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Husumer Nachrichten

24. September 2017 | 01:47 Uhr

Tönning : Zankapfel Schülerbeförderung

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Dithmarscher Eltern müssen die Busfahrt ihrer Kinder nach Tönning selbst bezahlen. Sie fühlen sich von ihrer Kreisverwaltung in der freien Schulwahl behindert.

von
erstellt am 22.Mai.2016 | 08:00 Uhr

Welche Tücken die freie Schulwahl hat und dass sie an einer Kreisgrenze zum Papiertiger werden kann, das macht das Beispiel Eider-Treene-Schule in Tönning deutlich. Viele Dithmarscher aus dem Raum Lunden müssen sich sogar fragen, ob die freie Schulwahl nur Besserverdienenden offensteht. Seit der Schließung der Gemeinschaftsschule in Lunden, einer Außenstelle der Einrichtung in Hennstedt, im vergangenen Sommer schicken viele Eltern ihre Kinder nach Tönning. Doch die Beförderung müssen sie aus eigener Tasche bezahlen. Derzeit sind das 45 Euro pro Kind und Monat. Der Kreis Dithmarschen lehnt eine Erstattung mit dem Hinweis auf das Schulgesetz und finanzielle Aspekte ab. Einer der Betroffenen ist Dirk Richter aus Rehm-Flehde-Bargen. Vom nächsten Schuljahr an gehen seine beiden Töchter nach Tönning, dann werden 90 Euro im Monat fällig. Er fordert mit anderen Eltern seit dem vergangenen Jahr eine bedarfsgerechte Busverbindung nach Tönning. Es gibt zwar schon eine Buslinie von Heide über Lunden in die Eider-Stadt, doch ist sie mit den Schulzeiten nicht kompatibel.

Der Kreis Dithmarschen hat dieses Ansinnen bisher abgelehnt, und wird darin auch vom Bildungsministerium in Kiel unterstützt. Im Februar hieß es dazu in der Sitzung des Schulausschusses, dass grundsätzlich kein Rechtsanspruch auf kostenlose Schülerbeförderung oder eine bedarfsgerechte ÖPNV-Anbindung bestehe. Sie wäre eine freiwillige Leistung des Kreises, doch dieser sei wegen seiner Haushaltslage zum sparsamen Wirtschaften gezwungen. Eine Anpassung des Fahrplans für die Strecke Heide-Tönning würde den Kreis rund 47.000 Euro kosten. Zudem müssten die Gemeinden, aus denen Schüler kommen, rund 2000 Euro als Schulbeitrag pro Kind und Jahr nach Tönning überweisen. Das sei nicht zumutbar. Ferner fürchte der Kreis eine Präzedenzwirkung, hieß es aus Heide auf Anfrage. Ein Elternpaar klagt nun gegen die Ablehnung ihres Antrags vor dem Verwaltungsgericht.

Derzeit übernehmen zwei Busse der Stadt Tönning als Schulträgerin den Transport, die eigens dafür angeschafft worden sind. Die Stadt freut sich natürlich über die rund 120 neuen Schüler. Seinerzeit wurde allerdings in der Stadtvertretung heftig über die Anschaffung eines nun notwendig gewordenen zweiten Busses diskutiert, der dann mit Mehrheit letztlich beschlossen wurde. Der Kreis Nordfriesland hatte zur Auflage gemacht, dass der Betrieb nicht defizitär sein dürfe, wie Bürgermeisterin Dorothe Klömmer erklärt. Sie betont: „Es war nie unser Bestreben, eine eigene Buslinie auf die Beine zu stellen, weil wir nicht Träger der Schülerbeförderung sind.“ Die Stadt habe sich in dieser Angelegenheit mehrfach an den Kreis Dithmarschen gewandt und werde die Eltern weiter unterstützen.

Dirk Richter findet das Verhalten des Kreises widersinnig. Denn die Schülerbeförderung nach Friedrichstadt und Husum, also über die Kreisgrenze hinweg, übernehme der Kreis anteilig oder sogar ganz, da eine ÖPNV-Anbindung besteht: Die Kinder können die Bahn benutzen. Er versteht auch nicht, warum die Eltern jetzt unter der Schließung von Lunden finanziell leiden sollen, schließlich wäre die Abwanderung dort durch Schulträger und -leitung zu verantworten gewesen.

Nun solle es ein Gespräch mit den Landräten von Dithmarschen und Nordfriesland geben, so Richter weiter. Hoffnung setzt er auch in die jährliche Überprüfung der Auslastung der Buslinien. „Denn der Bedarf ist ja da, die Zeiten müssen nur geändert werden.“

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