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Neue Beauftragte im Jobcenter : Zu wenig familienfreundliche Jobs

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In Nordfriesland fehlen familienfreundliche Arbeitsplätze. Im Jobcenter des Kreises kümmert sich eine neue Beauftragte um dieses Problem, das besonders Alleinerziehende trifft.

Wer für die Kinderbetreuung nicht gerade Oma und Opa oder Freunde in der Hinterhand hat, der ist vielfach aufgeschmissen, wenn es um die eigene Arbeit, Fort- oder Ausbildung geht. „Zu den häufigsten Hemmnissen, die erwerbslose Eltern von der Aufnahme einer Arbeit abhalten, gehört die fehlende Betreuung der Kinder“, weiß Axel Scholz. Er ist in der Kreisverwaltung zuständig für das Jobcenter Nordfriesland mit seinen sieben Sozialzentren im Kreisgebiet. Und auch von deren Personalvermittlern komme immer wieder die Rückmeldung, „wie wichtig familienfreundliche Arbeitsplätze sind“. Und, so Axel Scholz: „Das Erwerbspotenzial von Frauen und Alleinerziehenden ist noch nicht ausgeschöpft – da ist noch Luft nach oben, und wir können es uns nicht leisten, dies zu vernachlässigen“, sagt Axel Scholz.

Seiner Erfahrung nach sind viele Arbeitgeber bereit, auf die spezielle Situation Arbeitsuchender einzugehen. „Man muss nur darüber reden. Unsere Personalvermittler haben ein breites Portfolio möglicher Maßnahmen im Gepäck, die sie den Arbeitgebern vorschlagen“, erläutert er. Dazu gehörten variable Arbeitszeiten, Jahresarbeitszeitkonten und Gleitzeit bis hin zur Möglichkeit von Ausbildung in Teilzeit, die gerade jungen Eltern oder in die familiäre Pflege eingebundenen Personen die Möglichkeit eröffnet, einen qualifizierten Beruf zu erlernen. Bei Büroberufen sei auch die Tele-Heimarbeit eine bewährte Methode. Eine generelle Offenheit für familienfreundliche und flexible Arbeitszeitmodelle stellt er vor allem bei jenen Unternehmen und Branchen fest, in denen der Fachkräftemangel bereits spürbar ist.

Weil Familienfreundlichkeit eine so wichtige Rolle spielt, hat das Jobcenter Nordfriesland eine eigene Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt ernannt: Sabine Löhner arbeitet als Fallmanagerin im Tönninger Sozialzentrum und verwendet die Hälfte ihrer Arbeitszeit auf die Verbesserung der Chancengleichheit von Männern und Frauen. Ihre Botschaft an die Arbeitgeber: „Wir können uns gemeinsam auf den Weg machen, etwas zu verändern.“

„Als Mann sollte man die Betreuung der Kinder übernehmen können, ohne sich dumme Sprüche anhören zu müssen. Und Alleinerziehende sollten bei der Jobsuche nicht gefragt werden, ob ihr Kind oft krank wird oder ob sie noch mehr Kinder wollen“, beschreibt sie alltägliche Phänomene. Löhner steht allen Frauen und Männern, die Arbeitslosengeld II beziehen, sowie Firmen, Arbeitgeberverbänden und Beratungsstellen als Ansprechpartnerin zur Verfügung.

Im vergangenen Jahr erfuhr sie von einem besonderen Problem des Jobcenters: Bei längeren Qualifizierungsmaßnahmen ist es für Teilnehmer mit Kindern immer wieder schwierig, die Betreuung ihrer Sprösslinge in den Ferien sicherzustellen, wenn öffentliche Kinderbetreuungs-Einrichtungen geschlossen sind. Konkret trat das Problem bei einer Qualifizierung für die Altenpflegehilfe in der Wirtschaftsakademie (WAK) in Husum auf: Einige Teilnehmende konnten die Kinderbetreuung in den Sommerferien nicht sicherstellen. Damit hätten sie nicht an dem Kursus teilnehmen können.

Daraufhin entwickelten Sabine Löhner, WAK und Kreisverwaltung gemeinsam die Idee, direkt in den Räumen des Bildungsträgers eine Kinderbetreuung anzubieten. Die WAK stellte Räume und Möbel zur Verfügung, und das Jugendamt des Kreises fand eine geeignete geprüfte Tagespflegeperson, deren Personalkosten der Fachbereich Arbeit des Kreises übernahm. Drei Mütter und fünf Kinder im Alter zwischen drei und neun Jahren nahmen die Kinderbetreuung in Anspruch. Löhner: „Wir haben ausschließlich positive Rückmeldungen bekommen, und die WAK hat bereits zugesichert, die Maßnahme bei Bedarf zu wiederholen.“

„Projekte dieser Art werden wir in Zukunft häufiger anbieten“, sind sich Axel Scholz und Landrat Dieter Harrsen einig, der voll auf eine familienfreundliche Politik setzt und Arbeitgebern rät, sich näher mit dem Thema zu befassen – „das zahlt sich immer wieder aus“. Und: „Wir müssen in der Gesellschaft ein anderes Selbstverständnis entwickeln, was Kinderbetreuung angeht, und gemeinsam daran arbeiten, dass es kein Nachteil ist, alleinerziehend zu sein.

 


Sabine Löhner ist zu erreichen via E-Mail (sabine.loehner@nordfriesland.de) sowie mittwochs und donnerstags unter Telefon 04841/67203.

 

 

Vermittlung bleibt schwierig

Von 1082 alleinerziehenden, vermittlungsfähigen Langzeit-Arbeitslosen hat das Jobcenter Nordfriesland im Zeitraum von Oktober 2013 bis zum Herbst des Vorjahres insgesamt 247 vermittelt. Das entspricht einer über dem Bundesschnitt liegenden Quote von 22,8 Prozent. Außerdem wurden zwölf Alleinerziehende in eine Berufsausbildung vermittelt.

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erstellt am 03.Mär.2015 | 17:30 Uhr

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