Austausch : Zu Gast im fremden Land

Eine Husumer Schülerin sucht Familien in Nordfriesland aus, die Austauschschüler aus aller Welt aufnehmen.

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27. Februar 2013, 09:17 Uhr

Husum/Ipernstedt/Vieremä | Was denken ausländische Schüler, wenn sie nach Deutschland kommen? Dass alle hier pünktlich zum Unterricht erscheinen? Und dass alle mehr Disziplin bei ihren Hausaufgaben aufbringen als in anderen Ländern? Die Antworten sind sicherlich höchst unterschiedlich - und wenn das jemand genauer weiß, wäre das wohl Lena Thiessen. Die 18-jährige Gymnasiastin der Hermann-Tast-Schule ist Komitee-Koordinatorin beim American Field Service (AFS) und bringt in dieser Funktion Gaststudenten in deutschen Familien unter.

"Es ist eine hektische Zeit momentan, denn unserem Verband fehlen 40 Gastfamilien", sagt Lena. Bedarf bestehe zwar immer, aber in der nächsten Zeit könne "es richtig eng" werden. Sie arbeitet ehrenamtlich bei der gemeinnützigen internationalen Einrichtung, die Schülern und Studenten aus der ganzen Welt Möglichkeiten zum Austausch in ein fremdes Land bietet. Jede Nation hat ihren eigenen Verband, der in regionale Komitees unterteilt ist. Und Lena ist derzeit im Kieler Komitee, das Schleswig-Holstein repräsentiert, für den Bereich "Sydslesvig" verantwortlich. Ihre Hauptaufgabe ist es, geeignete Gastfamilien in ihrem Bezirk zu finden, die ausländische Schüler für sechs oder zwölf Monate aufnehmen können. Dafür studiert sie die Profile der Bewerber und führt sogenannte Home-Interviews durch, bei denen sie sich einen Überblick über den Haushalt schafft.

"Grundsätzlich ist jede Familie geeignet", sagt Lena. Doch einige Kriterien müssten schon erfüllt sein: So dürfe es innerhalb der Familie nicht kriseln und ein ländlicher Wohnort keine Nachteile bringen. Und die wirtschaftlichen Voraussetzungen müssen schon bei der Anmeldung stimmen. Ihre eigene Familie in Ipernstedt hatte sich diesen Kriterien ebenfalls unterwerfen müssen, als sie Juliana aus Kolumbien aufnahm.

Ihr eigenes Austausch-Abenteuer erlebte Lena in Finnland, wo sie ein ganzes Jahr verbrachte. "Eigentlich wollten meine Eltern, dass ich in ein englischsprachiges Land gehe", erzählt die rothaarige HTS-Schülerin. Doch als sie herausfand, dass ihre Lieblingsband "Nightwish" aus Finnland kommt, war die Entscheidung gefallen. Und so landete Lena im finnischen Vieremä, zwei Stunden vom Skisprung-Ort Kuopio entfernt. "Man fühlt sich zunächst einmal total auf sich allein gestellt, aber die Erfahrung ist es wert", findet sie.

Das gilt auch für die Jugendlichen, die im Austausch nach Deutschland kommen. "Sie müssen lernen, sich ein eigenes Bild zu machen." Das fängt schon beim Essen an: Die meisten fänden etwa die deutschen Vorlieben beim Thema Brot seltsam und würden eher Gurken oder ähnliches statt Fleisch oder Käse als Aufschnitt wählen. "Doch im Prinzip sind alle sehr aufgeschlossen", so Lena weiter. Das sei auch wichtig, denn schüchterne oder unsichere Menschen seien für einen Austausch nicht so geeignet. Sie selbst sei mit ihrer Gastfamilie sehr gut zurechtgekommen. Und die sei jetzt sogar über Ostern zu Besuch in Schleswig-Holstein. "Finnland ist mir inzwischen sehr ans Herz gewachsen", sagt Lena. Die 18-Jährige plant auch schon ein Auslandssemester im Studium dort. Davor steht aber noch das Abitur im Sommer 2014. Und bis dahin werde ich auch noch im Komitee sitzen", kündigt sie an.

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