Eulen in Not : Zu wenig Nahrung für nächtliche Jäger

Früher gab es die Schleiereulen beinahe auf jedem Bauernhof: Inzwischen  ist diese Art  selten geworden.
Früher gab es die Schleiereulen beinahe auf jedem Bauernhof: Inzwischen ist diese Art selten geworden.

Die zunehmende Vermaisung der Landschaft bereitet Eulen in Nordfriesland Probleme: Die Tiere finden kaum noch Mäuse. Deshalb klappte es auch mit dem Nachwuchs nicht so gut, so dass Eulenschutzbeauftragter Dirk-Peter Meckel 2013 zu einem schlechten Jahr für seine Schützlinge erklären musste.

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30. November 2013, 16:30 Uhr

„Das war ein wirklich schlechtes Jahr für unsere Schützlinge“, beklagt Dirk-Peter Meckel, zuständig für den Kreis Nordfriesland im Landesverband Eulenschutz. Die eleganten Nachtjäger haben in diesem Jahr so wenig Nachwuchs großgezogen wie noch nie in der mehr als 30-jährigen Geschichte des Verbandes. Dafür, so erklärt Meckel, gibt es einen Grund: „Es gab zu wenig Mäuse.“

Warum so wenig Kleinsäuger unterwegs waren, liegt nach seinen Worten an mehreren Faktoren. Eine Hauptursache ist für ihn die „Vermaisung“ der Landschaft. Im Mais finden sich kaum Mäuse, und wenn, dann sind sie dort für die Vögel nicht erreichbar. Eine wichtige Rolle dürfte auch das nasse und kalte Frühjahr gespielt haben, vermutet Meckel. Ein weiterer Grund ist nach seiner Ansicht der Verlust von Dauergrünland. Deshalb würden von den Greifen immer mehr alte Brachflächen als Jagdrevier genutzt. Dazu zählten auch die Seitenstreifen der Straßen. „Und wenn in der Dunkelheit eine Eule plötzlich vom Lichtkegel eines Scheinwerfers erfasst wird, dann ist sie vorübergehend blind und wird oftmals Opfer des Straßenverkehrs.“

Der Landesverband betrachtet diese Entwicklung mit Sorge, unterstreicht Meckel und berichtet, dass es in ganz Nordfriesland nicht ein einziges Steinkauzpaar gibt. Und auch die Schleiereulen, die früher auf nahezu jedem Bauernhof heimisch waren, haben in diesem Jahr nur 15 Mal erfolgreich gebrütet: Insgesamt sind 55 Jungvögel auf die Welt gekommen. Landesweit gab es 66 Brutpaare. Das Besondere: Allein auf Eiderstedt brüteten zehn Paare. Verantwortlich dafür, so Meckel, ist der hohe Anteil an mehrjährigem Grünland auf der Halbinsel und das damit verbundene hohe Wühlmausvorkommen.

Erschreckend auch die Situation bei der wohl bekanntesten Eule: dem Uhu. Während 2012 noch 18 Brutpaare in Nordfriesland 22 Jungvögel aufzogen, gab es in diesem Jahr nur elf Brutpaare mit einem
17-köpfigen Nachwuchs. Für die großen Tiere mit einer Spannweite von bis zu 1,70 Meter war 2013 ein hartes Jahr. „Wir haben sogar einige verhungerte Uhus gefunden, und einige total ausgemergelte Vögel wieder aufgepäppelt.“

Eulen benötigen während der Aufzuchtperiode viel Nahrung. Eine Waldkauz-Familie mit drei heranwachsenden Jungen ernährt sich pro Nacht von etwa 25 Mäusen – in drei Monaten werden rund 2000 Beutetiere gefangen. Ein Schleiereulen-Paar, das in guten Jahren zehn Junge großzieht, erbeutet allein während der Jungenaufzucht etwa 6000 Mäuse. In Jahren mit einem guten Nahrungsangebot kommt es bei einigen Eulenarten – Schleiereulen, Rauhfußkäuzen und Sumpfohreulen – zu einer Zweitbrut.

Der Landesverband Eulenschutz sucht für den Bereich Nordfriesland nach wie vor einige Gebietsbetreuer. Voraussetzung dafür ist neben dem Interesse an den Tieren auch Schwindelfreiheit, denn Gelege müssen teilweise in größerer Höhe kontrolliert werden. Interessenten sollten sich werktags (nach 18 Uhr) an Dirk-Peter Meckel unter Telefon 04892/5859406 oder per E-Mail an Peter.Meckel@freenet.de wenden.

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