Tag der offenen Tür : Wo Gemüse ohne Chemie wächst

Bei jedem Wetter in der Natur: Heinrich Thees erntet Kohlrabi.
Foto:
Bei jedem Wetter in der Natur: Heinrich Thees erntet Kohlrabi.

Auf dem Mildstedter Biohof Thees wird für Pfingstsonntag zu einem Tag der offenen Tür eingeladen. Die Besucher können sich über Anbaumethoden informieren, zudem beantworten Heinrich und Doris Thees Fragen ihrer Gäste.

von
21. Mai 2015, 16:00 Uhr

Nur wenige Kilometer vor dem Ortsschild Mildstedt, nördlich der L 37, liegt der Biohof Thees. Kein Schild weist auf den Betrieb hin, denn „wir haben keinen Hofverkauf und werden erst darüber nachdenken, wenn unsere Kinder größer sind“, sagt dazu Heinrich Thees, dem sein rheinischer Slang auch nach 15 Jahren im Norden immer noch sehr deutlich anzuhören ist. Dennoch ist der Biohof Thees, Mildstedtfeld 2, in der ganzen Region bekannt, schließlich versorgen sich viele andere Betriebe mit Gemüse aus Mildstedt – und vor allem ist der Chef wegen seiner rötlichen Haare und seinem immer bunten mit Gemüse der Saison ausgestatteten Verkaufsstand auf dem Husumer Wochenmarkt zu finden. Der Biogärtner ist besonders stolz darauf, dass es immer wieder Urlauber gibt, die in Dänemark Ferien machen, aber auf dem Hin- und Rückweg vom Urlaubsquartier bei ihm am Marktstand Station machen, um sich mit seinem Bio-Gemüse einzudecken.

Und der grüne Daumen scheint Thees in die Wiege gelegt worden zu sein, da auch seine Eltern bereits in Krefeld Gemüse angebaut haben. Und vor 15 Jahren hat der Gärtnermeister mit der Fachrichtung Gemüse den Schritt in den Norden gewagt, den Hof mit 50 Hektar Land in einen Biobetrieb umgewandelt. Auf vier Hektar Fläche wird nun Gemüse im Freiland angebaut, hinzu kommen zahlreiche Gewächshäuser. Insgesamt werden 40 Kulturen gehegt und gepflegt.

Erstmals laden Heinrich und Doris Thees am Pfingstsonntag (24.) zu einem Tag der offenen Tür ein. Von 10 bis 17 Uhr können die Besucher dann den ganzen Hof unter die Lupe nehmen. Fragen beantworten Heinrich und Doris Thees sowie Mitarbeiter. Aber auch die vier Kinder im Alter von sieben bis 14 freuen sich auf die Besucher – und natürlich Hofhund Nelly. Sie mag zwar den einen odere anderen Gast durch ihre Größe und Neugier beeindrucken, liebt aber Kinder und hat ein sehr freundliches Wesen. „Und wer mal eine Gurke frisch von der Pflanze probieren möchte, der kann dies auch tun“, sagt Thees, der den Betrieb mit drei Mitarbeitern bewirtschaftet. Hinzu kommen drei weitere, die für den Wochenmarkt zuständig sind.

„Bei uns gibt es nur heimisches Gemüse, wir haben keine Bananen im Angebot“, unterstreicht der Biobauer und ist sehr zufrieden, dass sein Salat auch noch nach mehreren Tagen beim Kunden knackig frisch ist. „Wir haben keine Kühlketten, die also auch nicht unterbrochen werden können. Wenn wir Sonnabend auf dem Markt stehen, dann wird die Ware erst einen Tag vorher geerntet.“ Unter feuchten Tüchern liegt sie dann eine Nacht, um am nächsten Tag verkauft zu werden.

Oftmals wird der Mildstedter von Kunden gefragt, wieso beispielsweise sein Kohlrabi so knackig aussehe. „Das ist auch ohne Chemie möglich, Bio muss nicht rissig oder verschrumpelt sein. Allerdings muss viel Arbeit in die Pflege der Kulturen investiert werden“, sagt Thees und zeigt zufrieden auf seine eingetopften Kohlpflanzen in einem Gewächshaus. Gemeinsam mit dem Saatgutverein Silberstedt entwickelt der Gärtnermeister nämlich neue Sorten. Bis es soweit ist, vergehen allerdings bestimmt noch zehn Jahre. Heinrich Thees produziert in Mildstedt nach den Regeln von Bioland und zeigt auf das Land rund um die Gewächshäuser und das Wohnhaus. Dort haben andere Biobauern Land gepachtet, um beispielsweise Schafe weiden zu lassen. „Ich habe quasi einen Schutzgürtel um meinen Betrieb“, sagt der Gärtner. Dabei sei er kein Öko, sondern ein ganz „normaler“ Mensch. „Ich esse Fleisch und rauche, der Biohof ist mein Handwerk“, um aber nachzuschieben, dass er schon aus echter Überzeugung auf den Einsatz von Kunstdünger und Pflanzenschutzmitteln verzichtet.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen