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Problem auf Husums strassen : Zu viele Radfahrer halten sich nicht an die Regeln

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zahlreiche Fahrradfahrer machen in Husum, was sie wollen. Diesen Eindruck hat Polizist Hans Krahnen. Doch nicht nur er: Ein 87-Jähriger fühlt sich als Fußgänger von Radlern auch schon mal bedroht.

„Steigen Sie bitte ab! Hier ist ein Bürgersteig und auch noch eine Einbahnstraße!“, sagt Polizeikommissar Hans Krahnen wieder einmal gebetsmühlenartig – dieses Mal auf der Neustadt. Der Bünabe – der bürgernahe Kontaktbeamte – könnte mit seinen drei Kollegen sicherlich jeden Tag mehr als 50 Fahrradfahrer verwarnen oder mit einem Ordnungsgeld belegen, wenn sie in ihrem Bezirksdienst nicht noch andere Aufgaben wahrzunehmen hätten.

„Husum gehört mit den vielen Einbahnstraßen leider nicht zu den fahrradfreundlichsten Städten“, stellt Krahnen fest und zeigt sogar ein gewisses Verständnis für manche Situationen, in denen sich Fahrradfahrer nicht immer an die Straßenverkehrsordnung halten. „Es gibt schon einige Stellen in Husum, wo die Planung nicht optimal ist oder es schwierig ist, zu erklären, warum dort Fahrradfahrer entgegen der Fahrtrichtung fahren dürfen, wie in der Großstraße, aber andernorts nicht.“

Rein rechtlich spricht besagte Straßenverkehrsordnung aber eine eindeutige Sprache: Bis zu ihrem achten Lebensjahr müssen Kinder den Bürgersteig nutzen; von acht bis zehn Jahren können sie es; nach dem zehnten Lebensjahr muss die Straße befahren werden, so es keine gesonderten Fahrradwege gibt oder es durch eindeutige Verkehrsschilder nicht anders gekennzeichnet ist. Ansonsten sind Fahrradfahrer genau den gleichen Regeln unterworfen wie Autofahrer.

Dennoch scheinen sich die Zweiradbesitzer in einem rechtsfreien Raum zu wähnen. Allein in der kurzen Zeit der Unterhaltung mit Hans Krahnen befahren etliche Damen und Herren entgegen der Einbahnstraßen-Richtung auf dem Bürgersteig die obere Neustadt gen Stadt. Auf der Skala der Ausreden bewegen sie sich dabei irgendwo zwischen „seltsam“ und „haarsträubend“. Normal klingt dagegen schon die Aussage einer älteren Husumerin, die übrigens auch einen Führerschein hat: „Ach, das habe ich gar nicht gewusst. Man hat mir gesagt, als Fahrradfahrer darf man das.“ Andere fühlen sich gar nicht angesprochen und schauen an dem Herrn in Uniform auch schon mal absichtlich vorbei oder beherrschen plötzlich kein einziges Wort der deutschen Sprache mehr.

Der Kommissar weiß auch zu berichten, dass es schon mal zu Stressmomenten kommen kann. Fahrradfahrer seien häufig noch uneinsichtiger als Autofahrer, stellt er fest. Insgesamt sei das Aggressionspotenzial gestiegen, das Unrechtsbewusstsein dafür umso mehr gesunken. Dabei sei so ein falsches Verhalten im Straßenverkehr vor allem sehr gefährlich, sagt der Bünabe. Als einen Unfallschwerpunkt nennt er zum Beispiel die Einmündung Neustadt/Schlossstraße. Die war immer schon „nicht ohne“, weiß Krahnen. Die relativ neue Rechts-vor-Links-Regelung führe nun außerdem dazu, dass Autos noch schneller um die Kurve fahren. Sie vertrauen auf ihr Vorfahrtrecht. Kommt dann noch ein Fahrradfahrer von der falschen Seite und auf dem Bürgersteig angeprescht, kann das schlimm enden.

Als „Opfer“ besonders betroffen sind ältere Fußgänger. Der frühere Rechtsanwalt Dr. Uwe Ladda weiß davon ein Lied zu singen. Der 87-Jährige selbst musste schon mehr als einmal zur Seite springen, um einem Fahrradfahrer auf dem Bürgersteig auszuweichen. „Manche fahren so schnell und so dicht an einem vorbei, dass man kaum eine Chance hat. Sollte man als älterer Mensch mal schwanken oder eine unerwartete Bewegung machen, würde man kollidieren. Wer als alter Mensch stürzt, kann sich sehr schwere und irreparable Verletzungen zuziehen“, gibt Ladda zu bedenken. Er selbst fühlt sich von einigen Fahrradfahrern durch die unachtsame Fahrweise regelrecht bedroht und hat deswegen schon beim Ordnungsamt vorgesprochen.

Die Stadt versucht denn auch schon an einigen neuralgischen Punkten, mehr Aufmerksamkeit zu schaffen. So gibt es rote Fahrbahnmarkierungen an Kreuzungen, die zum Fahrradweg zählen, aber mehr den Fokus der Autofahrer darauf lenken sollen, dass dort verstärkt mit Fußgängern und Zweiradfahrern zu rechnen ist. Mit Senioren gibt es Veranstaltungen und Begehungen von Unfallschwerpunkten im Beisein von Ordnungsamt und Polizei, bei denen auch über Verbesserungen gesprochen wird.

Wenn sich Kommissar Krahnen nach 15 Jahren als Kontaktbeamter etwas wünschen dürfte, könnte er sich für eine autofreie Innenstadt erwärmen, in der nur Busse, Taxis und Fahrräder erlaubt wären. Eine konsequente Planung mit besseren Fahrradwegen hält er in Husum für überfällig. Aber er appelliert auch an alle Verkehrsteilnehmer – und besonders an die Fahrradfahrer –, sich an die geltenden Verkehrsregeln zu halten und sich umsichtig und fair anderen Verkehrsteilnehmern gegenüber zu verhalten.

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