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Salvatorabend in Husum : Wo das Miteinander vorbildlich ist

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Interessanter Vortrag, gemeinsames Feiern: Auf dem traditionellen Salvatorabend wurden die zivil-militärischen Verbindungen gepflegt – und zwar bis in die frühen Morgenstunden.

Wechselnde Gastgeber, gleichbleibender Erfolg: Auch zum diesjährigen Salvatorabend konnte Oberst Bernd Stöckmann, der Kommodore des Flugabwehrraketengeschwaders 1 „Schleswig-Holstein“, wieder 230 gut gelaunte Gäste aus Bundeswehr, Politik und Wirtschaft im Unteroffizierheim der Fliegerhorstkaserne begrüßen. Obwohl Hausherr, war er jedoch nicht der einzige, der eingeladen hatte, denn erstmals wurde das seit 1969 mit Unterbrechungen ausgerichtete weiß-blaue Fest in Kooperation mit der Traditionsgemeinschaft Jagdbombergeschwader 41 veranstaltet. Dessen Vorsitzender, Wolfgang Grapentin, hielt eine kurze, humorige Rückschau mit besonderem Hinweis auf die Querelen in den 80er Jahren, als der Salvator-Herrenabend mühsam zum Salvatorabend mutierte – Episoden, die in der heutigen Zeit, wo Frauen in der Bundeswehr längst Normalität geworden sind, schon ziemlich skurril anmuten.

Über den Gastredner des Abends freute sich Stöckmann besonders, war es diesem doch erst im zweiten Anlauf vergönnt, einen Salvatorabend in Husum erleben und prägen zu können, denn im vergangenen Jahr musste er krankheitshalber absagen. „Und dieses Jahr wäre mir das fast schon wieder passiert“, sagte Generalmajor Robert Löwenstein, der Kommandeur Bodengebundene Verbände der Luftwaffe aus Köln, dem die Husumer Truppe unterstellt ist. Doch auch mit deren Vorläufer in der Storm-Stadt hatte der pointiert vortragende Löwenstein schon Kontakt gehabt: „Vor 30 Jahren hatte ich einen Mitflug im Alpha Jet im damaligen Jagdbombergeschwader 41 – und mich danach dann doch lieber für den Flugabwehrraketendienst entschieden“, erzählte er schmunzelnd. Aber es sei ein „tolles Erlebnis“ gewesen, dass er keinesfalls missen möchte. Was den zahlreich anwesenden ehemaligen Angehörigen des fliegenden Verbandes natürlich herunterging wie Öl.

Löwenstein hatte aber noch mehr Lob auf Lager. Es sei „ein Traum, in Husum zu leben“, und das Miteinander von Militär und Zivil sei vorbildlich. Gleichwohl legte er Bürgermeister Uwe Schmitz ans Herz, noch mehr für das Umfeld der Soldaten zu tun. Die seien im übrigen extrem belastet, führte er aus: „Geplant war es, den Auslandseinsatz im türkischen Grenzgebiet zu Syrien zwölf Monate lang durchzuhalten“, sagte er. Doch jetzt seien die deutschen Soldaten schon im dritten Jahr damit befasst, die Stadt Kahramanmaras mit ihren Patriot-Raketen vor Luftangriffen zu schützen. Und das mit immer weniger Personal: „Vor sechs Jahren gab es noch sechs Flugabwehrraketengeschwader mit insgesamt 10.000 Leuten. Heute ist davon nur noch eines mit 2000 Köpfen übrig – und nimmt Aufgaben wahr, die wir damals gar nicht bewältigen konnten.“ Dabei bemängelte er auch die Ausrüstung der Bundeswehr, die mit „historischen Waffensystemen“ auskommen müsse. „Geist und Können der Truppe sind hervorragend, aber die Ausrüstung ist es nicht.“ Und der so dringend benötigte Nachwuchs wolle eben nicht nur „FKK – Flachbildschirme, Kühlschränke und Kindertagesstätten“, sondern auch vernünftige Arbeitsbedingungen: „Moderne Waffensysteme, moderne Kasernen und moderne Ausrüstung.“ Hier sei noch viel nachzuholen, so der Generalmajor. „Sicherheit braucht den ihr zustehenden Stellenwert – und der kostet nun mal Geld und Engagement.“ In dieser Hinsicht wünsche er sich mehr Unterstützung durch Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble. Immerhin sei die neue Ausrichtung der Bundeswehr durch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen schon ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung gewesen, denn das vorherige Leitmotiv „Breite vor Tiefe“ hätte nur bedeutet, „dass wir ganz viel können, aber nichts davon lange – und das bringt uns schnell in Schwierigkeiten“.

Um das ernste Thema wieder aufzulockern, bat Löwenstein zum Abschluss seines Vortrags noch Uwe Schmitz ans Rednerpult und traktierte den Bürgermeister mit ein paar Quizfragen und Denkspielchen, bevor die Schweinshaxen aufgetragen wurden. Unter den zünftig bayerischen Klängen des Marinemusikkorps Ostsee wurden anschließend Mengen an Salvator-Bier vernichtet und die militärisch-zivilen Bindungen weiter intensiviert, bevor auch die allerletzten Aufrechten in den frühen Morgenstunden den Heimweg antraten.

 

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erstellt am 16.Mär.2015 | 08:00 Uhr

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