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Tumult im Gemeinderat Witzwort : Witzworter bringt Bürgermeister in Rage

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In der jüngsten Gemeindevertreter-Sitzung ruft Bürgermeister Willi Berendt die Polizei. Er war mit einem Einwohner in eine Auseinandersetzung geraten.

Entsetzen, Kopfschütteln, immer wieder laute Zwischenrufe und schließlich der Eklat: Nach 30 Minuten platzte Bürgermeister Willi Berendt in der jüngsten Gemeindevertreter-Sitzung von Witzwort vollends der Kragen. Er erteilte einem Zuhörer Hausverbot und alarmierte – als dieses nicht befolgt wurde – die Polizei. Außerdem unterbrach er die Zusammenkunft. Die 24 Einwohner, die die Tagung im Gasthof Rathje verfolgten, zeigten sich ebenso geschockt wie der Bürgermeister und die elf Gemeindevertreter sowie die beiden Schiedsmänner – die aus ganz anderem Anlass gekommen waren. Witzwort hatte etwas erlebt, dass Bürgermeister Berendt nach eigenem Bekunden „in dieser Form in meinen 30 Jahren Amtszeit hier noch nicht erlebt habe“. Doch was war geschehen? Zunächst hatte er wie gewohnt Zuhörer und Gremium begrüßt. Dann stellte Schiedsmann Peter Martinen seine Arbeit vor, beantwortete Fragen und verteilte Infomaterial. Anwesend war auch sein Kollege Lorenz F. Paas aus Seeth. Zehn Minuten später begann die Einwohnerfragestunde. Darin bat ein Einwohner Willi Berendt zunächst, „meine Frage auf Deutsch zu beantworten, denn ihr Plattdeutsch verstehe ich nicht“. Er kritisierte dann, dass wieder einmal kein Protokoll der vorigen Sitzung auf den Tischen liege. Der Bürgermeister blieb gelassen und erklärte, dass diese erst unter Tagesordnungspunkt 3 genehmigt werde. Darauf konterte der Einwohner: „Warum geht das denn in Oldenswort?“ Berendt: „Dann müssen Sie nach Oldenswort ziehen, wenn Sie das so haben wollen.“ Nun trug der Einwohner ein längeres Statement vor – unter anderem mit Kritik an der neuen Website des Dorfes. Berendt unterbrach ihn nach vier Minuten mit dem Hinweis, dass lediglich Fragen gestellt werden dürfen, da es eine Fragestunde sei. In die wiederholten Anwürfe des Einwohners hinein fuhr der erboste Schiedsmann Peter Martinen laut hörbar dazwischen: „Stellen Sie kurze Fragen.“ Das ignorierte der Mann, seine Anwürfe fielen weiterhin sehr umfangreich aus – unter anderem kritisierte er sinngemäß, dass er keine Tagesordnung der laufenden Sitzung vorfinden könne. Der Bürgermeister: „In dieser Sitzung besprechen wir doch alles. Die Veröffentlichungen finden Sie in den Husumer Nachrichten. Es ist ein Vertreter hier, und über unsere Sitzungen wird berichtet. Die Termine hängen außerdem im Aushangkasten.“ Als die Situation, die auch für steigende Unruhe im Publikum sorgte, sich weiter zuspitzte, reagierte der Bürgermeister energisch: „Entweder Sie stellen hier Fragen, oder ich mache von meinem Hausrecht gebrauch – und dann sind Sie ganz schnell draußen. Im Übrigen möchte ich Sie an dieser Stelle einmal fragen: Was laufen Sie durchs Dorf und machen Fotos von Häusern?“ Energische Antwort des Fragestellers an den Bürgermeister: „Sie haben hier keine Fragen zu stellen – Sie sollen mir antworten.“ Daraufhin eskalierte die Situation vollends: Mehrere Gemeindevertreter erhoben sich und traten hinter ihre Stühle. Der Bürgermeister geriet in höchste Rage. Gemeindevertreter Gerd Radcke versuchte zu schlichten: „Zu ihrer Kritik: Wir wollen uns im Hinblick auf ‚Witzwort.de‘ verbessern. Am 21. Mai haben wir eine Fortbildung.“ Schiedsmann Lorenz F. Paas machte deutlich: „Sie dürfen hier nicht einfach Häuser und Leute fotografieren. Sie greifen in Persönlichkeitsrechte ein. Sie sollten das unterlassen, denn damit begehen Sie womöglich eine Straftat.“

Um 20.30 Uhr forderte Berendt den Einwohner wütend auf: „Verlassen Sie den Raum!“ Auf die Antwort „Nein, das tue ich nicht!“, machte der Gemeindechef unmissverständlich klar: „Ich unterbreche die Sitzung und hole die Polizei.“ Nun erhob sich Schiedsmann Petrer Martinen und machte die rechtliche Lage deutlich: „Der Bürgermeister hat hier das Hausrecht. Er verfügt darüber, wer hier sein darf. Im Übrigen möchte ich jetzt einmal dies zum Ausdruck bringen: Ich bewundere den Langmut, mit der der Bürgermeister hier heute Abend vorgeht.“ Da sich der betreffende Einwohner immer noch weigerte, den Raum zu verlassen, eilte der Bürgermeister hinaus und alarmierte die Polizei. Die konnte dann aber wieder abbestellt werden, denn nach einigen Minuten verließ der Bürger den Saal von selbst. Um 20.50 Uhr – nach 20-minütiger Unterbrechung – ergriff der Bürgermeister sichtlich erschüttert das Wort: „Ich eröffne die Sitzung jetzt zum zweiten Male. Ich nehme es nicht hin, dass man hier vorgeführt wird. Ich möchte betonen, dass mir der Ablauf leid tut.“

In wesentlich ruhigerer Atmosphäre ging es dann durch die Tagesordung. 40 Flüchtlinge leben aktuell in Witzwort, berichtete Berendt. Im ehemaligen Gasthof Tönnsen sind drei Familien aus Afghanistan untergebracht. Als bürgerliches Mitglied im Sozialausschuss legte Marlies Jansen ihr Mandat nieder. Sabine Brehmeier rückt auf Vorschlag der CDU nach. Gemeindevertreter Gerd Radcke ist aus der CDU ausgetreten und bleibt „parteiloser“ Gemeindevertreter.

Im B-Plan Nr. 7 (Am Rodelberg) wird die Grundflächenzahl einstimmig von 0,2 auf 0,25 erhöht. Für das Baugebiet Parkweg wurde die gleiche Erhöhung bei Gegenstimmen von Gaby Lönne und Lothar Landzettel beschlossen. Der Jahresfehlbetrag für 2015 beläuft sich auf gut 36.000 Euro. Er wird aus Mitteln der Ergebnisrücklage ausgeglichen. Die Gemeinde bewirbt sich um eine Nationalpark-Partnerschaft.

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