Kirche im Urlaub : Wo die Gäste-Seele baumeln darf

Andrea Streubier (l.) mit  ihrem Team bei der Probe. Foto: ieb
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Andrea Streubier (l.) mit ihrem Team bei der Probe. Foto: ieb

In St. Peter-Ording kümmert sich Diakonin Andrea Streubier mit ihrem Team um Touristen / Zusammenarbeit mit der Kommune klappt gut

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30. März 2013, 09:10 Uhr

St. Peter-Ording | Kinder nutzen es gern als Spielplatz, Erwachsene als Leseplatz oder wegen der schönen Aussicht als Picknickort. Das Kirchenschiff am Ordinger Strand. Zwischen dem Drachensteige-Platz und den übrigen Pfahlbauten ruht der Holzbau auf seinen Stelzen - und lädt genau dazu ein, zur Ruhe zu kommen, ob mit oder ohne Begleitung der evangelischen Urlauberseelsorge. Seit fünf Jahren ist das Kirchenschiff in der Sommersaison ein Treffpunkt zu Mittagsimpuls, Strandspielen, Musik und das Biblische Botschaft Buddeln. Ein kleines Jubiläum. Ein großes Jubiläum feiert die Urlauberseelsorge selbst in diesem Jahr: Es gibt sie seit 40 Jahren. Am 1. April 1973 nahm sie die Arbeit auf, wie Diakonin Andrea Streubier erklärt. Sie selbst leitet sie seit 20 Jahren.

Aus dem Angebot im Nordseebad ist die Urlauberseelsorge nicht wegzudenken. Zu den 305 Veranstaltungen kamen im vergangenen insgesamt 17 757 Besucher, pro Veranstaltung also durchschnittlich 58. Spitzenreiter sind dabei die acht Feste mit je 144 Teilnehmern, dann kommen die 22 Gottesdienste mit 125 und die 51 Marktcafés mit je 72 Gästen. "Eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr", sagt die 46-jährige Diakonin. Doch steckt hinter den nackten Zahlen ein ganz großes Bedürfnis, wie sie festgestellt hat: "Die Menschen starten immer gestresster in den Urlaub. Sie kommen ausgepowert hier an und sind zutiefst erholungsbedürftig. Der Seelsorgebedarf war noch nie so groß wie im vergangenen Jahr." Denn viele bringen persönlich schwere Themen mit: Trennung, Pflege der Eltern, Krankheit und Tod des Partners oder des Kindes. Da müsse die Kirche Zeit für Gespräche, Momente der Ruhe und der Besinnung bieten - wie mit den Sonnenaufgangs-Meditationen, den Sonnenuntergangs-Gedanken, den Andachten und Mittagsimpulsen. Aber auch an die Kinder wird gedacht, für sie gibt es Strandspiele und die Gute-Nacht-Geschichten mit frei erzähltem Inhalt, Lieder und Fingerspielen. Insgesamt 55 ehrenamtliche Mitarbeiter unterstützten Andrea Streubier.

Das war damals anders, als die Urlauberseelsorge 1973 mit einem hauptamtlichen Mitarbeiter aus der Taufe gehoben wurde. "Damals konnten die Gäste noch mehr Aktion vertragen", so die Diakonin. Die Gute-Nacht-Geschichte hat es damals schon gegeben. Zum Programm gehörten außerdem Morgenandachten mit Strandgymnastik, Olympische Spiele am Strand, Tanzveranstaltungen im Kurmittelhaus, selbstverständlich viele Gottesdienste, theologische Vorträge, die es auch heute noch gibt, Theater, der Bibelgesprächskreis, der Eiergrog-Abend, bei dem Döntjes erzählt wurden, und bei vielen Teilnehmern unvergessen: die Nachtwanderungen. "Da spazierten bis zu 600 Menschen des Nachts am Strand entlang", erzählt Andrea Streubier. An einem riesigen Lagerfeuer wurden Würstchen gegrillt. Alle genossen den Sternenhimmel und die Weite des Strands. Und Pastor Hans-Peter Honecker erzählte Geschichten von Land und Leuten. "Noch heute sprechen mich Menschen auf diese Veranstaltung an. Viele legten ihren Urlaub extra so, dass sie an mindestens zwei Wanderungen teilnehmen konnten. Sie fanden alle 14 Tage mittwochs statt." Doch der logistische Aufwand war unvergleichlich: Die ehrenamtlichen Mitglieder des Freizeithelferteams mussten das Holz sammeln. Es mussten bis zu 600 Würstchen auf Holzspieße gesteckt werden. "Und meistens war das Team erst gegen 2 oder 3 Uhr im Bett", erinnert sich Andrea Streubier. Als Pastor Honecker 2003 in den Ruhestand ging, wurde die Nachtwanderung aus dem Programm genommen.

"Eigentlich hat es die Urlauberseelsorge schon vor 1973 gegeben", sagt die 46-jährige Diakonin. "Darum haben sich zunächst die Pastoren Honecker und Johann-Heinrich Weingärtner selbst gekümmert. Denn in St. Peter-Ording war es nie so, dass sich die Kirche vom Tourismus abgekapselt hätte, weil der Ort ja mit ihm gewachsen ist." Doch dann wurde ein hauptamtlicher Mitarbeiter eingestellt. Das war Dieter Marker. Er starb 1986. Gabriele Bienroth leitete die Urlauberseelsorge dann bis 1993. Ihr folgte Andrea Streubier.

Froh ist die heutige Leiterin über die gute Zusammenarbeit mit dem Pastoralreferenten der katholischen Kirchengemeinde im Ort, Michael Wrage. Viele Veranstaltungen werden gemeinsam gestaltet. "Bewundernswert ist die Zusammenarbeit zwischen Kirche und Gemeinde sowie Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording. Von Anfang an war die Kommune mit im Boot", sagt Andrea Streubier. Gefeiert wird das Jubiläum das ganze Jahr über mit Veranstaltungen zu Pfingsten sowie in den Sommer- und Herbstferien.

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