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Bockauktion in Husum : Wollige Landschaftspfleger und Fleischlieferanten

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Bockauktion in Husum erfreute sich eines gelungenen Auftakts. Vier Tage lang wird Schleswig-Holsteins Schafselite in der Messehalle bewertet und versteigert.

Gewisse Ähnlichkeiten zwischen einem Tier und seinem Besitzer sollen bei Hund und Herrchen nicht unüblich sein. Beim gestrigen Auftakt zur Bockauktion in der Husumer Messehalle war eine Zuordnung von Züchtern und ihren Schafen aber nicht möglich – zumindest optisch nicht. „Schafe übernehmen aber manchmal die Charaktereigenschaften ihrer Besitzer“, hat jedoch ein Helfer des Landesverbandes Schleswig-Holsteinischer Schaf- und Ziegenzüchter festgestellt, während die Preisrichter Hans Michow Schröder, Christian Lorenzen-Nissen und Gernand von Massow über die Tiere urteilen, die im Kreis laufend an der Leine ihren Besitzern folgen – mal gelangweilt, mal störrisch.

Seltene Rassen wie Coburger Fuchsschaf, Bentheimer Landschaf und Co. kommen gleich zu Beginn der viertägigen Absatzveranstaltung unter den Hammer – zum ersten Mal in der langjährigen Tradition der Bockauktionen der Storm-Stadt.

„Ein Versuch ist es wert“, sagt Horst Feddersen. Er ist mit einem Ouessant dabei – einem knapp 50 Zentimeter kleinen Bock mit schwungvoll gedrehten Hörnern. Normalerweise nimmt der Hobbyzüchter aus Drelsdorf an den Auktionen in Warder teil. „In Husum beteiligen sich Profis, in Warder zumeist nur Leute, die Schafe in ihrer Freizeit züchten.“ Wie zum Beispiel Peter Furck und Ute Kranefeld-Furck aus Haby bei Eckernförde. Das Ehepaar ist mit zwei Rauwolligen Pommerschen Landschafen in Husum dabei – und das mit Erfolg, denn die Richter gaben ihrem dreijährigen Bock einen ersten Preis. Ein hochgewachsenes Tier, dass in voller Wolle aussieht wie ein Bär, schwärmt Peter Furck über die Rasse. 19 Muttertiere halten er und seine Frau auf einem Resthof. Vor sechs Jahren begannen sie mit der Zucht. „Wir müssen nicht davon leben“, sagt der Wahl-Habyer, „aber wir leben gut damit.“ Besonders sei nämlich nicht nur die Wolle des Landschafs, sondern auch dessen Fleisch. „Es schmeckt ein bisschen nach Wild“, sagt die Hobbyzüchterin. Das Ehepaar hat sich bewusst für die vom Aussterben bedrohte Rasse entschieden: einen robusten Landschaftspfleger mit gutem Charakter. In Husum werden insgesamt 20 Landschafe angeboten. Der Großteil sind allerdings Fleischschafe. Nicht weniger als 650 Tiere werden durch das Rondell geführt und von Auktionator Karl Dieter Fischer angepriesen. „Zum Ersten, zum Zweiten und zum Anderen“, schallt es immer wieder durch die lichtdurchflutete Messehalle. Die Voraussetzungen, gute Ergebnisse zu erzielen, sind gut, sagt „Kalli“ Fischer kurz vor Beginn, denn „der Fleischpreis ist so hoch, wie lange nicht mehr“, erläutert der Fachmann. Versprechen kann er aber nichts. Allerdings ahnt er nicht selten, wie sich die Preise während einer Auktion entwickeln werden. „Entscheidend ist nicht immer die gute Platzierung eines Bocks, sondern nicht selten auch die Blutlinie“, plaudert er aus dem Nähkästchen. Seit 15 Jahren schwingt Fischer den Hammer und entlockt den Bietern in unnachahmlicher Art und Weise die Gebote. „Kalli macht das schon“, sagt Janine Bruser. Die Geschäftsführerin des Landesverbandes der Schaf- und Ziegenzüchter freut sich über die Resonanz auf die Bockauktion. Schon zum gestrigen Auftakt gab es viele zufriedene Gesichter – gleichermaßen von Verkäufern, Käufern – und nicht zuletzt auch von den Hauptakteuren, den Schafen. Neben den Landschafen sind auch Charollais zum ersten Mal bei einer Aktion in Husum. Die Rasse ist normalerweise in Frankreich und England zu Hause, sagt Janine Bruser. „Ob es in Husum einen Markt dafür gibt, müssen wir sehen.“

Die Preisrichter jedenfalls zeigen sich begeistert von den Tieren. Bereits im Juli besuchten sie während einer zweiwöchigen Körreise quer durch Schleswig-Holstein die Züchter und begutachteten hunderte Schafe. Die Crème de la Crème präsentiert sich nun vier Tage lang in Husum. Gestern kamen neben den Landschafen auch Schafe der Rassen Schwarzkopf und Weißkopf zum Ausruf. Heute werden Suffolk, Blaukopf und Swifter aufgetrieben. An den letzten beiden Tagen bestimmen Tiere der Rasse Texel das Bild des Geschehens.

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erstellt am 28.Aug.2014 | 07:30 Uhr

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