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Einstimmige Entscheidung : Wittbek erkennt Hitler die Ehrenbürgerschaft ab

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Entscheidung ist klar - Diskussionen gibt es nicht. Und die Gemeinde kann das dunkle Kapitel abschließen.

von
erstellt am 04.Jun.2016 | 12:09 Uhr

Wittbek | Die Entscheidung fiel einstimmig ohne Diskussionen. Dass der Tagesordnungspunkt „Aberkennung einer Ehrenbürgerschaft“ von großem überregionalen Interesse ist, bemerkten die zahlreichen Zuhörer daran, dass Bürgermeister Johannes Jürgensen (A-AWG) die Gemeindevertreter-Sitzung unmittelbar nach dieser Entscheidung unterbrach und zu einem Interview ans Telefon eilte. Der Name desjenigen, dem die Ehrenbürgerschaft aberkannt werden sollte, war auf der Tagesordnung nicht vermerkt. Mit großer Verbitterung sagte der Gemeindechef: „Ik much de Nomen vun düsse Kirl nich in'n Mund nehmen. Jeder weet, worum dat geiht. Loot uns doröver affstimmen.“

Erst im Dezember enthüllten Schüler im Kreis Pinneberg im Rahmen eines Projektes,das Adolf Hitler noch immer Ehrenbürger der Stadt Uetersen ist. Belege für die Aberkennung fehlen. Die Politik beschäftigt sich mit dem Thema. Hitler hat die Ehrenbürgerschaft in 4000 Städten erhalten. Einige Städte haben verstorbenen Machthabern die Ehrenbürgerschaft posthum wieder aberkannt.

In die betretene Stille hinein meldete sich dann Gemeindevertreter Erich Walter (A-AWG) zu Wort: „Es geht um Adolf Hitler. Es steht zwar nirgends – aber wir können doch sagen, um wen es geht. Dessen Ehrenbürgerschaft – so haben wir vernommen – endete nicht mit seinem Tod.“ Nun berichtete auch der Bürgermeister kurz: Er sei angerufen worden von der Vereinigung „Gegen Vergessen. Für Demokratie“.

Nach Einschätzung der überparteilichen und bundesweit vertretenen Vereinigung ist Hitler immer noch Ehrenbürger der Gemeinde Wittbek. Der Gemeindechef hatte sich bereits eindeutig geäußert: „Da gibt es überhaupt keine Diskussionen. Wir sind uns alle einig. In der nächsten Gemeindevertreter-Sitzung werden wir die Ehrenbürgerschaft formell aberkennen. Darüber gibt es keine zwei Meinungen. Im Übrigen ärgert es mich, dass wir uns 71 Jahre nach Kriegsende noch einmal mit diesem Thema befassen müssen.“

Hitler soll in den 1930er Jahren die Ehrenbürgerschaft der Gemeinde angenommen haben, weil Wittbek fünf Mal hintereinander komplett für die NSDAP gestimmt habe.

Die zahlreich teilnehmenden Zuhörer registrierten die Abstimmung kommentarlos und ohne Regung. Claus Röhe, Leitender Verwaltungsbeamter (LVB) des Amtes Nordsee-Treene, und Jürgensen waren zunächst der Auffassung gewesen, dass die Ehrenbürgerschaft mit dem Tod des Betreffenden endet. Nach Einschätzung der Vereinigung ist das jedoch nicht so.

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