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Werkstatt-Atelier für den Nachwuchs : Wo Kinder zu Künstlern werden

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Werkstatt-Atelier im Alten Rathaus Garding für den Nachwuchs kommt gut an. Der Förderverein Kunst und Kultur auf Eiderstedt fördert das Projekt.

„Ich habe mein eigenes Bild im Kopf“, sagt Sinja (11) selbstbewusst, während sie mit einem breiten Pinsel leuchtend blaue Fingerfarbe auf einem Blatt Papier verteilt. Der lange Tisch, an dem sie malt, bildet das Herzstück des Kinder-Werkstatt-Ateliers im Alten Rathaus in Garding. Dort herrscht ein buntes Durcheinander aus Farbflaschen, Pinseltöpfen, Stiften, Lappen und diversen weiteren Utensilien, die für die künstlerische Arbeit gebraucht werden: Werkstatt-Flair mit einem Hauch von Unordnung – und munterem Stimmengewirr. „Gibst du mir mal das Rot“, „Wer hat die grüne Farbe?“, „Kann ich auch ein bisschen Türkis haben?“ und „Halt, das Gelb hatte ich zuerst!“, schallt es durch den Raum. Sechs Mädchen sind in Zweier-Teams eifrig dabei, Farbe auf Papierbögen zu verteilen, stacheln sich gegenseitig an, laufen zu großer Form auf. Man sieht, dass es ihnen Spaß macht. Die achtjährige Snezana ist die Jüngste, Sinja und Luna (beide 11) sind die Ältesten der Gruppe, die hier unter Anleitung von Wolfgang Groß-Freytag an die Kunst herangeführt wird. „Die Zusammensetzung passt“, meint Groß-Freytag, der allerdings nichts dagegen hätte, wenn noch ein paar Kunstkinder dazu kämen und auch Jungen im Team wären: „Aber die Kinder-Werkstatt baut sich ja gerade erst wieder auf.“

Seit Anfang 2016 leitet der professionelle Maler, erfahrene Leiter zahlreicher Malkurse und KunstKlima-Mitbegründer Wolfgang Groß-Freytag das Kinder-Werkstatt-Atelier (KiWA) in Garding. Das ambitionierte Projekt des Fördervereins Kunst und Kultur Eiderstedt, der Material- und Honorarkosten trägt, war von der Kunsterzieherin Regina Janzen 2005 ins Leben gerufen worden. Als sie nach zehn erfolgreichen Jahren nach Husum übersiedelte und dort ebenfalls ein Atelier für Kids begründete, übernahm Anna Pereira de Sousa übergangsweise die Betreuung der Eiderstedter Kunstkinder. Inzwischen liegt die Leitung in Groß-Freytags Händen, der den Kindern viel Freiraum gibt, sich der Kunst auf spielerische Art zu nähern und ihre Fantasie auszuleben. „Es widerstrebt mir, den schulischen Kunstunterricht einfach weiterzuführen“, sagt er. Pädagogik mit erhobenem Zeigefinger sei nicht sein Ding. Als Künstler möchte er die Kinder auf seine Art an die Kunst heranführen: Er lässt sie Farben und Formen entdecken, erprobt mit ihnen verschiedene Techniken, lehrt sie, ihr Handwerkszeug vorzubereiten. „Die große Leinwand für dieses Bild haben sie selbst gespannt“, erzählt er und zeigt auf ein Werk, das farbintensive Flächen, Linien, Kreise und Klekse in einem rhythmisch wilden Tanz vereint. „Action Paiting“, erklärt Groß-Freytag. Die Mädchen konnten sich hier richtig austoben und großzügig Farbe auf die Leinwand schütten, tropfen und spritzen oder sie mit farbgefüllten Luftballons bewerfen. Jackson Pollock (1912-1956), der große Maler des abstrakten Expressionismus, der das Action Paiting einst als Stilrichtung begründete, hätte seine helle Freude an dem Bild gehabt. „Ja“, lächelt Groß-Freytag, „Pollock war hier quasi der Vater der Kunstaktion.“

Zwei Stunden pro Woche, immer montags von 15 bis 17 Uhr, wird in der Werkstatt gemalt, gebastelt und gewerkelt. Die Mädchen, die aus verschiedenen Orten in Eiderstedt kommen, freuen sich schon aufeinander. Freundschaften sind entstanden. Die gemeinsamen Kunststunden verbinden. Und die Erfolge bei ersten Ausstellungen spornen an. Einige Arbeiten der Kinder hängen im Gemeindehaus der Gardinger Kirche. Die elfjährige Luna hat sogar schon ein Bild verkauft. Das Geld wollte sie aber nicht behalten: Sie hat es für ein Kinderprojekt in Südamerika gespendet. „Luna ist hochbegabt“, sagt Groß-Freytag. Stolz ist er aber auf alle seine jungen Künstlerinnen. Und die haben ihren Lehrer ins Herz geschlossen, gehen begeistert ans Werk, wenn er ihnen neue Aufgaben stellt.

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