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Husumer Nachrichten

23. Oktober 2017 | 05:21 Uhr

Zu viele Ortsschilder für Morsum

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Verärgerte Ortseinwohner, verwirrte Touristen: Dass der Inselort nun 13 statt vier Ortsschilder haben muss, mag man in Morsum nicht verstehen

von
erstellt am 20.Mai.2014 | 20:04 Uhr

Wenn eine Kommune von gleich 13 Ortsschildern gesäumt wird, dann könnte man eine Größenordnung etwa einer Stadt wie Flensburg vermuten. Geschildert wird aber hier die Situation im ländlichen Morsum. Dort vermehrte sich die Zahl der Ortsschilder im Laufe der vergangenen zwei Jahre sprunghaft von vier auf 13, was von den Einwohnern mit nachhaltigem Unverständnis quittiert wird.

Doch auch der geplante Vorstoß des Ortsbeirates in Form einer neuerlichen Verkehrsschau wird daran nichts ändern: Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte der Kreis Nordfriesland, dass es aus gesetzlichen Gründen bei der jetzigen Beschilderung definitiv bleiben werde.

Einmal mehr hatte die unbefriedigende Situation bei der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates im April für Diskussionsstoff gesorgt. Kern der Kritik: Zwischen den verschiedenen Ortslagen des Flächendorfes wurden seit 2012 Ortseinfahrts- und respektive Ortsausfahrtsschilder installiert. Dadurch wurde die innerörtliche Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h streckenweise aufgehoben – Autofahrer dürfen also theoretisch mit bis zu 100 Stundenkilometern über die schmalen Straßen brausen.

„Tatsächlich“, berichtet Alfred Bartling, „weiß ich aus eigenen Beobachtungen und den Berichten anderer Morsumer, dass inzwischen deutlich schneller gefahren wird. Die Beschilderung ist somit keine Verkehrsverbesserung, sondern eine Verkehrsgefährdung für Spaziergänger, Radfahrer und Reiter.“

Auch Björn Nielsen betrachtet die Entwicklung mit nachhaltigem Kopfschütteln: „Muss es denn erst zu schweren Unfällen kommen?“ Gerade die Kreuzung Serkwai/Gungwai sei seit jeher ein Unfallschwerpunkt gewesen – „das verschärft sich jetzt doch noch“. Einen weiteren Unfall habe es schon gegeben, zudem dokumentierte Nielsen mit der Kamera kürzlich eine 20 Meter lange Bremsspur vor besagter Kreuzung.

Neben der Geschwindigkeitsproblematik sorgt die Beschilderung aber auch anderweitig für Irritationen: „Laufend wenden Urlauber auf meiner Auffahrt, weil sie denken, das Dorf sei hier zu Ende“, berichtet Alfred Bartling. Ähnliche Beobachtungen hat Björn Nielsen gemacht: „Ständig halten Gäste am vermeintlichen Ortsausgangsschild verunsichert auf dem Seitenstreifen an.“

Verärgert ist Alfred Bartling indes über Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen, „der mich aufgrund einiger eingegangener Beschwerden von Morsumern anrief und mir zusagte, die Angelegenheit vor Ort in Augenschein zu nehmen. Er ist bis heute nicht erschienen.“ Stattdessen erhielt Bartling ein Schreiben, wonach sich „nach erneuter Prüfung leider keine neuen Anhaltspunkte ergeben haben“.

Hatte der Ortsbeirat bei seiner jüngsten Sitzung beschlossen, den Kreis um eine neuerliche Verkehrsschau zu bitten, wird diese wohl nicht stattfinden. Warum, das erläutert Hans-Martin Slopianka, Pressesprecher des Kreises: „Grundlage für die Anordnung der Ortstafeln ist die Straßenverkehrsordnung, die im gesamten Bundesgebiet anzuwenden ist. Danach sind Ortstafeln ohne Rücksicht auf Gemeindegrenzen dort aufzustellen, wo die geschlossene, zusammenhängende Bebauung auf einer der beiden Seiten der Straße beginnt oder endet.

Auch geschlossene Ortsteile können durch diese Verkehrszeichen gekennzeichnet werden; das ist insbesondere dann erforderlich, wenn zwischen dem Ortsteil und dem Ort eine freie, unbebaute Strecke liegt. Wir haben mit unserer Verkehrsanordnung somit den rechtlichen Vorgaben entsprechend gehandelt. Die Schilder wieder abzubauen, würde bedeuten, wissentlich einen Zustand herzustellen, der dem unmissverständlichen Willen des Gesetzgebers widerspricht. Das kommt selbstverständlich nicht in Frage.“

Zudem verweist Slopianka darauf, dass Morsum kein Einzelfall im Kreisgebiet sei: „Ähnlich verhält sich die Situation etwa in Risum-Lindholm oder in Keitum am Siidik und in List am Süder- und Westerheidetal.“

Für Alfred Bartling („Gerade erst hat der Landesrechnungshof die ausufernden Beschilderungen in Schleswig-Holstein gerügt“) und Björn Nielsen bleibt der Ist-Zustand dennoch keinesfalls akzeptabel: „Es führen ganze vier Straßen nach Morsum. Da sollten von der Logik her vier Ortsschilder doch wohl genügen.“

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