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Wichtige Weichenstellung : Zähes Ringen um Nationalpark

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Wie soll der Nationalpark Wattenmeer weiterentwickelt werden? Diese Frage beschäftigt Nordfrieslands Nationalpark-Kuratorium. Die Krabben- und Muschelfischer fürchten um ihre Fanggründe.

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erstellt am 23.Mai.2014 | 12:00 Uhr

Bald ein Jahr nachdem Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck im nordfriesischen Nationalpark-Kuratorium Handlungsempfehlungen zur Weiterentwicklung des Schutzgebiets vorgestellt hatte, ging es jetzt in dem Gremium ans Eingemachte. An insgesamt 82 Positionen eines unabhängigen Komitees, das im Vorjahr seinen Evaluierungsbericht vorgelegt hatte, arbeitete sich das Kuratorium gestern ab. Und das geriet über weite Strecken zu einem zähen Ringen um Formulierungen. Schließlich geht es in den Handlungsempfehlungen, die nicht bindend sind, auch darum, größere nutzungsfreie Zonen zu schaffen und die Fischerei im Wattenmeer zu reduzieren.

Zwar bescheinigte das Komitee dem 1985 gegründeten Nationalpark einen „guten Entwicklungsstand“. Aber die Experten zeigten auch Handlungsfelder auf, in denen es Schwächen gibt, weil Naturschutzziele noch nicht erreicht sind. In vier Sitzungen hatte deshalb eine Arbeitsgruppe des Kuratoriums Stellungnahmen zu den einzelnen Punkten vorbereitet – bis auf wenige Ausnahmen auch einvernehmlich. Die verbleibenden „Knackpunkte“, so der Leiter der Nationalparkverwaltung, Dr. Detlef Hansen, führten zu der erwarteten Auseinandersetzung zwischen Naturnutzern und -schützern.

So regt das Komitee an, die von der Miesmuschelfischerei beeinflusste Fläche deutlich zu reduzieren, was die Muschelfischer als Bedrohung empfinden. Ihr Sprecher Peter Ewaldsen befürchtet, dass hier abseits des Nationalparkgesetzes, das traditionelle Nutzungen ausdrücklich zugesteht, am Ende weiteren Einschränkungen auf dem Verordnungswege Tür und Tor geöffnet wird. Der Handlungsempfehlung folgte das Kuratorium mehrheitlich nur mit Einschränkungen. So will man Experten einbeziehen und am Ziel festhalten, dass eine naturverträgliche, nationalpark-konforme Nutzung von Miesmuscheln im Konsens mit den Muschelfischern erreicht wird – möglichst mit regionaler Wertschöpfung.

Im Fokus von Forderungen sehen sich auch die Krabbenfischer: Das Komitee empfiehlt, die Garnelen- und die Hobbyfischerei in der Schutzzone 1 zu reduzieren. Während sich das Kuratorium in dieser Frage für eine nachhaltige Fischerei im Wattenmeer im Einklang mit den Nationalpark-Zielen ausspricht, kündigte der Föhrer Krabbenfischer Henning Dulz unmissverständlich an: „Wir werden nicht auf die Schutzzone 1 verzichten und uns mit Händen und Füßen wehren.“

Umstritten war gestern auch der sogenannte Prozessschutz der natürlichen biologischen Vielfalt und Dynamik. „Dieses auf 50 Prozent der Nationalparkfläche zu erreichen, führt zu Konflikten mit bisherigen Nutzern“, stellt das Kuratorium mehrheitlich fest und verweist auf das Nationalparkgesetz, wonach unzumutbare Beeinträchtigungen der Interessen und herkömmlichen Nutzungen der einheimischen Bevölkerung zu vermeiden sowie Nutzungsinteressen und Schutzzweck im Einzelfall gerecht abzuwägen sind. Ein Konzept in puncto schrittweisen Prozessschutz soll im Konsens entwickelt werden, in strittigen Fällen wiederum das Kuratorium entscheiden. Offen bleibt zunächst die Frage, wie groß die sich selbst entwickelnde Fläche im Nationalpark heute eigentlich schon ist. Hansen sprach bei diesem Punkt von einer „Baustelle“.

Die abschließende Stellungnahme des nordfriesischen Kuratoriums – das Dithmarscher entscheidet Anfang Juli – wurde schließlich mit 17 gegen vier Stimmen verabschiedet. Dabei herrschte in den meisten Einzelaspekten durchaus Einigkeit. Dazu gehören die Forderungen, dass die Erdölförderung von der Mittelplate aus und die militärische Nutzung der Meldorfer Bucht zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu unterbleiben haben. Auch wird verlangt, Windpark-Stromtrassen im Nationalpark möglichst zu vermeiden oder zumindest zu bündeln. Abgelehnt werden dagegen Empfehlungen, deichnahe Salzwiesenstreifen und Dünenbereiche auf den Inseln in den Nationalpark einzubeziehen, die Salzweisen-Beweidung (38 Prozent) in nennenswertem Umfang zu reduzieren oder die Strandparkplätze in St. Peter-Ording in Frage zu stellen.

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