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Elisenhof in Tönning : Wo die ersten Friesen siedelten

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der frühmittelalterliche Elisenhof in Tönning war damals eine der größten Wohnorte auf Eiderstedt. Die Gesellschaft für Stadtgeschichte will mit einer neuen Tafel daran erinnern.

Mit einer neuen Informationstafel des Archäologischen Landesamtes will die Gesellschaft für Tönninger Stadtgeschichte möglichst bald wieder auf die frühmittelalterliche Elisenhof-Siedlung am westlichen Stadtrand hinweisen. Im Text werden die damaligen Lebensumstände auf einer der größten Dorfwarften der Halbinsel beschrieben und durch eine mehrfarbige Zeichnung mit einem Fischerboot, Rindern und einem Bauernhaus illustriert. Das bisherige Hinweisschild an der Abzweigung nach Olversum musste entfernt werden, weil es verrostet war. Darüber informierte der Vorsitzende des Vereins, Klaus-Dieter Mai, die Teilnehmer der Mitgliederversammlung. „An der Stelle gab es in der Zeit von etwa 750 bis 1200 an den Ufern eines Priels eine erste Besiedlung durch Friesen“, bemerkte Christiane Witte, die von 1990 bis 1996 die Geschicke des Vereins lenkte. Außerdem teilte der Chef der 130 Mitglieder starken Gesellschaft mit, dass die Künstlerin Linda Hamkens an bestimmten Stellen der Eider durch Stelen mit Bronzefiguren auf die Bedeutung des Flusses als Verbindung zwischen Nord- und Ostsee während der Wikingerzeit aufmerksam machen möchte. Der erste Pfeiler dieser Art könnte ebenfalls in Höhe der früheren Elisenhof- Siedlung seinen Platz finden.

„Das vergangene Jahr war für uns nicht besonders ertragreich“, sagte Schatzmeister Hans-Helmut Bock. So sollen 800 Euro bei den Druckkosten der beliebten Jahreshefte durch eine Verringerung des Umfangs eingespart werden. 2015 hatte der Verein für 300 Exemplare 3300 Euro ausgegeben. Groß war die Nachfrage nach den Kalendern mit historischen Fotografien, die Martin Rottmerhusen zusammengestellt hatte. 140 Stück wurden hergestellt. Bock bedauerte, dass hauptsächlich aus Altersgründen immer weniger Mitglieder für die Aufsicht der historischen Ausstellung im Packhaus zur Verfügung stehen. Sie wird am 1. Mai wieder eröffnet. Wegen des fehlenden Personals wird sie aber montags und dienstags geschlossen sein. Für zwei Aushilfen sind monatlich 500 Euro aufzubringen.

In einem Vortrag schilderte der Diplom-Geograf Jörn Kohlus das Leben und Wirken des in Tönning aufgewachsenen Ferdinand von Mueller, der in Australien als Botaniker berühmt wurde. Der 1825 in Rostock geborene Sohn eines Zöllners zog 1836 nach dem Tode seines Vaters mit seiner Mutter und Geschwistern nach Tönning. Dort besuchte er die Schule und absolvierte anschließend in Husum eine Ausbildung in einer Apotheke. Deren späterer Inhaber, Dr. Jürgen Klatt, gehörte 1981 zu den Gründern des Vereins. Bereits in jungen Jahren begann von Mueller, Pflanzen zu sammeln und zu tauschen. Ein Studium der Botanik schloss er 1847 mit der Promotion ab. Noch im selben Jahr wanderte er nach dem Tod seiner Mutter mit zwei Schwestern nach Australien aus. Dort arbeitete er als Apotheker und erforschte auf mehreren Expeditionen zunächst die Flora im Süden des fünften Kontinents. 1853 erhielt er in der Kolonie Victoria eine Anstellung als Botaniker der Regierung. Er gründete in Melbourne ein Herbarium, in dem auch heute noch getrocknete Pflanzen ausgestellt sind – darunter etliche aus Eiderstedt. Außerdem war er in der Stadt über Jahrzehnte Leiter des Botanischen Gartens. Weiterhin beteiligte er sich an Forschungsreisen, verfasste zahlreiche wissenschaftliche Publikationen, wozu sieben Bände über die Flora Australiens gehören. Der Wissenschaftler wurde vielfach international ausgezeichnet sowie als Freiherr in den Adelsstand erhoben. Als Jörn Kohlhus Australien auf den Spuren des 1896 verstorbenen großen Sohnes der Stadt bereiste, wusste man an einem Postschalter gleich, wo Tönning liegt – Hamburg hingegen war unbekannt.



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