Bioabfall-Kompostierung : Wo Plastikmüll zum Alptraum wird

Plastik ohne Ende: Broder Schütt vor Bergen von Müll, der nicht etwa aus gelben Tonnen, sondern aus Bioabfällen stammt.
Plastik ohne Ende: Broder Schütt vor Bergen von Müll, der nicht etwa aus gelben Tonnen, sondern aus Bioabfällen stammt.

Weil viele Nordfriesen immer mehr Plastikmüll in ihre Biotonnen werfen, gibt es zunehmend Probleme.

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08. Juli 2018, 12:00 Uhr

Die Ozeane versinken in Plastikmüll und selbst im arktischen Meereis wimmelt es inzwischen von kleinsten Partikeln. Die angeblich so zivilisierte Menschheit versündigt sich an ihrer Umwelt und der Natur. „Das ist einfach nur Mist“, schimpft auch Broder Schütt. Denn der Mist, den andere verzapfen, landet tagtäglich auf dem Betriebsgelände des Biomassekontors Nordfriesland in Ahrenshöft – jährlich rund 4600 Tonnen Bioabfall und mehr aus den nordfriesischen Festlands-Haushalten. Der wertvolle Rohstoff selbst ist freilich nicht das Problem, sondern alles das, was rücksichtslose Zeitgenossen über die braunen Biotonnen entsorgen.

Die Spannbreite reicht von Gurkengläsern bis zu Betonplatten – vor allem aber sind es Kunststoffe in allen Variationen, die Broder Schütt Kummer bereiten. „Wenn ein Kühlschrank in die Biotonne reinpassen würde, würde ihn auch noch jemand reinwerfen“, sagt er ratlos. „Denn jeder, der lesen und schreiben kann, weiß doch, dass Plastik in einer Biotonne nichts zu suchen hat.“

Der Diplom-Ingenieur ist Geschäftsführer der Nording.Kompost GmbH, die sich im Auftrag der kreiseigenen Abfallwirtschaft Nordfriesland (AWNF) um den energiereichen Wertstoff Bioabfall kümmert. Verarbeitet wird er bei hohen Temperaturen in einem Trockenfermenter. In dem Prozess kann aus einer Tonne Bioabfall in etwa die gleiche Menge Energie wie aus 40 bis 50 Litern Heizöl erzeugt werden – in Ahrenshöft rund 100 Kilowattstunden Strom am Tag. Auch die Abwärme wird genutzt für die eigenen Anlagen – Trocknung, Biogas und Blockheizkraftwerk – oder in ein vorhandenes Wärmenetz eingespeist. Nach einigen Wochen bleiben 60 Prozent der anfänglichen Masse als Gärreste übrig, die zwecks Kompostierung auf Mieten aufgesetzt und bis zu acht Wochen lang mehrfach umgesetzt und abgesiebt werden. Am Ende verbleibt hochwertiger, hygienisch einwandfreier Kompost übrig, der das Siegel der Bundesgütegemeinschaft tragen darf. Damit schließt sich der Kreis: Der Kompost wird zwecks Bodenverbesserung in großen Mengen kostenlos an Landwirte, aber auch Privatleute abgegeben.

Bislang stellte der gerade erst verschärfte Grenzwert für Störstoffe kein Problem dar: „Aber ich bin mir nicht sicher, ob wir das künftig schaffen werden, ohne weitere sehr aufwändige Verfahrensschritte.“ Die würden Mehrkosten in fünfstelliger Größenordnung verursachen. 150 Tonnen Plastik (200 inklusive Sylt) fallen schon jetzt jährlich an. „Das ist quantitativ nicht viel, aber qualitativ“, sagt Schütt.

Abhilfe lässt sich nur schaffen, wenn sich alle Nutzer der braunen Tonnen – rund ein Drittel aller nordfriesischen Haushalte – an die einfache Regel halten: Plastik gehört nicht in die Biotonne, eben so wenig wie angeblich kompostierbare Tüten, die nicht abbaubare Anteile auf Erdölbasis enthalten. Besondere Problemfälle sind insbesondere auch die durchs Sieb fallenden Q-Tips und kleinere Teile aus Bruch und Abrieb, die in der Umwelt landen.

„Das ist eine Rücksichtslosigkeit“, so AWNF-Geschäftsführer Michael Stürmann zur Wegwerf-Mentalität. Da direkte Ansprachen und Appelle häufig nicht fruchten, sind die Müllfahrer angewiesen, falsch befüllte Biotonnen gar nicht erst zu leeren. „Wir lassen sehr brutal stehen“, sagt Stürmann – wohlwissend, dass manche Zeitgenossen dann auch noch anfangen zu pöbeln. „Aber das halten wir aus“, sagt er.

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