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24 Stunden Husum: 3 bis 4 Uhr : Zug um Zug unter ständiger Beobachtung

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zu Besuch bei der Nachtschicht im Betriebswerk der Nord-Ostsee-Bahn: Hier werden Lokomotiven und Waggons rund um die Uhr kontrolliert und repariert, damit die Fahrgäste immer sicher auf der Schiene unterwegs sind.

In der Serie „24 Stunden Husum“ begeben wir uns an verschiedenste Orte der Stadt – jeweils für eine Stunde. Heute Teil 23: Zugvorbereitung bei der Nord-Ostsee-Bahn.

 

„Achtung, die Lok ist so leise, die hört man gar nicht“, warnt Stefan Willke vor der blau-weißen DE 2000 der Nord-Ostsee-Bahn (NOB), die fast lautlos aus der 200 Meter langen Halle schnurrt. Am Abend zuvor war die 2700 PS starke Maschine für eine kleinere Reparatur ins östlich des Husumer Bahnhofs liegende Betriebswerk gerollt und ist nun vom Leiter der Nachtschicht nach kurzer Endkontrolle wieder für den Fahrbetrieb auf der Marschbahnstrecke zwischen Hamburg und Westerland freigegeben worden. Es ist jetzt genau drei Uhr morgens; in einer Stunde und 23 Minuten wird sie sich vor dem Zug NOB 81 701 auf den Weg in die Hansestadt machen.

Die Rolltore schließen sich hinter dem 80 Tonnen schweren Kraftprotz, der an der Tankstelle von seinem Lokführer betankt wurde, und Willke geht die Metalltreppe zu seinem Büro hinauf. Von hier oben hat er durch das große Fenster einen guten Überblick über „sein“ Reich. Der Energieelektroniker ist einer von drei Schichtleitern, die mit ihren Leuten dafür sorgen, dass das Rollmaterial der NOB im Betriebswerk jederzeit heilende Hände vorfindet – rund um die Uhr, sieben Tage in der Woche. Dabei ist die von 22.10 bis 6.50 Uhr dauernde Nachtschicht am schwächsten besetzt: Nur vier, fünf Leute werkeln in der Halle, um dringende Reparaturen zu erledigen. „Die größte Manpower haben wir in der Frühschicht von 6.45 bis 15.15 Uhr mit zehn bis zwölf Köpfen“, erzählt Willke, während er am Schreibtisch ein paar Papiere durchgeht. Die Spätschicht von 13.55 bis 22.20 Uhr liegt mit sechs bis acht Mann irgendwo dazwischen.

„Die planbaren Arbeiten werden natürlich in die Tagschichten gelegt“, erläutert der Schichtleiter. Je nach Typ haben alle Schienenfahrzeuge vorgegebene Wartungsintervalle in unterschiedlichen Stufen, mit wachsender Arbeitsintensität auf jeder Stufe. „Wir machen hier sozusagen einen stetigen TÜV.“ Die großen Hauptuntersuchungen seien alle sechs Jahre erforderlich, mit der Option, sie bei entsprechenden Kontrollen noch um zwei Jahre hinauszuschieben. „Dann müssen die Fahrzeuge zur Industrie, das können wir hier nicht erledigen.“ Die Reisezugwagen kommen ins Ausbesserungswerk der Deutschen Bahn nach Neumünster. „Wo wir die Loks hinschicken, ist noch in der Schwebe, aber dieses Jahr ist die Untersuchung endgültig fällig.“ Vor acht Jahren, im Dezember 2005, hatte die NOB als hundertprozentige Tochter des Unternehmens Veolia Verkehr in Berlin den Betrieb auf der Marschbahn aufgenommen.

Um die Sicherheit der Passagiere zu gewährleisten, steht für Loks und Waggons alle vier bis fünf Wochen eine Fristuntersuchung an. „Dann wird das Fahrzeug von der Betriebsleitzentrale gesperrt und kommt zu uns, wo es gewartet wird. Sind wir fertig, melden wir es der Leitzentrale und die gibt das Fahrzeug wieder für den Betrieb frei.“ Drehgestelle und Bremsen werden sogar alle 14 Tage überprüft. Und bevor Lok- und Zugführer mit ihrem Zug „auf Strecke“ gehen, kontrollieren sie ihn noch einmal optisch und machen eine Bremsprüfung. „Das gehört zum Vorbereitungsdienst.“

Durchschnittlich alle zwei Tage seien die Waggons im Betriebswerk, die Loks sogar täglich. Und die Techniker dort können so einiges stemmen: „Wir tauschen auch Achsen und Drehgestelle aus und sogar die schweren Motoren der Lokomotiven.“ Allerdings nicht in der Nachtschicht, da sind eher kleinere Störbehebungen gefragt. „Die kommen hier aus dem laufenden Betrieb per Telefon und E-Mail an, so dass wir vorgewarnt sind.“ Planbare Arbeiten würden drei Viertel der Aufgaben der Mitarbeiter ausmachen, ein Viertel sei ungeplant. „Wir haben hier Schlosser, Elektroniker und Elektriker, aber die meisten sind Mechatroniker“, beschreibt Willke seinen 40 Köpfe umfassenden Personalbestand. Alle seien erfahrene Leute, „so im mittleren Alter, in den 40ern“. Er selbst ist 42 und wohnt in Heide. „Viele sind aus Husum und Friedrichstadt, der mit der weitesten Anreise kommt aus Flensburg.“ Natürlich würden die meisten Auswärtigen die Bahn zum Pendeln nutzen.

15 Marschbahnzüge hat die NOB im Bestand – 14 mit sechs und einen mit vier Wagen – plus drei Flex-Garnituren mit ebenfalls je vier Waggons, dazu eine Flotte von fünf DE 2700-, drei DE 2000- und sechs ER 20-Dieselloks, drei Triebwagen sowie zwei kleine Rangierloks. „Und weitere fünf Dieselloks sind angemietet.“ Genug zu tun ist also immer im Betriebswerk – auch jetzt, mitten in der Nacht: Während der Uhrzeiger auf vier springt, ist Willke wieder unten und kontrolliert im Arbeitskanal Achsen und Radsatz eines Waggons.

Der 24. und letzte Teil morgen: Bei Georg C. werden frühmorgens schon die Lastwagen mit dem Material für diverse Baustellen losgeschickt.

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erstellt am 27.Sep.2013 | 12:00 Uhr

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