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Service im Norden : Wo Promis und Nordfriesen gerne einen Stopp einlegen

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Tankstelle in Ockholm ist die letzte auf der Strecke zwischen Bredstedt und dem Fähranleger Dagebüll. Viele Reisende halten dort, um vor der Überfahrt noch einmal ihre Autos zu befüllen.

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erstellt am 26.Dez.2013 | 09:00 Uhr

Ockholm | Heiligabend. Die meisten Leute haben es eilig. Schnell noch die restlichen Einkäufe erledigen, die Oma vom Bahnhof abholen, die letzten Geschenke einpacken. Auch bei Uwe Martin Nissen (57) und seiner Frau Gudrun (55) geht es heute hektischer zu als sonst. Die beiden betreiben nämlich die Tankstelle in Ockholm. Und das ist schließlich nicht irgendeine – es ist die letzte Tankstelle vor den Fähren zu den Inseln und Halligen.

„Am Heiligabend sind alle Kunden auf der Flucht“, lacht Gudrun Nissen. Das meint sie durchaus doppeldeutig. Zum einen sind die Menschen auf der Flucht vor den Feiertagen in einem Umfeld aus Hektik, Konsum und familiären Verpflichtungen; Naturverbundene ziehen es vor, das Weihnachtsfest in aller Ruhe und Beschaulichkeit auf einem Eiland zu verbringen. Zum anderen wirken die Auto-Insassen aber auch wie auf der Flucht, weil ihnen die Zeit im Nacken sitzt. Die Fähre wartet schließlich nicht. Den Wagen voll bepackt mit Taschen und Paketen, auf das Dach einen Tannenbaum geschnallt, legen sie noch schnell einen Stopp an der Zapfsäule ein. Dort wird der Tank bis zum Anschlag gefüllt, denn kundige Nordsee-Urlauber wissen, dass der Sprit auf den Inseln teurer ist. So bleibt denn meist nur ein schnelles „Frohe Weihnachten denn auch“, wenn sie von der Kasse zurück zu ihrem Pkw sprinten.

Die Nissens haben sich daran gewöhnt, dass die Urlauber auf der Hinreise meistens „unter Strom“ stehen. Auf der Rücktour sieht es dann schon wieder anders aus. „Da sind sie entspannt und erzählen, wie gut sie sich erholt haben“, berichtet Gudrun Nissen. Auch wenn es vielleicht Grund gäbe, über das Wetter zu meckern, sehen die Gäste es positiv. Sie sagen dann: „Aber die Luft war gut, und es war trotzdem schön.“

Auch Prominente gehören zu den Kunden der Nissens. „Manchmal muss man erst zweimal hinschauen, denn privat sehen die ganz anders aus – so ohne Schminke und gestyltem Outfit“, erzählt Gudrun Nissen. Aber als Jörg Pilawa mit einem Porsche heranbrauste, fiel dieser natürlich gleich auf. Der inzwischen verstorbene Hansjörg Felmy dagegen, der in Fahretoft ein Haus hatte, gehörte zur Stammkundschaft. Auch Katja Ebstein war eine Weile lang häufig auf der Durchreise zu den Inseln. Für eine Woche Quartier in Ockholm hatte Klaus J. Behrendt, besser bekannt als Fernseh-Kommissar Ballauf, bezogen. „Ein sehr sympathischer Mensch“, nickt Gudrun Nissen. Unvergessen wird ihr der Auftritt von Martin Semmelrogge bleiben. „Der hatte gar kein Portemonnaie, sondern die Scheine zerknuddelt in der Hosentasche“, erinnert sich die Ockholmerin. „Er packte uns eine Handvoll davon auf den Tisch, ging zur Toilette und fragte dann locker, als er wiederkam: Und, habt ihr euch euer Geld weggenommen?“

Erlebnisse, an die sich Nissens gerne erinnern.

Noch in den 1980er Jahren, als Uwe Martin Nissen den Betrieb übernahm, hatte es zwischen Bredstedt und Dagebüll sieben Tankstellen gegeben– nur die in Ockholm ist übrig geblieben. Der Schmiedemeister führt das Familien-Unternehmen in fünfter Generation. Der Nachfolger steht mit Sohn Lasse (23) schon fest. Mit 21 Jahren hat er die Meisterprüfung als Metallbaumeister abgelegt, und er ist auch Schweißfachmann. Angedacht ist, dass „der junge Mann“, wie ihn sein Vater gerne scherzhaft nennt, den Betrieb am 1. Januar 2015 übernimmt. Auf den Tag genau wird dann nämlich der Senior seine 30 Jahre als Inhaber voll haben. „Das wäre doch ein gutes Omen.“

Bis 14 Uhr hat die Tankstelle in Ockholm heute geöffnet. Dann ist auch für die Nissens Feierabend und für zweieinhalb Tage Feiertages-Ruhe. Voraussichtlich. Denn es könnte auch sein, dass wieder jemand Heiligabend gegen 22 Uhr an der Haustür klingelt und fragt, ob er ein paar Batterien kriegen könnte. Denn beim Geschenke-Kauf für den Enkel hatte Opa nicht bedacht, dass das Spielzeug-Motorrad ja auch irgendwie betrieben werden muss. „Da hilft man doch gerne, und Opa und Kind sind glücklich.

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