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Offene Türen im TSBW : Wo Spaß zur Ausbildung gehört

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ausbildung in rund 60 Berufen: Hunderte Besucher informieren sich im Husumer Theodor-Schäfer-Berufsbildungs-Werk.

von
erstellt am 22.Mai.2017 | 11:00 Uhr

Es ist zwar eine wiederkehrende Veranstaltung, aber vielleicht ist sie gerade deshalb so beliebt: Der Tag der offenen Tür im Theodor-Schäfer-Berufsbildungs-Werk (TSBW) in Husum bietet nicht nur genug Freiraum zum Klönen und zur Kontaktpflege, sondern hauptsächlich die einmalige Gelegenheit, Bereiche in Augenschein zu nehmen, die sonst nicht öffentlich zugänglich sind. Mehrere hundert Interessierte, darunter Ehemalige, Eltern und Jugendliche, nutzten die Chance und informierten sich über Ausbildungs- und die Wohnmöglichkeiten im Internat des TSBW, besichtigten Werkstätten oder ließen sich im „Team Gesundheit“ beraten.

Leistungsfähigkeit bewiesen die vielen jungen Menschen, die mit Engagement und Elan dem Publikum Einblicke in ihre Berufspraxis gaben. Davon überzeugten sich auch die Landtagsabgeordneten Lars Harms (SSW) und Klaus Jensen (CDU), worüber sich TSBW-Leiter Hans-Jürgen Vollrath-Naumann besonders freute. Das TSBW bildet junge Menschen, die eine Körper- oder Lernbehinderung haben, psychisch beeinträchtigt sind, mit einer chronischen Gesundheitsstörung oder einer Hörschädigung umgehen müssen, in rund 60 Berufen aus, hilft bei der Rehabilitation und am Arbeitsmarkt. Insgesamt hat die vom Diakonie-Hilfswerk Schleswig-Holstein getragene Einrichtung rund 1000 Auszubildende und 400 Mitarbeiter.

„Wir wollen nicht nur unsere beruflichen Fertigkeiten zeigen, sondern auch unsere außergewöhnlichen Hobbys“, sagte der angehende Elektroniker für Gerätesysteme, Björn Gramentz. Begeistert von der Wikingerzeit schnitzte er mit viel Fingerfertigkeit Runen in Speckstein. Außer Fingerfertigkeit brauchen Mandy Waskow, im dritten Ausbildungsjahr zur Raumausstatterin, und Umschülerin Svetlana Semerow auch Kraft beim Aufpolstern eines antiken Stuhls: Sie zeigten, wie die Spiralfedern fixiert und mit starken Fäden unter Spannung gehalten werden. „Das Schnüren ist anstrengend, aber es macht auch Spaß“, so die beiden.

Spaß an ihrem Beruf haben auch Ashley Bartholmeß und Pascal Duken, die in der Ausbildung zum „Maßschneider Fachbereich Damen“ stecken. „Viele Maßschneider gehen in die Industrie“, so Ashley. Erst kürzlich hatte sie an einem Kreativwettbewerb der Schneiderinnung Schleswig-Holstein teilgenommen. „Auf jeden Fall war es eine spannende Herausforderung“, lächelte sie.

Etwas Besonderes ist es auch, den überdimensionalen Hummer zu reparieren, der ein Tönninger Fischgeschäft ziert: Seine Dellen und Blessuren wurden in der Malerei und Lackiererei bei Michael Zajac unsichtbar gemacht. Josef Pajero Castellar, im zweiten Ausbildungsjahr zum Maler und Lackierer, war maßgeblich dafür verantwortlich: „Eine schöne Arbeit“.

Beratung war angesagt bei den Sonderfahrzeugen für Rollstuhlfahrer, die noch mehr Mobilität ermöglichen: Reha-Techniker Jawad Mahmoud, selbst Rollstuhlfahrer, erläuterte Stühle mit Aufstehfunktionen, in der Höhe verstellbare Arbeitsrollstühle sowie Fahrräder mit nur einem Rad, die einfach vor den Rollstuhl montiert werden und ideale Fortbewegungsmittel für längere Strecken sind. „Viele Menschen fragen außergewöhnliche Lösungen nach“, erklärte Mahmoud. Fahrlehrerin Marlies Cleve und ihr Berufskollege Mark Grimshaw erläuterten die Umrüstung eines Automatic-Fahrzeugs, das mit Handhebeln für Gas und Bremse sowie einer Pedalerhöhung ausgestattet ist. „Etwa 30 junge Menschen pro Vierteljahr werden uns von ihren Betreuern zugewiesen. Für Hörbeeinträchtigte wird ein Gebärdendolmetscher bereitgestellt“, so Grimshaw. Und was das „Gucken und Vergnügen“ anbelangte: Webermeisterin Ellie Siegrun Beyer vom Museum Kiekeberg in Ehestorf südlich von Hamburg spann Wolle vom Bentheimer Landschaf und Mike Krasnenko, gewandet in Schafspelz und mit original mongolischer Schamanenmütze, bot „Zaubertrank“ an – über offenem Feuer gekochten Kräutertee. Geduldige Ponys trugen die kleinsten Besucher einmal ums Gelände. Musikalisch wurde die Veranstaltung umrahmt von der „Polizia do Samba“ aus Flensburg und von der TSBW-Musikgruppe „All in“.

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