Glücks-Kongress : Wohnt das Glück in Husum?

Zweisamkeit im Sonnenuntergang am Dockkoog: Das Pärchen wirkt in diesem Augenblick sehr zufrieden mit der Gesamtsituation.
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Zweisamkeit im Sonnenuntergang am Dockkoog: Das Pärchen wirkt in diesem Augenblick sehr zufrieden mit der Gesamtsituation.

Aufruf an unsere Leser: Erzählen Sie uns, was Sie glücklich macht – und werden Sie vielleicht Mittelpunkt einer Reportage.

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29. Januar 2018, 15:00 Uhr

Erstmals findet in Husum ein Glücks-Kongress statt – im Nordsee-Congress-Centrum am Sonnabend, 24. Februar von 10 bis 17 Uhr. Fachleute zeigen Wege zum persönlichen Wohlbefinden auf und Gina Schöler, Autorin des Buches „Das kleine Glück möchte abgeholt werden“, regt dazu an, das Glück selbst in die Hand zu nehmen. Sie propagiert sogar das „Bruttonationalglück“, wie es im südasiatischen Königreich Bhutan ausdrücklich als Staatsziel verankert ist (wir berichteten).

Aber was ist Glück überhaupt? Wohnt es in Husum, und wenn ja, wo? Existiert es nur einen Moment oder begleitet es uns ein Leben lang? Im Vorfeld des von der Mildstedterin Claudia Hansen veranstalteten Kongresses laden die Husumer Nachrichten alle Leser ein, von ihrem persönlichen Glück zu erzählen. Einfach eine E-Mail mit ein paar Stichworten an ax@shz.de senden. Die Redaktion wählt unter den Einsendungen einige für Reportagen aus. Vielleicht haben Leser ja sogar „ihr Glück“ fotografiert und reichen ein solches Bild mit ein.

Vorab macht sich die Redaktion in Husum auf Spurensuche. Erste Adresse: Volkmar Camin, der kürzlich im Philosophischen Café der Volkshochschule die Vorstellungen des Philosophen Friedrich Nietzsche vom Glück mit seinen Gesprächspartnern diskutierte. Nietzsche habe geraten, „dem Individuum keine Vorschriften über den Weg zum Glück zu geben“. Demnach, so Camin, wären auch sämtliche Versuche von Unternehmen, uns Glück zu verkaufen, kaum von Erfolg gekrönt. Darunter falle auch das Versprechen, mit Schokolade oder Sport über biochemische Prozesse im Hirn für Glückseligkeit sorgen zu können. Camins große Leidenschaft ist es, Menschen dazu anzuregen, über den Alltag hinaus zu denken, für sich eigene Wege und Ziele zu formulieren, um so dem Sinn des Lebens näher zu kommen. Persönlich ist ihm der Gedanke sympathisch, „über ein gelingendes Leben, in dem man nach dem Guten strebt, zur Glückseligkeit zu gelangen“.

Was sagt zu dem Thema der in Nordfriesland aufgewachsene Wissenschaftler Dr. Bernd Raffelhüschen, der jährlich im Auftrag der Post den Glücks-Atlas für Deutschland erstellt? Anlässlich seiner jährlichen Vorträge bei Empfängen der Kreishandwerkerschaften in Husum und Niebüll betont der inzwischen in Freiburg lebende Professor stets, dass man Glück nicht messen könne. „Wenn Sie bei Rot über die Ampel gehen und nicht überfahren werden, dann ist das Glück.“ Als Forscher messe er hingegen die subjektiv empfundene Zufriedenheit der Menschen. Unverändert stellt er die „vier G“ ins Zentrum: Geld, Gesundheit, Gemeinschaft und Genetische Disposition. Bernd Raffelhüschen übersetzt es jeweils etwa so: Wer finanziell einigermaßen sorgenfrei lebt, soweit fit ist, soziale Kontakte pflegt und psychisch stabil durchs Leben geht, vereint gleich alle vier Faktoren in sich.

Wir suchen weiter in Husum: Ist die Glückseligkeit an den Badestegen am Dockkoog oder in Schobüll zu finden, wo sich abends gerne Wanderer einfinden, um den Sonnenuntergang zu beobachten? Oder vielleicht am Hafen, wenn man dort seine Seele baumeln lässt? Vielleicht wohnt es auch daheim, im privaten Umfeld bei der Familie, dem Partner oder den Freunden?

Bleibt die Frage zu diskutieren, ob Glück auch an Orten zu finden ist, an denen normalerweise geistige oder körperliche Anstrengung vorherrschen oder gar reglementierende Zwänge, wie beispielsweise an Arbeitsplätzen oder Schulen? Immerhin hat der Heidelberger Ernst Fritz-Schubert an der von ihm geleiteten Willy-Hellpach-Schule Glück als Schulfach eingeführt. Er hatte Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft studiert und Ethik-Unterricht erteilt, bis er sich mehr und mehr der Frage widmete, wie Schüler dabei unterstützt werden könnten, Verantwortung für das eigene Glücklichsein zu übernehmen und ein Bewusstsein für die eigene seelische und körperliche Gesundheit zu übernehmen. Beim Husumer Glücks-Kongress wird sicher auch Raum sein, um diese Frage zu diskutieren.

Weitere Informationen und Anmeldung zum Glücks-Kongress unter www.gut-leben-messe.de.

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