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Asylsuchende auf Eiderstedt : Wohnraum für Flüchtlinge benötigt

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Eiderstedts Amtsdirektor informierte über die Situation der Asylsuchenden auf der Halbinsel. Im Januar lebten dort insgesamt 259, darunter waren 86 Kinder. Die meisten wohnen in Tönning.

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erstellt am 04.Feb.2016 | 13:00 Uhr

In der Eiderstedter Amtsverwaltung nimmt die Arbeit für die Unterbringung von Flüchtlingen großen Raum ein, und großen Raum nahm das Thema auch in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses des Amtes ein. Es stieß auf großes Interesse, denn nicht nur die neun Mitglieder waren ins Verwaltungsgebäude gekommen, sondern auch so gut wie alle Mitglieder des Amtsausschusses.

Verwaltungschef Herbert Lorenzen berichtete über den Sachstand. Zum Stichtag 11. Januar lebten 259 Asylbewerber im Amtsbereich, darunter 86 Kinder. 119 von ihnen kommen aus Syrien, 58 aus Afghanistan, 29 aus dem Irak und elf aus Eritrea. Außerdem haben sieben Armenier, acht Serben, zwei Somalier, zwei Iraner, fünf Jemeniten, vier Kosovaren, je drei Albaner und Mazedonier sowie acht Menschen aus der russischen Föderation Unterkunft auf der Halbinsel gefunden. Die meisten Asylbewerber beherbergt Tönning (121), es folgt Garding mit 74 und St. Peter-Ording mit 28. Außerdem wurden Flüchtlinge in Oldenswort, Tating, Kirchspiel Garding, Kotzenbüll und Katharinenheerd untergebracht. Bislang sind 17 wieder weggezogen, zwei sind untergetaucht.

Den größten Ansturm erlebten die Mitarbeiter des Amtes und die ehrenamtlichen Begrüßungskomitees im Herbst, wie der Amtsdirektor sagte. Im November wurden 62 und im Dezember 54 Menschen dem Amt zugewiesen. Im September waren es 29 und im Oktober 25. „Das war im letzten Herbst ein echter Kraftakt“, so Lorenzen. Er und seine Mannschaft seien froh, über die kleine Pause im Januar, in diesem Monat kamen nur 16 Asylbewerber nach Eiderstedt. Er begründete diesen Rückgang mit größeren Kapazitäten in den Erstaufnahme-Einrichtungen, weniger Zuwanderung und gesetzlichen Regelungen, die unter anderem eine andere Verteilung auf die Bundesländer nach sich zogen. „Wir wissen allerdings nicht, wann die Zahlen wieder ansteigen.“ Er geht von 400 Neuankömmlingen in diesem Jahr aus, laut Kreisverwaltung sollen es 300 für Eiderstedt sein. Zurzeit können auf der Halbinsel weitere 150 bis 160 Personen untergebracht werden. Langfristig werde weiterer Wohnraum benötigt. Unter anderem hat das Amt in St. Peter-Ording das Landhaus Richardsen angemietet. Dort sei für 30 Personen Platz, sagte Lorenzen. Eine Familie ist bereits eingezogen.

Auf Nachfrage von Wolfgang Voutta (St. Peter-Ording) zur Integration erklärte Lorenzen unter anderem, dass unbedingt neue Kindergartenplätze geschaffen werden müssen. „Die bestehenden sind ausgereizt. Wir brauchen integrative Gruppen, und wir müssen gemeinsam eine Lösung suchen.“ Das Problem sei auf Landesebene erkannt. Es gebe Zuschüsse für investive Maßnahmen. Auf kommunaler Ebene müsse man sich allerdings auf zusätzliche Betriebskosten für die Kindergärten einstellen.

Auch über Containerlösungen werden nachgedacht, sagte Lorenzen zur Nachfrage von Kay-Uwe Cornils (Garding). Und möglicherweise müssten auch eines Tages in den Orten abseits der Bahnlinie Wohnungen angemietet werden. Gardings Bürgermeisterin Andrea Kummerscheidt wollte wissen, wie viele Personen tatsächlich im Harde-Huus wohnten. Sie gehe von mehr als 50 aus, obwohl offiziell nur 32 dort untergebracht sein sollen. „Wir haben die Erfahrung in Tating gemacht, dass die Asylbewerber viel und gern Besuch haben“, sagte Bürgermeister Hans Jacob Peters dazu. Lorenzen versprach, diesen Sachverhalt zu klären.

Oldensworts Bürgermeister Frank-Michael Tranzer wollte wissen, warum Tönning nicht selbst Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge finanziere. Laut Verwaltungs-Vertrag sei das Amt nicht dazu verpflichtet. Zum einen, sagte Lorenzen, müsste Tönning laut Quote eigentlich sehr viel weniger Asylbewerber unterbringen. Zum anderen flössen die Zahlungen vom Land auch für Tönning direkt an das Amt. Darauf habe er sich mit Tönning verständigt, das werde noch schriftlich festgehalten.

Poppenbülls Bürgermeister Kurz Eichert formulierte andere Sorgen: „Wir Gemeinden sind fast alle Fehlbedarfszuweisungsempfänger. Wir können nicht für alles Geld ausgeben, das hat alles seine Grenzen“, sagte er mit Blick auf mögliche zusätzliche Belastungen.

Am 9. Februar werde es eine Verwaltungsleiterrunde mit dem Landrat zum Thema Flüchtlinge geben, kündigte Lorenzen an.

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