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Flüchtline und Neubürger : Wohnraum dringend gesucht

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zu wenig bezahlbare Unterkünfte in Husum: Politik und Verwaltung müssen schnell Lösungen finden. Und es muss dringend gebaut werden.

von
erstellt am 18.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Husum hat ein Problem: Es fehlt an bezahlbarem Wohnraum. Das ist nichts Neues. Durch die Flüchtlings-Problematik jedoch potenzieren sich die Schwierigkeiten. Und zwingen Politik und Verwaltung, jetzt schnell Lösungen zu finden.

„800.000 Asylsuchende sind für dieses Jahr auf Bundesebene prognostiziert, davon entfallen bis zu 60.000 auf Schleswig-Holstein. Bei 40.000 Verteilungen rechnen wir mit 310 für Husum bis Ende des Jahres“, brach Ordnungsamtsleiter Malte Hansen die aktuellen Zahlen für die Mitglieder des Hauptausschusses herunter. Bisher seien 151 Flüchtlinge der Stadt vom Kreis zugewiesen worden, sagte er. „Im September waren es 40 und für Oktober sieht es ähnlich aus.“ Da die Zahlen aber seit Sommer rapide steigen und pro Monat jetzt 2000 bis 3000 Menschen in den Erstaufnahmeeinrichtungen ankommen, bisher jedoch nur 1000 pro Monat verteilt würden, habe das Land am 5. Oktober eine Verdoppelung der Verteilungszahlen angekündigt. „Das wären dann 70 bis 80 pro Monat, also etwa noch 160 bis Jahresende – und damit kommen wir auf 310 Flüchtlinge in diesem Jahr.“

Damit reißt der Strom natürlich nicht ab, im Gegenteil: „Bei der Haushaltsplanung für 2016 sind wir bislang von 500 weiteren Menschen ausgegangen“, erläuterte Hansen. „Wenn das Land aber das ganze Jahr über mit der doppelten Quote arbeitet und uns jeweils 70 bis 80 Flüchtlinge zuweist, dann reden wie hier über 800 bis 1000 Asylsuchende.“ Die werde man nicht alle dezentral unterbringen können. „Also ist eine konsequente Herrichtung aller geeigneten städtischen Liegenschaften gefordert – und Neubauten nach dem Kieler Modell.“

Das Kieler Modell, so Bauamtschef Rudolf Hölscher, beinhalte dreigeschossige, Häuser in unterschiedlichen Variationen, die für 70 Flüchtlinge konzipiert wurden und sich optimal nachnutzen ließen. „Man kann die Trennwände herausbrechen und erhält normale Wohneinheiten statt der zwölf Quadratmeter, die hier als Grundmodul für zwei Personen vorgesehen sind.“ Die Kommunen würden für die Neubauten nur die Grundstücke stellen, der Bau selber werde zu 100 Prozent über die KfW kreditfinanziert. „Zehn Jahre sind für die Unterbringung von Flüchtlingen angesetzt, es folgt eine sechsmonatige Umbauphase, und danach geht das Haus zur Nachnutzung in die soziale Wohnraumförderung.“

Eile sei geboten, so SPD-Fraktionschef Horst Bauer. „Wir müssen jetzt Entscheidungen treffen, Neubauten bekommen wir ja nicht in 14 Tagen hin.“ Zumal ja auch Neubürger, die keine Asylsuchenden seien, Wohnraum benötigten, merkte der WGH-Fraktionsvorsitzende Reimer Tonder an. Durch den Aufwuchs der Bundeswehr kämen Anfang 2016 ja noch 250 Einwohner dazu.

Wo also hin mit den Menschen? Schon in der Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses tags zuvor hatte die SPD den Antrag gestellt, kurzfristig weitere Flächen für sozialen Wohnungsbau bereitzustellen – und zwar die außerhalb des „Statthus“-Projektes liegenden Flächen am Trommelberg sowie ein Drittel der Neuen Freiheit. Während ersterer Vorschlag einhellige Zustimmung fand, hatten CDU und WGH massive Bedenken gegen den zweiten angemeldet: „Wir nehmen den Leuten da den Parkraum weg“, so Wolfgang Finger (WGH). Schüler der Beruflichen Schule sowie Mitarbeiter und Besucher von Kreishaus, Krankenhaus und den angeschlossenen Ärzten seien auf diese Stellplätze dringend angewiesen. Dennoch war der SPD-Antrag im Ausschuss mehrheitlich angenommen worden.

Die Flächen seien aber gar nicht das große Problem, erläuterte Hölscher im Hauptausschuss. „Wir haben städtische Grundflächen, die noch nicht genutzt oder nicht vollständig ausgenutzt werden“, sagte er. „Hier ergibt sich vielleicht die Chance, alte Häuser abzureißen und nach dem Kieler Modell neu und in besserer Qualität zu bauen.“

Was kurzfristig nicht weiterhilft. Und die Frage von Helmut Stemke (WGH) nach einer temporären Nutzung der alten Volkshochschule, bevor die Gewoba dort im März 2017 mit dem Wohnungsbau beginnt, musste von der Verwaltung abschlägig beantwortet werden. „Westfassade und Dach sind stark sanierungsbedürftig, da haben wir nichts gemacht, seitdem der Abriss beschlossen wurde“, so Christine Friedrichsen vom Gebäudemanagement. „Und innen hat sich ein Kunstkurs der Hermann-Tast-Schule austoben dürfen. Das Gebäude ist unbewohnbar, das gilt auch für die Turnhalle.“ Stattdessen untersuche die Stadt die Möglichkeiten, die das frühere Haus der Jugend biete.

Ohnehin sei die Verwaltung nicht untätig: „Sie bekommen für die nächste Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses eine Vorlage, in der wir alle Standorte und Möglichkeiten aufzeigen und empfehlen, wo wir anfangen sollten, um schnell zu Wohnraum zu kommen“, versprach Hölscher den Politikern. Und Bürgermeister Uwe Schmitz mahnte: „Das müssen wir dann aber auch gemeinsam priorisieren – und vielleicht mal eine Vorlage weniger zur Fassade des Alten Rathauses oder Ähnlichem zur Bearbeitung ins Bauamt bekommen.“

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