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Fall vor Gericht : Zeltfest-Einnahmen mitgehen lassen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Diebstahl von 14.000 Euro auf dem Zeltfest-Gelände in Wittbek hatte nun ein Nachspiel vor dem Husumer Schöffengericht.

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2017 | 14:00 Uhr

Wer sich die falschen Kumpel sucht, landet schnell vor Gericht. Diese Erfahrung musste jetzt ein 44-jähriger Husumer machen. Das Schöffengericht in Husum wollte klären, ob er an einem Einbruch Anfang November 2016 auf dem Zeltfest-Gelände in Wittbek beteiligt war. Dort wurden 14  000 Euro gestohlen. Der Verdacht lag nahe, weil er zur Tatzeit einen Mitangeklagten in dessen Fahrzeug chauffiert hatte.

Schon länger kutschierte der Husumer nach seiner Aussage vor Gericht seinen Bekannten durchs Land, weil der keinen Führerschein mehr besaß. Als Gegenleistung hatte ihm der andere seinen silberfarbenen Audi A6 auch im Alltag überlassen. Sobald der Autobesitzer nach ihm rief, fuhr der 44-Jährige schon mal vor. Dieses Mal beorderte der Mitangeklagte seinen Fahrer zur Engelsburg in Schwesing. Als Ziel gab er das Zeltfest in Wittbek an. „Warte, ich komme gleich wieder“, soll er dort nur gesagt haben und Richtung Party gelaufen sein. Kurz darauf sei er wieder eingestiegen, doch nach ein paar Metern Richtung Ausfahrt habe er erneut „Halt, halt“ gerufen – und sei im Dunkel der Nacht verschwunden.

Wie alle diskreten Chauffeure habe der Husumer keine Fragen gestellt. Doch dann seien Mitarbeiter des Zeltfest-Teams an das Auto herangetreten und hätten ihm gesagt, es habe einen Überfall gegeben, die Polizei komme gleich und er solle sich nicht vom Fleck rühren.

Was inzwischen geschehen war, schilderte als Zeuge der Veranstalter, der bis heute Zeltfeste in Wittbek organisiert. Kurz nach ein Uhr sei in einem unbewachten Moment der Büro-Container auf dem Festgelände aufgebrochen worden. Nach Angaben des Zeugen wurden Einnahmen samt Wechselgeld gestohlen. Damit hatte sich der Mitangeklagte aber offensichtlich übernommen, weil aus einem Müllbeutel in seiner Hand die schweren Münzrollen herausschauten, als ihn Familienmitglieder auf seinem Weg zurück zum Auto erwischten. Der Audi-Besitzer erklärte noch, den Beutel „gerade gefunden“ zu haben, dann ging er im Gerangel mit den Mitarbeitern auch noch stiften. Die Kriminalpolizei fahndete öffentlich nach ihm – mit relativ genauer Beschreibung.

Die Polizei legte später dem Zeltfest-Veranstalter Fotos mehrerer Personen vor, unter denen er den Verdächtigen herausfand. Daher war der Mitangeklagte auch als Haupttäter zusammen mit dem Husumer vorgeladen. Doch zur Überraschung des Gerichts erschien er nicht und wird nun per Haftbefehl gesucht. Der Prozess gegen ihn wird getrennt stattfinden, sollte man seiner habhaft werden.

In der Verhandlung gegen den 44-Jährigen ging es einzig um die Frage, ob er vom Plan des anderen gewusst hat. Vieles sprach dagegen: die undurchsichtigen Anweisungen des Mannes an ihn und vor allem sein „kooperatives Verhalten“ am Tatort, wie es bereits die Polizei protokolliert hatte und auf das sein Verteidiger noch einmal ausdrücklich hinwies. Sein Chauffeur habe sich bereitwillig ausgewiesen und keinerlei Anstalten gemacht zu fliehen. Außerdem gab er dem mutmaßlichen Zeltfest-Dieb gleich nach der Tatnacht das Auto mitsamt Papieren und Schlüssel zurück. „Das war das letzte Mal, dass ich ihn gesehen habe.“

Folglich forderte sogar der Ankläger Freispruch – und prompt folgte das Gericht. Der Husumer hatte bislang eine saubere Weste, wie der Blick in sein Vorstrafenregister ergab. „Das soll auch so bleiben“, brachte die Richterin das Ergebnis auf den Punkt und betonte, dass die Staatskasse zudem die Kosten seines Rechtsanwalts übernehmen werde.

Im Rückblick trennten den 44-Jährigen auf dem Zeltfestgelände nur ein paar Meter von einer viel komplizierteren Verhandlung. Wäre der Mitangeklagte mit der kompletten Beute etwa schon eingestiegen und wären sie davongefahren, hätte der Verdacht der Kumpanei sehr viel schwerer auf ihm gelastet.

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