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Circus Carl Busch in Husum : Zirkus-Elefanten sorgen für heiße Debatten

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Circus Carl Busch setzt seine Tour fort - und wird stets von Demonstranten erwartet, die die Haltung der Elefanten kritisieren. In Husum sollen die Tierschützer ferngehalten werden.

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erstellt am 05.Aug.2013 | 07:46 Uhr

husum | Seit Freitag laufen Elefanten, Pferde und Kamele über den Platz am Nordsee Congress Centrum (NCC) in Husum - der international bekannte Circus Carl Busch ist in der Stadt. Am Sonnabend feiert der Tross seine Premiere in Husum, und das Zirkuspersonal hofft, dass sie ohne Probleme verläuft. Denn der Zirkus ist schon seit Jahren im Visier verschiedener Tierschutzorganisationen. Sein Programm bietet aber weitaus mehr als exotische Tiere.
Zum Beispiel besitzt der Zirkus eine der letzten wahren Clown-Formationen. Die drei Männer der Tonito-Truppe aus Spanien sorgen mit ihrem einstudierten Konzept aus Missverständnissen, Dusseligkeit und Situationskomik für Spaß bei Groß und Klein. Sicherlich interessant ist auch die Darbietung der osteuropäischen Opernsängerin Alexandra Gerbey, die in der 22 Meter hohen Zeltkuppel an seidenen Tüchern hängt und eine Arie aus der weltbekannten Bellini-Oper "Lucia di Lammermoor" zum Besten gibt. Neben den Akrobaten und einem Jongleur präsentiert das mobile Theater auch den Drahtseilkünstler Jose Munoz, dessen Rückwärtssalto auf dem Silberdraht als "absolute Welt-Sensation" angepriesen wird.

Stockhiebe gegen Elefantendame

Natürlich gibt es aber auch Pferde, Kamele, Tiger und Elefanten zu sehen. Die grauen Riesen stehen dabei im Mittelpunkt der heißen Debatte mit den Tierschützern. Im Internet führt die Tierrechtsorganisation Peta eine Historie auf, die bis 1996 zurückreicht. Darunter finden sich auch Anschuldigungen zur Misshandlung, die mit Amateurvideos unterlegt sind. Darauf sind die Elefanten zu sehen. Ein Video soll zeigen, wie ein Pfleger einen der Elefanten mit Hilfe eines Stockes zurück in sein Außengehege treibt.
Das Mitführen der Dickhäuter wird von Peta besonders stark kritisiert. "Unser Ziel ist die Beschlagnahmung der Elefanten", erklärt Peter Höffken, Wildtierexperte bei Peta. Er begründet das mit einer Nichteinhaltung der Zirkusleitlinien, die den Umgang mit Zirkustieren vorschreiben. "Wir halten uns aber strikt an die Vorgaben des Gesetzgebers", versichert Zirkussprecher Reto Hütter. Die beiden Elefanten hätten ein Außengehege mit viel Sand, genügend Wasser, Äste zum Spielen und einen Kratzbaum. Hinzu käme die Anforderung von mindestens 100 Quadratmetern Auslauf pro Tier. Wildtierexperte Höffken sagt, dass die Leitlinien eine Fläche von 250 Quadratmetern vorschreiben.

"Wir haben nichts gegen friedliche Proteste"

In den Leitlinien, die im Internet abrufbar sind, ist allerdings nur von "mindestens 100 Quadratmetern für ein bis drei Tiere und zusätzlich 20 Quadratmetern für jedes weitere Tier" die Rede. Allerdings seien die Leitlinien derzeit schon wieder in Bearbeitung, berichtet Höffken. Ein neuer Katalog könne im kommenden Jahr erscheinen, meint der Tierschützer. "Wenn sich die Vorschriften ändern, setzen wie diese Vorgaben natürlich auch um", hält Zirkussprecher Hütter dagegen. Schließlich müsse man sich ja nur nach dem Gesetzgeber richten, was bisher immer geschehen sei. Aber auch Tierschützer haben den Zirkus schon zu Reaktionen bewegt. So sei der Tierpfleger aus dem Amateurvideo entlassen worden.
Die Art und Weise der Beschwerden und Proteste verärgert Hütter aber schon ein wenig: "Alle Dinge, die extrem sind, gefallen mir nicht. Wir haben nichts gegen friedliche Proteste, aber man muss der anderen Seite auch entgegenkommen", findet der Pressesprecher. Schließlich hätte die Amtsveteränerin am vorigen Standort in Heide, die Hütter als "Koryphäe" bezeichnet, den Tieren beste Gesundheit und dem Zirkus optimale Bedingungen zur Haltung bescheinigt. Peta-Experte Höffken hält die Meinung der Tierärztin aus Heide allerdings für unqualifiziert.

Zirkusgäste beleidigt

Ähnliche Gedanken hatten wohl auch die zirka 30 Protestler, die während des Gastspiels des Zirkusses in Itzehoe Anfang Juli vor dem Eingang des Zeltes demonstrierten. "Dabei haben sie auch unsere Gäste beleidigt. Das geht wirklich nicht", meint Hütter. Niemand solle sich für seinen Besuch rechtfertigen müssen. In Husum habe sich der Zirkus nun mit NCC-Geschäftsführer Peter Becker darauf geeinigt, keine Demonstranten auf das Zirkusgelände zu lassen. Außerhalb der Ausstellungsfläche könne aber jeder seine Meinung friedlich kundtun.
Der Zirkus gastiert noch bis Montag in der Stadt und zieht im Anschluss weiter nach Schleswig, Rendsburg und Neumünster. Für die Tiere wird dabei immer sichergestellt, dass die Gehege bereits einzugsfähig sind, wenn ihr Transporter den Spielort erreicht, sagt Hütter. Auch in Husum liefen die beiden Elefanten Karla und Machibi schon in ihrem Außengehege herum, bevor überhaupt das Zirkuszelt aufgebaut wurde. "Wir planen unsere Tournee ja auch nach den Bedürfnissen unserer Tiere", erklärt Hütter. Bei der Premiere wird dann aber alles bereit sein, um bis zu 1500 Zuschauern eine zweieinhalbstündige Show zu bieten.

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