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Energiewende-Initiative : Ziel: Weniger Windstrom vergeuden

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Windstrom sinnvoll nutzen: „Zuschaltbare Lasten“ heißt eine Initiative der Landesregierung. Sie wurde im Westküstenbeirat vorgestellt.

An der Westküste soll weniger Windstrom durch zwangsweise Abschaltung von Anlagen vergeudet werden. Dieses Ziel wurde auf der neunten Tagung des Westküstenbeirats deutlich, die im Green-Tec-Campus in Enge-Sande stattfand. Dazu legte das Land Schleswig-Holstein ein neues Konzept vor. „Zuschaltbare Lasten“ heißt das Zauberwort, wobei „Lasten“ in diesem Fall für „bisher nicht nutzbaren Strom“ steht. „Es sollen in Zukunft bei Netzengpässen Wärme-, Industrie- und Speicheranlagen zugeschaltet statt Windanlagen abgeschaltet werden“, erläuterte Energiewende-Staatssekretärin Dr. Ingrid Nestle. Das sei gerade an der Westküste interessant, weil hier das Stromangebot groß sei und es besonderes in den Industrieschwerpunkten Brunsbüttel und Hamburg große Verbraucherbedarfe gebe.

Wie Nestle weiter sagte, sei ein zügiger Netzausbau entscheidend und mache insbesondere durch den Bau der Westküstenleitung Fortschritte – der erste Abschnitt sei in Angriff genommen worden. „Gänzlich verschwinden werden die Abregelungen in den kommenden Jahren aber noch nicht, weil der Netzausbau in den anderen Bundesländern nur schleppend vorankommt“, so Nestle mit Blick auf die noch fehlende Gleichstromverbindung „Süd.Link“ nach Süddeutschland.

Schleswig-Holstein als ganzes Land hinter einem Netzengpass? Hier soll das neue Konzept greifen, das Nestle zufolge künftig auch gesetzlich geregelt werden müsse. Die zuschaltbaren Lasten gibt es selbstverständlich nicht umsonst, allerdings: „Der Markt soll entscheiden, was er dafür bezahlt.“ Durch Auktionen für Netzbetreiber könnten so laut Nestle EEG-Umlage und Netzentgelte für die Verbraucher gesenkt werden. Anstatt etwa Windkraftanlagen vor dem Netzengpass abzuschalten, gebe es Möglichkeiten, den Strom sinnvoll zu nutzen und die Flexibilität des Netzes zu erhöhen. Durch die Umwandlung von Strom in Wärme, Wasserstoff, Elektromobilität und vieles mehr könnten Lasten zugeschaltet werden.

Konkrete Entwicklungen zum Beispiel für grüne Wasserstoffprojekte gebe es bereits, ergänzte Wirtschafts-Staatssekretär Dr. Frank Nägele. So liefen etwa Planungen, den Bahnverkehr zwischen Niebüll und dem dänischen Esbjerg mit wasserstoff-getriebenen Lokomotiven voranzutreiben – „und zwar mit Wasserstoff aus diesem Strom der zuschaltbaren Lasten“.

Seit knapp drei Jahren gibt es den Westküstenbeirat. Im Rückblick erinnerte Nägele an die finanzielle Förderung der Zusammenarbeit der Kreise an der Westküste. Unter anderem sei ein Konzept für den Aufbau eines Netzes von E-Mobil-Aufladestationen gefertigt worden und darüber hinaus seien die Weichen für einen besseren Technologietransfer zwischen Unternehmen sowie Hochschul- und Forschungseinrichtungen gestellt worden.

Vor dem Hintergrund des steigenden Fachkräftebedarfs verwies Nägele auf die Einrichtung einer Praktikantenbörse sowie die Verabschiedung eines gemeinsamen Gewerbeflächenleitfadens. „Aus einem EU-Sonderprogramm stehen der Region in den kommenden Jahren rund 30 Millionen Euro zur Verfügung, die unter anderem in die Tourismus- und Energiekompetenzregion Westküste investiert werden können – wir haben also kraftvolle Perspektiven.“ Mit Blick auf die Bewerbungen um Geld aus dem EU-Sonderprogramm Integrierte Territoriale Investition (ITI) kündigte Nägele an, dass der Westküstenbeirat noch vor den Sommerferien über Projekte entscheiden werde. „Wir haben Anträge vorliegen, die insgesamt 200 Millionen an der Westküste bewegen werden.“ Der Wind sei das neue Gold der Westküste. „Ziel ist es, das mit wirtschaftlicher Entwicklung zu verbinden.“ Gerade mit Blick auf Innovation und Technologietransfer gebe es in Nordfriesland viele „hidden Champions“ (heimliche Gewinner), die sehr erfolgreich seien.

Als ein Beispiel nannte Nägele den Gastgeber für die neunte Sitzung des Gremiums, den Green-Tec-Campus des „Offshore-Trainings- und Entwicklungs-Clusters“ (Offtec) in Enge-Sande. Hier konnten sich die Mitglieder des Beirats selbst ein Bild von der Innovationsfähigkeit vor Ort machen, sind hier doch Unternehmen aus dem Bereich der regenerativen Energie sowie Sicherheits- und Rettungstrainings für Beschäftigte auf Offshore-Windanlagen angesiedelt.

Konzertierte Strategie

Der Westküstenbeirat wurde im Februar 2013 von der Landesregierung im Rahmen ihrer Westküsten-Initiative ins Leben gerufen. Das Gremium bilden derzeit rund 40 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung der Kreise Nordfriesland, Dithmarschen, Steinburg und Pinneberg (für Helgoland). Die Strategie besteht in einer engen Kooperation mit den regionalen Akteuren vor Ort kombiniert mit einem gezielten Mitteleinsatz.

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