Eiderstedt : Wolf reißt Schafe und Lämmer

Der durchziehende Wolf entstammt einem Rudel aus der Lübtheener Heide.
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Der durchziehende Wolf entstammt einem Rudel aus der Lübtheener Heide.

Jetzt ist es amtlich: Ein Wolf aus Mecklenburg-Vorpommern hat mehrere Schafe und Lämmer auf Eiderstedt gerissen.

shz.de von
21. September 2017, 10:00 Uhr

Neun Schafe und Lämmer, die am 6. und 7. September auf Eiderstedt von einem Angreifer getötet wurden oder aufgrund schwerer Bissverletzungen von einem Tierarzt eingeschläfert werden mussten, sind von einem Wolf gerissen worden. Dies bestätigte jetzt das Wolfsinformationszentrum Schleswig-Holstein im Wildpark Eekholt (Kreis Segeberg), nachdem Proben der Nutztiere im Senckenberg-Forschungsinstitut in Frankfurt/Main auf DNA-Spuren untersucht worden waren. Demnach handelt es sich um ein männliches Tier, das einem Rudel in der Lübtheener Heide in Mecklenburg-Vorpommern entstammt.

Wie berichtet, waren in der Nacht zum 6. September im Kirchspiel Garding zwei Mutterschafe und ein Lamm und in der darauf folgenden Nacht in Poppenbüll sechs Lämmer verendet. In beiden Fällen waren weitere Schafe verletzt worden. Zunächst war unklar, ob ein Hund oder ein Wolf dort seinem Jagdinstinkt gefolgt war.

Einer der betroffenen Schafhalter ist Uwe Michalski. Durch die offizielle Bestätigung, dass es ein Wolf war, erwartet er jetzt eine „vernünftige Entschädigung” aus Landesmitteln. Die Situation beängstige ihn, doch weitere Maßnahmen, die das Land im sogenannten Herdenschutzpaket anbietet, lehnt Michalski ab. Auf Eiderstedt sei es gang und gäbe, dass es keinen Zaun braucht, wo es einen Graben gibt. „Ein Zaun würde ja auch nichts nützen”, glaubt der Landwirt. „Und wie hoch sollte der sein?” Wenn nicht bei ihm, schlage das Raubtier woanders zu. „Der Wolf gehört dort nicht hin.” Er sei sich sicher, die große Mehrheit der Bevölkerung denke genauso.

Der Eiderstedter Wolf, der von den Forschern die interne Bezeichnung GW 781 erhielt, ist dasselbe Tier, das bereits am 29. August in der Gemeinde Weede (Kreis Segeberg) zwei Rehe gerissen hat. Auch dies wurde durch die Untersuchungen in Frankfurt nachgewiesen. Angaben zum genauen Alter des Wolfs seien nicht möglich, weil nicht bekannt ist, welchem Wurf des Lübtheener Rudels GW 781 entstammt, berichtet das Wolfsinformationszentrum weiter.

Ob auch der Wolf, der am 4. September bei Wesselburen von einem Ehepaar aus einem Auto heraus fotografiert wurde, GW 781 war, ist nach wie vor unklar. „Wir haben nur ein Foto”, warnt Jens-Uwe Matzen, der für das Kieler Umweltministerium die Koordination der 71 Wolfsbetreuer im Land übernommen hat, vor entsprechenden Spekulationen. Es könne durchaus auch sein, dass zwei Wölfe unterwegs sind. Einen weiteren Schafsriss gab es vor zwei Wochen bei Westerhever. Ob hier ebenfalls ein Wolf zubiss, ist nicht bekannt. Nach Matzens Angaben steht in diesem Fall eine Untersuchung noch aus.

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