Nach dem Verhandlungspoker : Zorn über Aus für Max Bahr: Gesund zu sein genügt nicht

Schnell noch Parkett geholt:  Kundin Martina Ahrendt bedauert die jüngste Entwicklung bei Max Bahr.
Schnell noch Parkett geholt: Kundin Martina Ahrendt bedauert die jüngste Entwicklung bei Max Bahr.

Das Entsetzen über die gescheiterte Übernahme von Max Bahr ist groß. Sowohl Mitarbeiter als auch Kunden hätten sich einen anderen Ausgang des Verhandlungspokers gewünscht. Die Kunden fragen bereits nach Rabatten.

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19. November 2013, 07:00 Uhr

„Trotz Umbau – auf unseren Service müssen sie nicht verzichten.“ Das steht auf einem Plakat vor dem Husumer Max-Bahr-Markt zu lesen. Angesichts der Entwicklung vom Wochenende wirkt dieser Hinweis allerdings wie blanker Hohn.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Nachdem die monatelangen Verhandlungen um eine Übernahme der Baumarktkette, die Teil des insolventen Praktiker-Konzerns ist, am Freitag gescheitert waren (wir berichteten, herrscht in der Straße Am Buschkamp blankes Entsetzen. „Die Stimmung ist im Keller“, beschreibt ein Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden will, die Lage. „Wir schreiben hier schwarze Zahlen und müssen trotzdem dran glauben.“

Den Schuldigen für das Desaster haben er und die 30 Kolleginnen und Kollegen am Husumer Standort auch schon ausgemacht: die Royal Bank of Scotland. Sie steht hinter der Gesellschaft Moor Park, die Hauptvermieter von 66 der insgesamt 73 Max-Bahr-Märkte ist und im Falle der Übernahme durch das Dortmunder Unternehmen Hellweg eine Mietbürgschaft von mehreren hundert Millionen Euro gefordert hatte. An diesem Punkt zog das Konsortium die Reißleine – obgleich der Gläubiger-Ausschuss dem Transfer bereits zugestimmt hatte.

„Die Royal Bank of Scotland – eine staatlich finanzierte Bank – fährt uns also an die Wand“, fasst der Mitarbeiter die Situation erbost zusammen. Dabei schien die Rettung des 1879 gegründeten Unternehmens bereits in greifbarer Nähe zu sein. Und nicht nur die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) weist darauf hin, dass die Max-Bahr-Märkte – insbesondere im Vergleich zum insolventen Praktiker-Konzern, von dem sie übernommen wurden, „richtig gut dastehen. In Husum werden jedenfalls schwarze Zahlen geschrieben“, sagt der örtliche Ver.di-Vertreter Winfried Lunow und fühlt sich an das Aus von Hertie erinnert.

Für die hiesigen Mitarbeiter ist die Sache daher auch doppelt bitter. „Wir können nur noch im Zentrallager bestellen und verkaufen, was in den Regalen liegt“, sagt der Mitarbeiter. „Und seit Sonnabend rennen uns die Leute die Bude ein und fragen nach Rabatten.“ Leichenschmaus im Baumarkt. Wann es damit tatsächlich losgeht, weiß derzeit – wenn überhaupt – wohl nur Insolvenzverwalter Jens-Sören Schröder.

Bis zur Abwicklung würden die Gehälter zwar noch gezählt, „aber wie es danach weitergeht, weiß keiner“, sagt der Husumer Bahr-Mitarbeiter. Kein Wunder, dass sich einige Kollegen bereits nach einer neuen Beschäftigung umschauen, während andere – frei nach dem Motto „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ – noch abwarten.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer vermittelt eine sperrige Erklärung der Hamburger Pressestelle des Unternehmens: „Ziel von Insolvenzverwalter und Vermieter ist es jetzt, nach einem Abverkauf der Max-Bahr-Warenbestände, der in Kürze beginnen wird, durch Standortlösungen möglichst viele Märkte mit den zugehörigen Arbeitsplätzen zu erhalten“, gab Pressesprecherin Simone Naujoks gestern auf Anfrage unserer Zeitung zu verstehen. Dazu lägen für zahlreiche Standorte auch schon Interessensbekundungen von namhaften Unternehmen aus der deutschen Baumarkt-Branche vor. Ob das auch für den erst 2006 eröffneten Markt in Husum gilt, ließ sie offen.

Für viele Kunden kam die schlechte Nachricht völlig überraschend. „Ich hatte wirklich gehofft, dass Max Bahr erhalten bleibt“, sagt Cerstin Johannsen aus Friedrichstadt. Allerdings habe sie schon das Gefühl, dass Husum mit Baumärkten reich gesegnet sei. In erste Linie denkt sie jedoch an die Beschäftigten, „die wochenlang gehofft haben, und nun kurz vor Weihnachten vielleicht vor einem Scherbenaufen stehen“.

Auch Martina Ahrendt aus Husum bedauert die jüngste Entwicklung. „Wir bauen derzeit unser Dachgeschoss aus, und die nötige Ware bekommen wir nur hier.“ Deshalb habe sie sich entschlossen, schnell das restliche Parkett einzukaufen, bevor es womöglich zu spät sei.

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