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Bilanz vom Weissen Ring : Zahl der sexuellen Übergriffe steigt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Weissen Rings Nordfriesland helfen rund 100 Kriminalitätsopfern in mehr als 3500 Stunden.

Das erste Treffen fand auf einem Supermarkt-Parkplatz statt. Katrin B. (Name geändert) und ihr Sohn baten Ulrike Lemke um Hilfe. Lemke ist Außenstellenleiterin des Weissen Rings Nordfriesland-Süd und kann sich noch daran erinnern. Ein Treffen im Auto, weil sich B. in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher fühlte – beobachtet, verfolgt und abgehört. Ulrike Lemke schildert nur einen von insgesamt 45 Fällen, in denen sie und ihre zehn ehrenamtlichen Mitarbeiter im vergangenen Jahr um Unterstützung und Rat gefragt wurden. Sie und ihr Team helfen Kriminalitätsopfern im südlichen Nordfriesland – zwischen Eiderstedt und Bohmstedt. Rund 1.500 Stunden hat sich die Tönningerin notiert.

Den Norden des Kreises bis zur dänischen Grenze mit den Inseln und Halligen betreut Susanne Borrett. Sie wird von fünf Mitarbeitern unterstützt und war im vorigen Jahr nicht weniger als 2.068 Stunden für den Opferschutz tätig – in 50 Fällen.

Sexueller Missbrauch, häusliche Gewalt, Körperverletzung, Stalking gehören zum täglichen Brot des Weissen Rings. „Nicht jeder kann diese Arbeit leisten“, sagt Susanne Borrett. Sie musste sich im vergangenen Jahr von einem Mitarbeiter trennen, der dieser anspruchsvollen und psychologischen Aufgabenstellung nicht gewachsen war. „Unsere Fälle sind oftmals sehr belastend“.

„Wir sind keine Psychologen“, betont Ulrike Lemke. Die Tönningerin weiß aber ebenso wie ihre Bordelumer Kollegin, wie sie Kriminalitätsopfern helfen kann. „Wir fungieren als Lotsen und nehmen unsere Klienten an die Hand.“

Beide Frauen wissen: Nach einer Straftat gilt das Interesse meist nur dem Tatgeschehen und dem Täter. „An das betroffene Opfer und seine Situation wird noch immer viel zu wenig gedacht“, sagt Ulrike Lemke.

Deshalb steht der menschliche Beistand und die persönliche Betreuung im Vordergrund der Arbeit des Weissen Rings. Beginnend mit der Begleitung zu Terminen bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht über die Hilfestellung im Umgang mit Behörden und der Vermittlung von Hilfen anderer Organisationen. Zudem werden Hilfeschecks für anwaltliche und traumapsychologische Erstberatungen ausgestellt oder finanzielle Soforthilfe geleistet.

In 75 Prozent aller Fälle nehmen Frauen die Hilfe des Weissen Rings in Anspruch. Neben Stalking hat in zurückliegender Zeit besonders der sexuelle Missbrauch zugenommen. „Es wird vermehrt angezeigt. Und auch die Schamgrenze, unsere Hilfe anzunehmen wird geringer“, sagt Ulrike Lemke. Dennoch: Die Dunkelziffer ist hoch. „Es gibt noch immer zu viele Opfer, die sich nicht trauen, uns anzurufen“, bedauert Susanne Borrett.

Aus diesem Grund wird mit vielfältigen Aktionen für den Weissen Ring geworben. So demnächst auch am Tag der Kriminalitätsopfer am 20. März mit Brötchentüten. „Nach solchen Aktionen melden sich immer viele Opfer“, sagt Rolf Johannsen. Er muss es wissen, denn schließlich war er zehn Jahre lang Außenstellenleiter des Weissen Rings in Nordfriesland.

 

Kontakt zu den Leiterinnen der Außenstellen Nordfriesland: Ulrike Lemke, Telefon 04861/6176543, und Susanne Borrett, Telefon 04671/9273863.

 

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erstellt am 17.Mär.2015 | 17:00 Uhr

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