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Theater im Koffer : Zauberhaftes Puppenspiel mitten in Garding

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Marianne Vocke ist bei ihren Aufführungen alles in einer Person: Kostüm-, Bühnen und Maskenbildnerin, Kartenverkäuferin und Regisseurin. Seit 1993 führt sie in ihrem Haus Schauspiele und Opern auf – ihre Hauptdarsteller sind Stabpuppen.

„Lessing verfolgt mich schon lange“, erzählt Marianne Vocke, während sie vor einer der selbstgebauten Bühnen in ihrem urigen Haus am Mückenberg in Garding steht. Dort ist die Kulisse für die Aufführung von „Die Ringparabel“ nach dem Schauspiel „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing aufgebaut, das am Karfreitag ab 20 Uhr im Märchen- und Gartentheater zu sehen ist. Eine zweite Bühne befindet sich am anderen Ende des Hauses. Hier ist gerade ein anderes Theaterstück aufgebaut, im Hintergrund sieht man die liebevoll selbstbemalte Leinwand-Kulisse. Überall im Haus befinden sich Requisiten, Farben, Textvorlagen, CDs mit klassischer Musik und winzig kleine Kostüme. Wem sollen die passen?

Sie gehören zu den unzähligen kleinen und größeren Stabpuppen, die sich wie Freunde um Marianne Vocke versammeln. Alle hat sie selbstgebaut und genäht, mit vielen kleinen Details, naturgetreuen Gesichtern und in authentischen Gewändern. Der Anspruch, den sie an sich und an das Stück hat, ist groß. Märchen für Kinder, Theaterstücke und Opern gehören in ihr Repertoire: die Entführung aus dem Serail, die Zauberflöte, Kalif Storch und viele andere. Die Puppen werden jeweils passend zu den Stücken von ihr hergestellt. Untermalt werden die Aufführungen mit klassischer Musik, die sie so auswählt, dass auch ungeübte Hörer eine Gänsehaut bekommen. Spätestens jedoch, wenn sie während der Vorstellung die Beleuchtung dimmt, und dann die Scherenschnitte in Szene setzt, beginnt der großartige Zauber ihres Märchentheaters. Und noch eine Besonderheit überwältigt beim Zuschauen. Sie spielt sämtliche Figuren selbst, öffnet und schließt den Vorhang und organisiert die gesamte Vorstellung.

Marianne Vocke hält nacheinander erst die Hexe, dann eine Maus, dann die Figur eines Mannes in den Händen. Dazu spricht sie mit der jeweiligen Stimme der Puppe – mal krächzend oder piepsig hoch, dann wieder tief brummend. Ihre Stimme muss sie jetzt schonen, früher war sie Opernsängerin und Schauspielerin und stand auf großen Bühnen. Während sie erzählt, wird deutlich, dass sie stimmlich ausgebildet wurde. Sie spricht sehr artikuliert, und das nicht nur im Deutschen. Die französische Sprache ist ihr mehr als geläufig, denn sie lebte 17 Jahre in Lausanne in der Schweiz.

Ihre Märchentheaterstücke werden durchaus auch in andere Sprachen übersetzt, dann spricht sie eben den Text auf italienisch. Schließlich sollen es alle verstehen können auf ihren Tourneen im europäischen Ausland. Dort spielt sie dann mit ihren kleinen, portablen Theaterbühnen bei Festen, Familienfeiern oder in Schulen. Alles, was zur Aufführung gehört, wird in ein bis zwei Koffern verstaut.

Die Inszenierung ihres neuen Stücks ging ihr zügig von der Hand. „Nathan der Weise“ ist ein klassisches Schauspiel aus der Zeit der Aufklärung, es wurde 1783 in Berlin uraufgeführt. Dennoch bleibt seine Thematik brandaktuell. Es geht um die Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam, um Humanismus, Toleranz und Aufklärung. In Lausanne fand Marianne Vocke einmal eine für Kinder aufbereitete Ausgabe dieses Werks von Lessing. „Ich hab’ da den Nathan erst richtig kapiert“, gesteht sie lachend. Der übernimmt ja auch eine besondere Rolle. In dem Gleichnis, das Nathan dem Sultan erzählt, geht es um einen Vater, der traditionell seinen Ring an den Sohn vererbt. Der Ring soll vor Gott und den Menschen angenehm machen. Nun hat er aber drei Söhne und so stellt er kurzerhand Duplikate her, um alle gleich zu behandeln. Auf der Suche nach dem wahren Ring, beteuert der Richter, keiner sei echt. Alle sollten glauben, ihrer sei es und danach leben. Drei Söhne, drei Religionen, und der Richter heißt Nathan.

Außerdem zeigt Marianne Vocke über die Feiertage noch zwei weitere Theaterstücke: Heute und am Donnerstag (17.), jeweils ab 16 Uhr, „Der Osterbraten“, und am Ostersonntag (20.) und Dienstag (22.) „De Fischer un sien Fru“, jeweils ab 16 Uhr, im Theater am Mückenberg 6. Anmeldungen erbeten unter Telefon 04862/17186.

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