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Hilfe im Advent : Wo ein Filzstift beim Vergessen hilft

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In der Erstaufnahme-Einrichtung in Seeth besteht Bedarf an vielen alltäglichen Dingen des Lebens. Allein 300 Kinder leben gegenwärtig in der ehemaligen Bundeswehr-Kaserne. Spenden sind immer gern gesehen.

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erstellt am 11.Dez.2015 | 17:48 Uhr

„So langsam müssten die doch wirklich genug haben“, oder „die werden doch richtig verwöhnt“, sind Parolen, mit denen auch die haupt- und ehrenamtlichen Helfer konfrontiert werden, die sich um die vielen Menschen in der Erstaufnahme-Einrichtung des Landes in der Stapelholmer Kaserne in Seeth kümmern. Darüber ist DRK-Einrichtungsleiter Lars Christophersen richtig sauer, denn seine Gäste, wie die übliche Bezeichnung in der Einrichtung für die Asylsuchenden ist, kommen oftmals nur mit dem an, was sie am Körper tragen. „Da sind Kinder, die laufen seit Wochen mit Schuhen herum, die zwei, drei Nummern zu klein sind. Wie die Füße dann aussehen, kann sich bestimmt jeder vorstellen.“

Die 54 hauptamtlichen und die vielen ehrenamtlichen Helfer sehen viel Elend, aber erleben auch immer wieder die große Freude und Dankbarkeit. „Das ist unser Lohn, uns ist es egal, woher die Menschen kommen, welche Motive sie für ihre Flucht hatten“, sagt dazu der Leiter, „wir bemühen uns alle, ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen.“

Und um dies zu schaffen, kann es neben Manpower gar nicht genug Spenden geben. Denn beispielsweise Kinderwagen oder die praktischen Baby-Trageschalen bleiben nicht in Seeth, sondern werden den jungen Familien oder Müttern mitgegeben, wenn sie die Erstaufnahme-Einrichtung wieder verlassen. So berichtete eine Helferin von einer jungen syrischen Mutter, die vor Glück in Tränen ausbrach, als sie einen Kinderwagen erhielt. Seit Wochen hatte sie ihr Kleinkind immer auf den Armen getragen und war körperlich fast am Ende. Benötigt werden aber auch vor allem Winterartikel. Und, darauf weist Christophersen besonders hin, nur ganz wenige der Flüchtlinge sind stämmig. Also sind kleinere Größen gefragt. Leider stellt sich auch immer wieder heraus, dass einige Menschen der Meinung sind, dass für die Flüchtlinge auch unbrauchbare Kleidung noch gut genug ist. „Doch ein T-Shirt mit einem zweiten Halsloch benötigen wir nicht – und das bekommt auch keiner unserer Gäste“, stellt der Einrichtungsleiter unmissverständlich klar.

Szenenwechsel: Vor der Kleiderausgabe stehen einige der augenblicklich rund 900 Asylsuchenden Schlange, denn immer nur kleine Gruppen werden eingelassen. Sortiert nach Männern, Frauen und Kindern gibt es gespendete Kleidung, die selbst ausgesucht werden kann. Bei den Kindern besonders beliebt ist aber die Ecke mit Spielzeug. Und dort werden auch aus harten Security-Leuten weiche Männer. Denn wer einmal die große Freude über einen einfachen Filzstift zum Malen gesehen hat, der begreift sofort, was die Kinder durchmachen und welch Überflussgesellschaft außerhalb der Stapelholmer Kaserne besteht. „Daher freute uns auch eine Spende von vielen Schulheften“, sagt Christophersen. Aber auch Malpapier, Kuscheltiere und Spiele, bei denen nicht unbedingt die deutsche Sprache Voraussetzung ist, sind willkommen – alles Dinge, mit denen die Kinder für kurze Zeit in eine „normale“ Welt abtauchen können. Der Bedarf ist riesig, denn allein in Seeth gibt es geschätzt fast 300 Kinder. Ein Drittel der Gäste sind Frauen, hinzu kommen viele Familien. Der Großteil sind aber jüngere Männer im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. 1600 Betten stehen gegenwärtig bereit, belegt sind etwa 900, doch die Zahl ändert sich täglich, wie Christophersen sagt. Und das macht es so schwierig, denn schließlich müsste immer wieder bei Null neu angefangen werden.

Für die vielen Erwachsenen gibt es zwar einige Fahrräder, doch Drahtesel und Reparaturmaterial sind heiß begehrt. Was in Seeth nicht benötigt wird, sind typische Haushaltsgeräte, denn die Gäste bleiben ja nur eine begrenzte Zeit, ehe sie auf die Kreise im Land verteilt werden. Übrigens, Kinder und Erwachsene freuen sich auch über Süßigkeiten, doch sollte darauf geachtet werden, dass sie wie beispielsweise Weingummis keine Gelatine enthalten. Und, darauf legen die Helfer großen Wert, es sollte genügend für alle da sein. 100 Schokoweihnachtsmänner bedeuten nämlich 100 glückliche und 200 traurige Kinder.

Spenden für die Erstaufnahme-Einrichtung sind werktags immer von 9 bis 15 Uhr direkt abzugeben, zudem könne auch Geld gespendet werden. Davon werden dann Unterwäsche und viel Dinge, die das Leben angenehmer machen, gekauft. Denn wie sagt Lars Christophersen: „Wir wollen den Gästen den Aufenthalt nach den durchlebten Schrecken so angenehm wie möglich machen.“

Das Spendenkonto lautet: DRK Kreisverband Nordfriesland e. V., DE 47 2175 0000 0000 0210 06, Verwendungszweck: LUK Seeth. Zudem gibt es ein Spendenkonto des Amtes Nordsee-Treene: Husumer Volksbank IBAN DE40 2176 2550 0004 6304 08 und Nospa IBAN DE96 2175 0000 0024 0056 05. Bei der Einzahlung ist folgender Verwendungszweck anzugeben: 3799024 Flüchtlinge Seeth.

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