zur Navigation springen
Husumer Nachrichten

19. August 2017 | 04:04 Uhr

Ohne Druck : Wo Melodien Blockaden lösen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Kreismusikschule Nordfriesland bietet Musizieren als Therapie an. Dafür werden im Schloss vor Husum auch speziell angefertigte Instrumente eingesetzt. Angebote gibt es für Einzelpersonen aber auch für Gruppen.

Manche Dinge lassen sich nur schwer in Worte fassen. Für Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen können jedoch schon die einfachsten Aussagen zum Problem werden. Aber wo die Sprache unfähig ist, kann die Musik Abhilfe schaffen. So denkt man zumindest bei der Kreismusikschule Nordfriesland im Schloss vor Husum. Deshalb führte die Musiktherapeutin und -pädagogin Inken Petersen ein Therapiekonzept ein, das sich auf Töne, Rhythmen und Gefühle stützt und von jedem genutzt werden kann.

„Wir arbeiten mit elementaren, aber auch mit speziellen Instrumenten“, erklärt Petersen. Neben Gitarren und Trommeln, stehen daher in den Räumen auch unförmig aussehende Instrumente, deren geriffelte Hebel und Tasten für Menschen mit Behinderungen leichter zu handhaben sind. „Innerhalb der Therapie besteht auch kein Druck“, sagt die Pädagogin. Niemand müsse etwas erreichen. Es gehe in erster Linie um die nonverbale Kommunikation.

„Eigentlich ist ein Therapiekonzept ja ungewöhnlich für eine Musikschule“, sagt Henning Bock. Auf diese Weise könnten aber auch Menschen die Einrichtung besuchen, für die Musik bis zu diesem Zeitpunkt, höchstens eine untergeordnete Rolle spielte. So erreiche man im Schloss vor Husum immer wieder ein neues Publikum, so der Kreismusikschul-Leiter.

Seit der Einführung des Programms vor zwei Jahren haben bereits einige Schulen und therapeutische Einrichtungen das Angebot genutzt. Altersheime wären ebenfalls potenzielle Partner, sagt Inken Petersen. Möglich sind Einzel- und Gruppentherapien, was aber mit jedem Interessenten oder deren Betreuern beziehungsweise Erziehungsberechtigten im Voraus besprochen wird.

„Man sollte aber beachten, dass keine Diagnose erforderlich ist, um eine Musiktherapie zu machen“, betont die Pädagogin. Das liege daran, dass die Kosten noch immer vom Teilnehmer selbst oder seiner Einrichtung getragen werden. Deutsche Krankenkassen würden diese Form der Therapie noch nicht anerkennen. „Dabei wurde mittlerweile wissenschaftlich nachgewiesen, dass diese Therapie effektiv sein kann“, sagt Inken Petersen.

So könnten durch das Erzeugen von Klängen und Geräuschen, Gefühle ausgedrückt werden, die die Teilnehmer sonst nicht artikulieren können. Ein Beispiel dafür sei ein 24-Jähriger, der von Geburt an geistig behindert und autistisch veranlagt ist. Obwohl es ihm schwer fällt, sich sprachlich auszudrücken, singt er innerhalb der Therapie.

„Als Erfolg würde ich das aber nicht bezeichnen“, sagt Petersen. Denn darum gehe es bei der Musiktherapie nicht. Die Herangehensweise, etwas verbessern zu wollen, ist nur für den pädagogischen Unterricht gedacht. Nur mit diesem freien Vorgehen könnten Durchbrüche erzielt werden. Wie gut oder schlecht eine Therapie aufgenommen wird, sei ohnehin erst nach einem halben Jahr einschätzbar.

Die Musiktherapie in der Kreismusikschule ist offen für alle Altersgruppen. Besonders geeignet ist sie für Menschen mit Koordinations- und Wahrnehmungsstörungen. Auch Personen mit geistigen Lern- und Sinnesbehinderungen können von der Therapie profitieren, meint Inken Petersen. Besonders jüngere Menschen mit sozialen oder emotionalen Problemen seien angesprochen, denn „so müssen sie nicht jedem sagen, dass sie eine Therapie besuchen. Sie gehen einfach in die Musikschule“, sagt die Pädagogin. Wer interessiert ist, kann bei der Kreismusikschule ein erstes Orientierungsgespräch vereinbaren.

 

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 12.Sep.2013 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen