, dass die 115 „weiter bekannt gemacht werden muss“. Seine Kollegin Claudia Pastewka vom Amt Mittleres Nordfriesland hält die Nummer für „einen wichtigen Schritt in Richtung moderne Verwaltung“.

Das Fachwissen am anderen Ende der 115-Leitung, dass durch Callcenter-Mitarbeiter an die Bürger weitergegeben wird, basiert auf dem Zuständigkeitsfinder Schleswig-Holstein (kurz ZuFiSH). Dahinter verbirgt sich eine Datenbank mit allen Dienstleistungen von Bund, Land, Kreisen und Kommunen im Land. „ZuFiSH“ ist seit 2013 auch über den modernisierten Internetauftritt des Kreises zugänglich und nach Ansicht von Landrat Dieter Harrsen „der größte Online-Erfolg der Behörden in den vergangenen Jahren, der einen echten Mehrwert für unsere Bürger bedeutet“. Der Kreis sei mit Blick auf die Verlagerung von Leistungen des öffentlichen Dienstes in das weltweite Netz ohnehin auf einem guten Kurs. Der Landrat: „Die ersten Meter sind geschafft, aber noch liegt ein weiter Weg vor uns.“

Beim Kreis wird bereits seit vielen Jahren die Reservierung von Kfz-Wunschkennzeichen per Internet angeboten und es Bauherren ermöglicht, den Stand ihres Baugenehmigungsverfahrens online zu verfolgen. In den vergangenen Monaten kam die papierlose Anmeldung zu Hygienebelehrungen für diejenigen dazu, die im Lebensmittelbereich arbeiten wollen, ebenso die Abmeldung privater Kraftfahrzeuge. Derzeit arbeitet die Stabsstelle Steuerung und Organisationsentwicklung des Kreises daran, es Bürgern zu ermöglichen, Anträge online zu stellen. Allerdings sei dies ein „aufwendiges Verfahren“, denn schließlich müsse gewährleistet sein, dass der Antragsteller auch „wirklich die Person ist, die den Antrag stellt“, so Heiko Tiedemann von der Stabsstelle. Für das Problem gebe es mehrere Lösungsansätze, wie der mit einem digitalen Authentifizierungssystem versehene neue Personalausweis. Um das System nutzen zu können, muss ein 30 Euro teures Lesegerät gekauft und am heimischen Computer angeschlossen werden. Eine Alternative bietet die DE-Mail: Mittels Identifizierungsverfahren melden sich Bürger bei einem DE-Mail-Anbieter ihrer Wahl an und können dann elektronisch unterschriebene und im Behördenverkehr zugelassene E-Mails sicher versenden.

Auch abseits der landesweiten Datenbank verlagern die acht nordfriesischen Ämter ihre Dienstleistungen ins Internet. Gewerbeanmeldungen sind bereits bei allen online möglich, vier von ihnen haben sich inzwischen auch für die vom Land eingeführte Bauleitplanung online freischalten lassen. Behörden und Bürger haben damit die Möglichkeit, in offiziellen Bauleitplanverfahren Stellungnahmen abzugeben, die anschließend von Planungsbehörden abgearbeitet werden. Heiko Tiedemann erklärte, dass in den kommenden Jahren die digitale Kooperation von Behörden untereinander ein wichtiges Thema sein wird. Ein gutes Beispiel dafür ist die sogenannte Elektronische-Akte (E-Akte), die unter der Federführung des Kreises mit den sieben nordfriesischen Sozialzentren eingeführt worden ist. Ein Vorteil von vielen: Alle Beteiligten greifen innerhalb von Widerspruchsverfahren problemlos auf die gleiche Datenbank zu. Gute Erfahrungen gibt es auch mit Blick auf das Rats-Informationssystem, das 44 der 52 Kreistagsabgeordneten und 17 der 44 bürgerlichen Mitglieder nutzen. Sie erhalten die Flut an Sitzungsunterlagen des Kreistages nicht mehr in Papierform, sondern per App auf ihren Tablet-Computer, der wiederum beim privaten Kauf vom Kreis bezuschusst wird. „Wer das System einmal ausprobiert hat, möchte es nicht mehr missen“, betont der Landrat. Dennoch ist er überzeugt, dass das persönliche Gespräch in vielen Fällen unverzichtbar bleiben wird – trotz der Verlagerung vieler Geschäftsprozesse ins Internet.

 

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