Neues Husumer Kochbuch : Zeremonienmeister am Herd

Vier Freunde und ein Buch: Klaus Thiem, Gisela Mott, Reinhard Scheuble und Heiner Egge (v. l.).
Vier Freunde und ein Buch: Klaus Thiem, Gisela Mott, Reinhard Scheuble und Heiner Egge (v. l.).

Kunstbuchverleger Reinhard Scheuble hat mit Klaus Thiem von Hartmanns Landküche ein etwas anderes Kochbuch herausgebracht.

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02. Juni 2018, 21:00 Uhr

„Anfangs war Klausi irgendwie schüchterner“, erinnern sich Gisela Mott und Reinhard Scheuble. Aber das hat er abgelegt. In seinem Restaurant, Hartmanns Landküche auf der Unteren Neustadt, ist Klaus Thiem der Boss, auch wenn er bisweilen eher wie ein ungelenker Zeremonienmeister daherkommt. Geradezu Kult sein „So, hör zu . . .“, wenn er aus der offenen Küche auf seine Gäste zusteuert und erklärt, was heute auf den Tisch kommt. Denn das entscheidet er – der Koch. „Und jetzt kommst Du“, würde Thiem an dieser Stelle vermutlich sagen.

Wie auch immer: Zu kurz ist in Hartmanns Landküche noch niemand gekommen. Dabei ist die Auswahl durchaus übersichtlich. Aber auch der größte Bauch hat bekanntlich endliche Kapazitäten. Und vor allem ihm überlässt es Thiem, was vom Hamburger Großmarkt den Weg nach Husum, in seine Küche findet. Für Abwechslung ist trotzdem gesorgt.

Und wem das alles nicht reicht, der kann sich „Klausi“ jetzt auch in Buchform nach Hause holen. Reinhard Scheuble sei Dank. Der ist Kunstbuchdrucker und liebt gutes Essen. In „Gemalt – Gekocht – Gegessen“, dem zweiten Kochbuch, das er in der Witzworter Quetsche (in bislang größter Auflage von 2000 Exemplaren) produziert hat, bringt er beides zusammen.

Im Mittelpunkt steht dabei natürlich der Koch, dem er für das großformatige und aufwendig gestaltete Werk nicht weniger als 54 Kochrezepte entlocken konnte. Doch Scheuble wäre nicht Scheuble, wenn er ihn diese einfach nur hätte aufschreiben lassen. „Wir fanden, in den Texten muss sich wiederfinden, was Leute erleben, wenn sie Klaus leibhaftig über den Weg laufen“, sagt der Herr der Bücher. Also bat er den Freund, seine Rezepte auf Band zu sprechen und ließ sie danach verschriften, „möglichst nah am Original, auch wenn das nicht immer ganz einfach war.“ Denn ähnlich wie Tim Melzer redet auch Klaus Thiem, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. „Da gab es einiges zu glätten . . .“

Ein weiterer bekennender Klausianer, Autor Heiner Egge, beschreibt in Scheubles etwas anderem Kochbuch, wie Thiem nach einem super-stressigen Arbeitsleben als Ingenieur und zwei Herzinfarkten unversehens vor der Frage stand: Weitermachen wie bisher oder das Leben radikal ändern? Er entschied sich für letzteres und kehrte damit zugleich zu seinen Wurzeln zurück: Auf dem Lande aufgewachsen, folgte Thiem dem Lockruf von Obst, Gemüse und Gewürzen und einer Leidenschaft, die keine Leiden schafft – dem Kochen. „Was gibt es Schöneres“, entfährt es ihm wie aufs Stichwort, „als zu schauen, wie sich etwas entwickelt“. Manchmal fühle er sich wie ein Künstler, der am Ende des Tages betrachtet, was er gemacht hat. „Nur dass bei mir auch noch das Geschmackliche hinzukommt.“ „Und das Soziale“, fügt Scheuble an. Thiem stutzt kurz, dann klopft er sich lachend auf die Schenkel. „Ach, das meinst Du“, sagt er und schaut in seine Landküche hinein. Die steht voller langer Tische: „Essen in Gemeinschaft – das ist das Bindeglied für alles.“ Diese Freiheit nimmt er sich und gibt sie an die Gäste weiter, so wie er seine Rezepte als Anregungen versteht, „die jeder individuell weiterentwickeln kann“. Das Buch orientiert sich an den Jahreszeiten, denen Gisela Mott mit ihren Illustrationen und Collagen eine fünfte, künstlerische Jahreszeit und damit weit mehr als eine Prise Salz hinzugefügt hat.

„Klausi“ ist jedenfalls begeistert: „Ist doch geil geworden, oder?“, sagt er und bleibt auch bei der Fangfrage, was sein Lieblingsessen sei, ganz in seinem Element: „Ossobuco“, antwortet er, „aber auch frittierter Schwarzkohl. Und Spargel natürlich! Und Bigos. Schmorgurke nicht zu vergessen. Und . . .“

So könnte es ewig weitergehen.


Am Freitag, 8. Juni, lädt Thiem zum „Fest der Sinne“ in Hartmanns Landküche ein – ab 18 Uhr mit Buchvorstellung, Essen und Tanz.

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