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Nordfriesland : Zu viel Arbeit: Behörde macht dicht

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Auf den Schreibtischen der Mitarbeiter stapeln sich die Fälle. Deshalb bleibt die Ausländerbehörde des Kreises Nordfriesland zwei Wochen lang geschlossen. Der Hintergrund: die stark gestiegene Zahl der Asylbewerber.

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erstellt am 22.Jan.2016 | 12:00 Uhr

Das hat es im Kreis Nordfriesland noch nicht gegeben: Zum ersten Mal seit seiner Gründung im Jahr 1970 muss sich eine Abteilung der Kreisverwaltung in Husum längere Zeit gegen den allgemeinen Publikumsverkehr abschotten – wegen Arbeitsüberlastung. Betroffen ist die Ausländerbehörde , deren Mitarbeiter angesichts des anhaltenden Zustroms von Asylsuchenden in die Knie zu gehen drohen. „Kreis Nordfriesland, Ämter, Sozialzentren sowie haupt- und ehrenamtliche Asylbetreuer versuchen, unsere nordfriesische Willkommenskultur mit Leben zu erfüllen. Doch die schiere Masse der Zuwanderer führt stellenweise einfach zur Überforderung“, stellt Harry Schröder fest.

In der Vergangenheit führten allenfalls interne Fortbildungen oder auch EDV-Umstellungen dazu, dass die eine oder andere Abteilung des Kreises tagesweise nur für dringende Anliegen erreichbar war. Die zur Stabsstelle „Kommunales und Ordnung“ gehörende Ausländerbehörde soll jetzt gleich für zwei Wochen geschlossen bleiben, nämlich vom 1. bis zum 12. Februar. „Wir müssen unbedingt die Rückstände abarbeiten, die aufgrund der enorm angestiegenen Asylbewerberzahlen entstanden sind“, so Stabsstellen-Leiter Schröder.

Die Ausländerbehörde ist zuständig für insgesamt fast 10  000 Menschen mit teils schwierigen Einzelschicksalen. 2015 kamen insgesamt rund 2000 Asylbewerber nach Nordfriesland, seit dem Jahreswechsel bereits 130.

Zwar ist der Kreis dabei, die Abläufe zu optimieren, hat sein System mit 9300 Akten umgestellt und die Zahl der Mitarbeiter auf sechs verdoppelt. Aber das alles reicht augenscheinlich nicht. Die große Zahl der Fälle und Besucher während der – ohnehin schon reduzierten – allgemeinen Öffnungszeiten an drei Tagen in der Woche sowie ständig klingelnde Telefone mit dutzenden Anrufen pro Mitarbeiter und Tag haben dazu geführt, dass sich in allen Aufgabenfeldern die Arbeit türmt und jetzt die ungewöhnliche Schließung erfolgt.

Sehr viel mehr Zeit für die Aufarbeitung der Fälle bringt diese „Arbeits-Klausur“ freilich nicht. Denn die Ausländerbehörde ist ohnehin nur insgesamt 12,5 Stunden in der Woche für Besucher geöffnet. Und das von der Flüchtlingskrise diktierte Tagesgeschäft ändert sich nicht. Neben Notfällen und Anliegen von Polizei und anderen Behörden müssen sich die Mitarbeiter der Ausländerbehörde trotz der Schließung weiterhin um jene Neuzugänge kümmern, die das Landesamt für Migration und Flüchtlinge dem Kreis über die zentrale Erstaufnahme-Einrichtung des Landes in Neumünster regelmäßig zuweist. Immer, wenn sich im Foyer des Husumer Kreishauses Koffer, Rucksäcke und Plastiktüten sammeln, ist es wieder so weit. Dann wird eine weitere Gruppe von Asylbewerbern registriert. Dabei wird eng mit der Migrationssozialberatung des Kreises zusammengearbeitet. Diese überreicht den neu Zugewiesenen die von der Ausländerbehörde ausgestellten Zuweisungsbescheide und zahlt ihnen 100 Euro in bar aus, um auf diese Weise die sieben Sozialzentren im Kreisgebiet zu entlasten. Danach sorgt sie für den Transport der Neuankömmlinge zu den Ämtern und gibt eine erste Einweisung in die Verhältnisse in Deutschland.

Parallel dazu laufen vermehrt Rückführungen, nachdem im November 2015 die bundesgesetzlichen Regelungen verschärft worden waren: Während die Ausländerbehörde im Vorjahr – unterstützt durch Landes- und Bundespolizei – rund 25 Menschen in ihre Heimatländer abschob, werden es bis Ende Februar weitere 20 Personen sein. Und, so der Kreis: „Die Zahl der freiwillig zurückkehrenden Ausländer übersteigt die Zahl der Abgeschobenen bei Weitem.“

Unterdessen müssen sich Antragsteller mit anderen Anliegen in Geduld fassen. Das gilt etwa für Anträge auf Familiennachzug, Besucher-Visen oder die Verlängerung von Aufenthalts-Gestattungen für Asylbewerber. Und, so Schröder: „Wir freuen uns sehr über die vielen ehrenamtlichen Asylbetreuer im Kreisgebiet. Sie leisten überaus wertvolle Beiträge zur Integration der Zuwanderer. Es gibt aber auch immer wieder Situationen, in denen wir sie um Verständnis bitten müssen, weil wir nicht jedes ausländerrechtliche Problem sofort lösen können.“

Die zeitweise Schließung der Ausländerbehörde – sie soll weiter aufgestockt werden – wird den Mitarbeitern ein wenig Luft verschaffen, um die wichtigsten Altlasten aufzuarbeiten. Gut möglich aber, dass dieser Zeitgewinn am Ende nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Denn der Kreis räumt freimütig ein: „Sämtliche Rückstände in Ausländerbehörde abzuarbeiten, wird Monate dauern.“

Solange der Zustrom an Asylsuchenden anhält, und das ist nach Auskunft des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten in Schleswig-Holstein nach wie vor der Fall, wird es wohl Probleme geben. Dennoch soll eine Behörden-Schließung die Ausnahme bleiben: „Dies ist das erste und hoffentlich auch das letzte Mal, dass der Kreis Nordfriesland eine Organisationseinheit für zwei Wochen schließen muss. Ich bitte alle Betroffenen um Verständnis, denn wenn wir die Rückstände jetzt nicht aufarbeiten, wächst uns die Situation bald über den Kopf“, erklärt Landrat Dieter Harrsen.

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